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Terror in Schweden : Stockholm im Ausnahmezustand

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Augenzeuge: „Menschen lagen überall“

Die schwedische Nachrichtenagentur TT berichtet, mehrere Verletzte seien in Krankenwagen vom Ort des Geschehens weggebracht worden. Ein Augenzeuge sagte der Zeitung „Aftonbladet“, er sei in einem Schuhgeschäft gewesen und habe ein Geräusch gehört. Dann hätten die Menschen angefangen zu schreien: „Ich schaute aus dem Geschäft hinaus und sah einen großen Lastwagen.“

Ein Mann, der in dem Kaufhaus war, sagte dem schwedischen Radio: „Ich war auf dem Weg zum Ausgang und sah, wie die Wand wie eine Lawine auf uns zukam. Die Menschen haben sich in Panik umgedreht und sind zu den Ausgängen gerannt.“ Sein erster Gedanke sei gewesen, dass eine Bombe explodiert sei. „Als ich aus dem Gebäude herauskam sah ich, dass Flammen herausschlugen.“

Ein weiterer Augenzeuge sagt: „Es war fürchterlich. Unmengen von Blut auf der Straße, Menschen lagen überall“. „Eine Frau stand da mit ihrem Baby auf dem Arm und wirkte wie paralysiert“, beschreibt ein anderer Schwede im Fernsehen die Lage am Tatort. „Wäre ich eine Minute später dort hingekommen, wäre ich umgefahren worden. Ich habe Menschen gesehen, die gestorben sind“, sagt die Schwedin Sandra Japundzic Lindquist dem Radiosender Ekot.

Parlament und Schloss von Polizei abgeriegelt

Die Polizei bittet die Bevölkerung, in geschlossenen Räumen zu bleiben und sich vom Zentrum fernzuhalten. Die schwedischen Sicherheitsbehörden haben wichtige Gebäude in der Innenstadt inzwischen abgeriegelt. Der Gebäudekomplex Rosenbad, Sitz der schwedischen Regierung, das Parlamentsgebäude und das Königsschloss sind demnach von der Polizei abgesperrt worden. Die Polizei räumte zwischenzeitlich auch den Hauptbahnhof Stockholms. Alle Kinos und viele Theater in Stockholm und Umgebung stellen Medienberichten zufolge ihr Abendprogramm ein. Das berichtete unter anderem die öffentlich-rechtliche Fernsehgesellschaft Sveriges Television AB am Freitag. Das Personal des Universitätskrankenhauses Karolinska-Institut bei Stockholm ist Medienberichten zufolge ebenfalls in Alarmbereitschaft versetzt worden. Zusätzliches Personal sei angefordert worden. Alle Ärzte seien gebeten worden, sich einzufinden. Die schwedischen Mobilfunkanbieter „tele2“ und „comviq“ erlassen die Kosten für Telefonate, SMS, MMS und Internet in ganz Schweden zwischen Freitag, dem 7.4., 14.45 Uhr und 8.4, 14.45 Uhr.

Die schwedische Königsfamilie hat schockiert auf das mögliche Attentat mit einem Kleinlaster in Stockholm reagiert. „Ich und die gesamte Königsfamilie haben mit größter Bestürzung die Informationen über das Attentat am Nachmittag in Stockholm entgegengenommen“, schrieb König Carl XVI. Gustaf am Freitag auf der Homepage der Königsfamilie. „Wir folgen der Entwicklung, aber vorerst gehen unsere Gedanken an die Getöteten und deren Familien.“

Die Bundesregierung hat der schwedischen Bevölkerung nach dem mutmaßlichen Lkw-Attentat in Stockholm ihre Solidarität versichert. „Wir stehen zusammen gegen den Terror“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Die Gedanken der Bundesregierung gingen zu den Menschen in Stockholm, zu Verletzten, Angehörigen, Rettern und Polizisten. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte: „Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei jenen, die so jäh aus dem Leben gerissen worden sind und bei ihren Angehörigen.“ Er fügte hinzu: „Wir wissen noch nicht, ob es Bezüge zum internationalen Terrorismus gibt, auch wenn erste Bilder diesen Gedanken aufkommen lassen.“

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