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Lage in Syrien spitzt sich zu : „Die Schlacht wird bald beginnen“

  • Aktualisiert am

Mit dem Abzug der Amerikaner aus den kurdisch dominierten Regionen in Nordsyrien verschieben sich die Machtverhältnisse. Bild: dpa

Nach dem angekündigten Abzug Amerikas werden angeblich syrische Truppen in die Region Manbidsch verlegt, um die Kurden-Hochburg gegen die geplante türkische Offensive zu verteidigen. Russland soll das Vorgehen unterstützen.

          Die Verlegung geschehe mit Unterstützung Russlands, teilten Milizen in der Kurden-Hochburg mit. Die Truppenbewegungen seien auch mit den Milizen in der Stadt abgestimmt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Vertreibung der syrischen Kurdenmiliz YPG aus Manbidsch angekündigt, die Offensive nach Bekanntgabe des Abzugs der amerikanischen Truppen aus Syrien aber zunächst verschoben und zugesagt, sein Vorgehen in dem Land mit seinen Kollegen in Washington und Moskau abzustimmen.

          „Die Schlacht wird bald beginnen“, sagte der Sprecher der Nationalen Armee, Jussef Hamud. Die Nationale Armee ist eine Rebellen-Fraktion, die von der Türkei unterstützt wird. „Was wir jetzt an der Front beobachten können, ist die Verstärkung aller Kräfte, um die volle Einsatzbereitschaft für die Schlacht herzustellen“, sagte Hamud.

          Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu erklärte laut der Zeitung „Hurriyet“ am Dienstag, türkische Truppen würden sobald wie möglich den Fluss Euphrat in östlicher Richtung überschreiten. Die Gegend östlich des Euphrat galt bislang als kurdisches Einflussgebiet unter Billigung der Amerikaner. Nach Angaben Cavusoglus haben sich Amerika und die Türkei darauf verständigt, dass die YPG sich vollständig aus der Stadt Manbidsch westlich des Euphrat zurückziehen muss.

          Der syrische Präsident Baschar al-Assad lehnt eine türkische Intervention im Norden seines Landes als Verletzung der Souveränität ab. Erdogan will aber gegen die kurdischen Milizen in Nordsyrien vorgehen, da er in ihnen Unterstützer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK sieht. Er hält mit dem Rückzug Amerikas nun seine Chance für gekommen. Die kurdischen Milizen waren bislang der wichtigste Verbündete der Amerikaner bei Bodenkämpfen gegen den „Islamischen Staat“. Das in Nordsyrien engagierte türkische Militär hat bislang Offensiven gegen sie gescheut, um kein direktes Aufeinandertreffen türkischer und amerikanischer Soldaten zu riskieren.

          Erdogan will Trump und Putin treffen

          Doch noch sind die Gesprächskanäle offen: Erdogan wolle sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen, erklärte das türkische Staatsoberhaupt am Dienstag. Die türkische Regierung teilte darüber hinaus mit, Amerikas Präsident Donald Trump sei zu einem Staatsbesuch eingeladen worden. Sowohl Trump als auch Putin reagierten zunächst verhalten. Trumps Sprecher Hogan Gidley erklärte, der amerikanische Präsident stehe einem Besuch offen gegenüber, es gebe allerdings noch keine konkreten Pläne. Putin ließ über einen Sprecher mitteilen, es gebe keine vordringlichen Pläne, Erdogan zu treffen.

          Erdogan hatte vor Reportern erklärt, er werde wahrscheinlich mit Putin die Folgen des amerikanischen Abzuges aus Syrien besprechen. CNN Turk berichtete, Außenminister Cavusolgu werde in den kommenden Tagen nach Russland reisen, um das Treffen vorzubereiten. Erdogan und Trump sprachen sich nach türkischen Angaben bei einem Telefonat dafür aus, das Entstehen eines Machtvakuums in Syrien zu verhindern.


           

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