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Laos : Wenn der Mekong stillsteht

Der Fluss als Grundlage des Lebens: Frau Khay sucht im Mekong nach Gold-Krümelchen Bild: Till Fähnders

Sechs Dämme will Laos am Mekong bauen. Vietnam und Thailand warnen vor Konflikten um den Zugang zum Wasser. Ein erstes Dorf musste schon vom Ufer der Lebensader Südostasiens weichen.

          Geräuschlos fließt das braune Wasser des Mekongs vorbei, es kräuselt und glättet sich und schickt das fahle Morgenlicht in den Himmel zurück. Am Ufer ragen Hügel in die Wolken hinein, dicht mit Dschungel bewachsen. Der Mekong wird in Südostasien die „Mutter aller Flüsse“ genannt. Dabei ist es nicht der Strom, der seine Nebenarme gebiert. Sie sind es, die sich in ihn ergießen und ihn mächtig machen. Sie sorgen auch dafür, dass er nie aufhört zu fließen. So erzählt er von einem Kreislauf aus Ende und Neubeginn; oder, wie die laotischen Buddhisten vielleicht sagen würden, von ständiger Wiedergeburt.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dieser ewige Fluss der Dinge ist eine Gewissheit, mit der die Menschen an seinen Ufern seit Urzeiten rechnen. Doch im Namen des Fortschritts wird auch dieser mythische Strom in Laos immer weiter bedrängt. Die Bewohner in den Anrainerländern haben Angst, dass ihre lebenswichtige Ressource durch den Bau von immer mehr Staudämmen zerstört werden könnte. Der Mekong entspringt wie fast alle großen Ströme Asiens im Himalaja. Insgesamt 4800 Kilometer fließt er erst durch China, dann an den Grenzen zu Burma und Thailand entlang durch Laos und Kambodscha bis zum gewaltigen Delta in Vietnam, wo er ins Südchinesische Meer mündet.

          „Batterie Südostasiens“

          Er ist die Lebensader für 60 Millionen Menschen, ermöglicht Reisanbau und den reichhaltigsten Fang an Süßwasserfischen des gesamten Erdballs. Doch Laos, wo 26 Prozent der sechs Millionen Einwohner unter der Armutsgrenze leben, möchte gern die „Batterie Südostasiens“ werden. Elektrizität ist das wichtigste Exportgut. Aus diesem Grund plant das Land den Bau von sechs Wasserkraftwerken am Mekong. Doch Umweltschützer und Nachbarstaaten befürchten Folgen für die Ökologie und die Menschen am Fluss. Im Mekong kommen etwa 700 Fischarten vor, deren Wanderwege den Strom hinab durch die Dämme gestört werden. Der Sedimentgehalt im Wasser wird sich verändern und damit das Ökosystem insgesamt beeinträchtigt. Tausende Anwohner müssen umgesiedelt werden.

          Als Erstes soll der Xayaburi-Damm im Nordwesten des Landes entstehen. Die Reise zur Baustelle führt etwa 90 Kilometer von der alten Königsstadt Luang Prabang zunächst in südliche Richtung über eine staubige Piste, in die das Wasser während der Regenzeit Löcher gespült hat. Es geht vorbei an Plantagen mit Gummibäumen und Teakholz, an zerklüfteten Bergen und armen Dörfern, wo sich an den Wasserpumpen ältere Frauen den nackten Oberkörper waschen. Auf der Fähre, die am Anleger nahe der Kleinstadt Nan ablegt, fahren drei Elefanten auf der Ladefläche eines Lkw in die umgekehrte Richtung. Laos hieß früher „Land der eine Million Elefanten“, und bis heute setzen die Laoten sie als Arbeitstiere ein, etwa, um Baumstämme aus den Wäldern zu ziehen.

          Eine Schule in Ban Pak Noen. Das Dorf soll im Dezember umgesiedelt werden.

          Die Stille am Fluss wird jäh vom Knarzen des Motors unterbrochen, als der Kapitän das schmale Schnellboot über das Wasser peitschen lässt. Ein weißer Vogel fliegt auf. Die Reise soll helfen, die widersprüchlichen Aussagen zu klären, die zum Bau des Wasserkraftwerks gemacht wurden. „Laos stoppt Bau von Mekong-Staudamm“ hatte diese Zeitung im Juli gemeldet. Nach Protesten von seinen Nachbarn und Umweltschützern habe das Land den Bau des Xayaburi-Staudamms am Mekong ausgesetzt. Die Regierung habe entschieden, das Projekt zu verschieben, hatte der Außenminister Thongloun Sisoulith bei einem Asean-Treffen im kambodschanischen Phnom Penh mitgeteilt. Die Nachricht wurde mit Erleichterung aufgenommen. Zudem erlaubte die laotische Regierung erstmals Diplomaten, Geldgebern und Nichtregierungsorganisationen, sich vor Ort zu informieren.

          Vor Ort zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Denn trotz der Ankündigung, den Bau auszusetzen, wird fleißig weitergebaut. Die Anzeichen mehren sich, je länger das Schnellboot über den Mekong flitzt. Es geht an Strudeln und Stromschnellen vorbei, scharfe Steine liegen im Wasser verborgen oder ragen spitz heraus. Ab und zu ist ein Büffel, ein Fischernetz oder eines der langen laotischen Boote zu sehen, es müssen also irgendwo hinter dem grünen Uferband Menschen leben. Auf der rechten Seite kommt eine Straße in den Blick, die wohl vor einiger Zeit aus den Hügeln geschlagen wurde. Es folgen weitere Anzeichen erhöhter Aktivität, ein Steinbruch, eine Containersiedlung, Lastwagen, die Staubwolken hinter sich her ziehen.

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