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Lage in Ägypten : Wie vor einem Jahr

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Ein Jahr nach der Wahl Mursis ist die Stimmung in Ägypten weiter explosiv Bild: AP

Ein Jahr nach dem Amtsantritt des Islamisten Mursi herrscht in Ägypten eine Stimmung wie in den Tagen der Revolution gegen seinen Vorgänger Mubarak. Dieser Sonntag wird zeigen, ob die Macht der Straße ihn nicht doch zu Neuwahlen zwingt.

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          Mursi muss weg, darüber sind sich Millionen Ägypter einig. Die Putzfrau, die ihn vor einem Jahr wählte, ebenso wie der Rechtsanwalt, der nie etwas von der Muslimbruderschaft hielt, in der der islamistische Machthaber aufstieg, ehe er vor einem Jahr zum ersten zivilen Staatschef gewählt wurde.

          Mursi muss weg: Für dieses Ziel haben Millionen Ägypter Flugblätter unterschrieben. Mursi muss weg: Dafür sind in den vergangenen Tagen fünf Menschen gestorben. Hunderttausende wollen an diesem Sonntag überall in Ägypten gegen ihn demonstrieren.

          Ein Jahr nach dem Amtsantritt des Islamisten herrscht eine Stimmung wie in den Tagen der Revolution gegen Mursis Vorgänger Mubarak. Das Land ist in Aufruhr. Von Port Said am Suez-Kanal bis Luxor im Süden des Landes laufen Menschen Sturm gegen die Herrschaft der selbst ernannten Tugendwächter. Nicht nur Arbeitslosigkeit, Treibstoffkrise und Inflation treibt die Demonstranten um.

          Für sie trägt Mursi die gleiche autoritäre Fratze wie Mubarak, er tritt die Ziele der Revolution mit Füßen. Freiheit, Würde und soziale Gerechtigkeit zählen im neuen Ägypten der Muslimbrüder genauso wenig wie unter dem Mubarak-Regime.

          Vor einem Jahr bissen viele Revolutionäre der ersten Stunde noch in den sauren Apfel, als sie in der Stichwahl für Mursi stimmten - und gegen den Vertreter des alten Regimes.

          Ein Jahr später sind sie weiter. Die soziale Krise hat sich ausgeweitet, Intoleranz gegenüber Kopten und Schiiten ist an der Tagesordnung. Rigides Vorgehen gegen Medien- und Kulturschaffende bestimmt den Kurs von Mursis Männern, das von ihm kontrollierte Notparlament peitscht ein restriktives Gesetz nach dem nächsten durch. Kontrolle der Institutionen ist alles, für Mursi zählt nur der Wahlsieg. Dieser Sonntag wird zeigen, ob die Macht der Straße ihn nicht doch zu Neuwahlen zwingt.

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