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Landenteignungen in Zimbabwe : Eine Farm für Frau Mugabe

  • -Aktualisiert am

Gierig: Grace Mugabe mit ihrem Diktator Bild: AP

Die Gattin des Diktators in Zimbabwe hat eine Schwäche für ertragreiches Land. Durch Enteignung ist dies leicht zu bekommen, etwa im Fall eines deutschen Unternehmers.

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          „Graceland“ in Zimbabwe hat nicht viel gemeinsam mit dem gleichnamigen Park des legendären Elvis Presley in Tennessee. „Graceland“ in Zimbabwe muss man wörtlich übersetzen: „Das Land von Grace“, benannt nach der Frau des zimbabwischen Diktators Robert Mugabe, Grace Mugabe. Seit Beginn der Landenteignung vornehmlich weißer Farmer im Jahr 2000 hat Frau Mugabe stets ein waches Auge auf die größten, schönsten und ertragreichsten dieser Farmen gehabt. Fünf davon soll die Familie Mugabe über eine Tarnfirma inzwischen unter ihre Kontrolle gebracht haben, eine davon ist „Arnold Farm“, rund 20Kilometer außerhalb der Hauptstadt Harare.

          „Arnold Farm“ war so etwas wie der Beginn von „Graceland“, und weil „Graceland“ wachsen soll, will Frau Mugabe ihre Latifundien nunmehr um einen benachbarte Farm namens „Manzou Game Park“ erweitern. Dass auf diesem Land 941 Familien leben, ehedem „Landlose“, zu deren angeblichen Nutzen Mugabe die ganze Landenteignung ja erst losgetreten hatte, scheint dabei nicht weiter hinderlich zu sein. Die „Siedler“ wurden in der vergangenen Woche aufgefordert, ihre Sachen zu packen und zu verschwinden. Damit auch jeder die Botschaft verstand, ließ Grace sie per Bereitschaftspolizei überbringen.

          Das Verlautbarungsblatt des Mugabe-Regime, die an die sowjetische „Prawda“ erinnernde Tageszeitung „The Herald“, wusste aber mehr zu berichten. Die „Siedler“ sollen neues Land erhalten, und zwar sollen sie auf drei anderen Farmen in der näheren Umgebung angesiedelt werden. Zwei der auserwählten Siedlungsgebiete aber gehören zu den Ländereien eines deutschen Unternehmers, Heinrich von Pezold.

          „Man muss das öffentlich machen“

          22.000 Hektar bewirtschaftet die Pezold-Firma Rift Valley Holdings Limited alleine in Zimbabwe. Darauf wird Tabak, Mais und Gemüse anbaut sowie Vieh gezüchtet. Das Unternehmen, das seine Produkte unter anderem nach Deutschland exportiert, erwirtschaftet einen Umsatz von zwölf Millionen Dollar, beschäftigt knapp 3000 Menschen und ist damit einer der größten Arbeitgeber des ganzen Landes. Die Firma unterhält Schulen, Werkstätten und eine Krankenstation und stellt damit im Bezirk Mazowe so ziemlich die einzige funktionierende Infrastruktur. 4800 weiße Farmer gab es einst in Zimbabwe und das Land war Nettoexporteur von Lebensmitteln. Heute harren noch 500 Farmer aus und Zimbabwe lebt von Hilfslieferungen aus dem Ausland.

          Ein Drittel seiner Ländereien ist Pezold durch die Landenteignung über die Jahre bereits abhanden gekommen. Dass Grace Mugabe sich nunmehr ihrer „Siedler“ entledigt und sie bei ihm ablädt, will er sich nicht auch noch gefallen lassen. „Man muss das öffentlich machen“, erklärt der Unternehmer, „nur dann passiert auch etwas.“

          Rein rechtlich stehen die Chancen von Heinrich von Pezold gut. Zimbabwe und Deutschland haben vor einiger Zeit ein Investitionsschutzabkommen geschlossen, das Unternehmen wie das seine vor der Willkür des Regimes schützen soll. Doch Rechtssicherheit existiert schon lange nicht mehr in Zimbabwe. „Solche Geschichten laufen hier folgendermaßen ab: Der Gouverneur kriegt den Befehl von ganz oben, die Siedler loszuwerden. Er schaut sich hektisch um, weil ihm Grace im Nacken sitzt, entdeckt den letzten Flecken weißes Land und denkt sich: Bingo“, sagt ein mit den Verhältnissen Vertrauter in Harare.

          Klage bei der Weltbank eingereicht

          Nun hat Zimbabwe seit Anfang 2009 eine „Regierung der nationalen Einheit“ mit dem ehemaligen Oppositionsführer Morgan Tsvangirai als Ministerpräsidenten. Dessen Partei „Movement for Democratic Change“ (MDC) hat sich stets gegen entschädigungslose Enteignung ausgesprochen, schaut dem nach wie vor anhaltenden Landdiebstahl aber weitgehend tatenlos zu.

          Wer es gut meint mit der Partei, erklärt deren Sprachlosigkeit mit dem Umstand, dass das MDC der Mugabe-Partei Zanu-PF keine weitere Munition für deren Behauptung liefern will, Tsvangirai sei ohnehin nur ein Büttel der Weißen. Wer es nicht so gut meint mit der Partei, könnte angesichts des Fehlens signifikanter politischer Fortschritte auf die Idee kommen, der MDC werde vorgeführt und merke es nicht einmal. Bis heute hat es Tsvangirai beispielsweise nicht vermocht, seinen designierten stellvertretenden Landwirtschaftsminister Roy Bennett im Amt zu installieren, weil Mugabe keinen ehemaligen weißen Farmer in der Regierung haben will.

          Der Umgang mit dem Unternehmen des deutschen Investors Pezold ist deshalb auch ein Glaubwürdigkeitstest für die ehemalige Oppositionspartei MDC. An der Illegalität einer weiteren Landbesetzung ist vor dem Hintergrund des bilateralen Investitionsschutzabkommens nicht zu rütteln. Die Folgen könnten für den zimbabwischen Staat kostspielig werden, sollte der doch noch auf den Weg zur Rechtsstaatlichkeit zurückfinden. Gegen die Besetzung eines Drittel seines Landes hat Heinrich von Pezold bereits Klage bei einer Einrichtung der Weltbank eingereicht, dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID) in Washington. Der Streitwert umfasst entgangene Ernten der vergangenen sieben Jahre sowie 9000 Hektar verbrannter Wald.

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