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Argentinien in der Krise : Das Gespenst des IWF geht wieder um

Angst vor der Rückkehr der Zustände von 2001: Argentinier protestieren am 12. September in Buenos Aires gegen die Regierung von Präsident Macri. Bild: AFP

Argentinien steckt wieder einmal in der Krise. Die Armut wächst und mit ihr die Unzufriedenheit. Für Präsident Macri wird die Lage ernst, denn er steht immer mehr in der Kritik.

          6 Min.

          Als der argentinische Präsident Mauricio Macri vor kurzem in einer Ansprache an die Nation sagte, dass die letzten Monate die schwierigsten seines Lebens waren, musste Lillian Gómez lachen. Halb aus Verwunderung, halb aus Verzweiflung. „Er sollte uns mal besuchen“, sagt Gómez. Sie leitet zusammen mit anderen Frauen einen von acht Mittagstischen im Armenviertel Villa 21 am Stadtrand von Buenos Aires. Jeden Tag kocht sie achtzig warme Mahlzeiten für die Bedürftigsten unter den Bewohnern, und jeden Tag wird die Warteschlange vor ihrem „Comedor“ länger. Nicht nur mehr Kinder kommen, sondern ganze Familien. Es sei hart, die Leute abweisen zu müssen, denn sie kenne die meisten, sagt Gómez, die selbst Mutter dreier Kinder ist. Doch sie bekomme nicht mehr Lebensmittel von der Regierung, mit denen sie noch mehr Leute versorgen könnte.

          Tjerk Brühwiller

          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Armensiedlungen wie Villa 21 sind der beste Indikator für den Anstieg der Armut, von dem Macri in seiner überaus ehrlichen Rede sprach. Mehr als alle anderen Argentinier sind die Leute hier von den Entwicklungen der vergangenen Monate betroffen, denn sie spüren den Verfall des Pesos, der seit Jahresanfang die Hälfte seines Wertes verloren hat, und die Inflation unmittelbar. Viele Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs sind teurer geworden, der öffentliche Transport ebenso. Die Inflationsrate hat 40 Prozent überschritten und damit den höchsten Stand seit der Krise von 2001 erreicht. Die ohnehin kleinen Gehälter sind mit der wachsenden Teuerung noch knapper geworden. Lillian Gómez, die als Haushaltshilfe arbeitet, verdient im Monat rund 5000 Pesos. Das sind beim derzeitigen Kurs knapp 115 Euro. Hinzu kommt noch die staatliche Sozialhilfe, von der in irgendeiner Form jeder dritte argentinische Haushalt profitiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Bewohnern der Villa 21, die arbeitslos sind oder von Gelegenheitsjobs oder ausschließlich von der Sozialhilfe leben, hat Gómez jedoch ein regelmäßiges Einkommen.

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