https://www.faz.net/-gpf-nxol

Lateinamerika-Reise : Chávez ärgert Bush

  • -Aktualisiert am

Beobachter zeigen sich von Bushs Charme-Offensive unbeeindruckt Bild: AFP

Der amerikanische Präsident und sein venezolanischer Gegenspieler buhlen in Lateinamerika um Verbündete. Während Hugo Chávez den bolivarischen Bund weiter schmiedet, hinterlässt George W. Bushs Offensive wenig Eindruck. Von Josef Oehrlein.

          Was für ein Zufall es doch sei, dass George W. Bush gerade jetzt in der Nachbarschaft seinem Flugzeug entsteige, flunkerte Hugo Chávez. Dabei wusste jeder seiner rund 30.000 Zuhörer, dass der venezolanische Präsident für seinen Auftritt im Stadion eines Mittelklasseviertels von Buenos Aires sorgsam den Augenblick abgepasst hatte, in dem Bush auf der anderen Seite des Río de la Plata die uruguayische Hauptstadt Montevideo erreichte.

          Vor einem Bild Che Guevaras versuchte Chávez noch jene Attacken gegen seinen Erzfeind Bush zu übertreffen, die er im September in New York geritten hatte. In der Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte Chávez als Nachredner Bushs am Rednerpult verkündet, er rieche noch den Schwefel des „Teufels“. Das „Männlein aus dem Norden“, wie Chávez den amerikanischen Präsidenten seit neuestem gern nennt, sondere nun aber nicht mehr nur Schwefel-, sondern Leichengeruch ab, dröhnte es jetzt in der argentinischen Hauptstadt aus den Stadionlautsprechern. Bush sei ein „politischer Leichnam“, der sich bald in kosmischen Staub verwandeln werde.

          Chávez hat sich in Argentinien eingekauft

          Vielleicht lag es an der Erkältung, die Chávez hörbar plagte, vielleicht leiden seine unflätigen Hetztiraden auch unter Abnutzungserscheinungen. Jedenfalls wirkte die derbe Metapher trotz markiger Stimme kraftlos. Verwunderlich an dem Auftritt waren ohnehin weniger Chávez' Sprüche als die Nonchalance, mit der die argentinische Regierung die Veranstaltung zugelassen hatte. Auch sie dürfte ein wenig Genugtuung empfinden, wenn sie dem uruguayischen Präsidenten Tabaré Vázquez seinen Staatsempfang ein wenig vermiesen könnte. So mies sind mittlerweile die Beziehungen zwischen den Nachbarn und Mercosur-Partnern wegen ihres Dauerstreits um die Papierfabriken am uruguayischen Ufer des Uruguay-Flusses.

          Wütende Demonstranten treffen in Bogota auf die Staatsgewalt

          Mit überraschender Intensität wendet sich die argentinische Regierung inzwischen dem „chavistischen“ Venezuela zu. Chávez hat sich in Argentinien durch den Erwerb von Staatsanleihen für mehrere Milliarden Dollar regelrecht eingekauft. Dankbarkeit spielt eine Rolle, wenn Präsident Néstor Kirchner wie neulich bei einem Gipfel am Orinoco-Fluss und jetzt wieder in Buenos Aires mit Chávez reihenweise Kooperationsabkommen schließt.

          Keine geradlinige antiamerikanische „Front“

          Argentinien scheint vollends in die „bolivarische“ Ländergemeinschaft abzudriften, die Chávez von Venezuela aus über Kuba, Nicaragua, Bolivien und Ecuador zusammenzuschmieden trachtet. Eine Verschlechterung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nimmt Kirchner dafür in Kauf. Die bislang längste Lateinamerika-Reise Bushs zeigt allerdings, dass die antiamerikanische „Front“ in Lateinamerika nicht geradlinig und auch nicht säuberlich zwischen den gemeinhin als links oder rechts geltenden Regierungen verläuft.

          Der Uruguayer Vázquez steht mit seiner regierenden „Breiten Front“, in der traditionell linke Gruppen dominieren, Kirchner sicher näher als Bush - wenn da nicht die Papierfabriken wären. Da sich Uruguay als kleinstes Mitglied im Mercosur jedoch von den Großen Argentinien und Brasilien sowie neuerdings auch von Venezuela zunehmend schlecht behandelt fühlt, sucht es einen Ausweg bei Handelsabkommen etwa mit den Vereinigten Staaten.

          Weitere Themen

          Rackete muss vor Gericht aussagen

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Conway sorgt für nächsten Eklat Video-Seite öffnen

          Trump-Beraterin : Conway sorgt für nächsten Eklat

          Die Seniorberaterin des Weißen Hauses, Kellyanne Conway, verteidigt den amerikanischen Präsidenten auf denkwürdige Weise. Während einer Pressekonferenz fragt sie einen der Reporter nach seiner ethnischen Herkunft, um Trumps Äußerungen zu verteidigen.

          Topmeldungen

          Carola Rackete bei ihrer Festnahme im Juli in Porto Empedocle

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.