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Lage der Farc : Das Testament des Manuel Marulanda

  • -Aktualisiert am

Manuel Marualanda alias „Tirofijo” im März 2001 Bild: picture-alliance/ dpa

Zehn Monate nach dem Tod des Farc-Gründers Manuel Marulanda wurde ein Dokument veröffentlicht, in dem er einen ungeschminkten Bericht über die Lage der Guerrilla abgegeben hatte: Die prekäre Lage der „revolutionären Streitkräfte“ sah er deutlich.

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          Dem Ende März vergangenen Jahres gestorbenen Guerrilla-Veteranen Manuel Marulanda war kurz vor seinem Tod die prekäre Lage vor Augen, in die seine Guerrillaorganisation „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) geraten war. Denn das kolumbianische Militär hatte ihr einige Schläge versetzt. Insbesondere der Verlust des Farc-Sprechers Raúl Reyes, der eine Art Generalsekretär und Marulandas rechte Hand war, hatte nach Ansicht des auch „Tirofijo“ (Sicherer Schuss) genannten Farc-Gründers Folgen, die „schwer abzuschätzen sind“. Reyes war Anfang März bei einem Angriff der kolumbianischen Sicherheitskräfte auf ein Farc-Lager in Ecuador getötet worden.

          Am 21. März, fünf Tage bevor Marulanda selbst einem Herzversagen erlag – nach Mutmaßungen der Regierung starb er bei einem Angriff der Streitkräfte auf sein Lager –, hat er offenbar mit Hilfe seiner Gefährtin „Sandra“ einen ungeschminkten Zustandsbericht über die Farc verfasst.

          Computer als „Kriegstrophäe“

          Das Dokument, das als eine Art Testament des fast 80 Jahre alt gewordenen Marulanda gilt, wurde Ende Oktober in einem Notebook gefunden, das Polizei und Militär bei der Aushebung eines Farc-Lagers sichergestellt haben. Die Zeitschrift „Cambio“ hat jetzt den Inhalt des Berichts veröffentlicht, den die Geheimdienste für authentisch halten.

          Der Tod des Farc-Sprechers Reyes war ein harter Schlag für die Guerrilla

          Marulanda beklagt sich, dass bei dem Angriff, bei dem Reyes getötet wurde, drei Computer mit wichtigen Informationen konfisziert worden seien. „Die Geheimnisse der Farc sind vollständig verlorengegangen mit Geheimdokumenten und Ratschlüssen der neunten Konferenz (der Farc-Führung)“, schreibt Marulanda. Die Computer seien der Öffentlichkeit als „Kriegstrophäe“ vorgeführt worden. Offenbar wusste er nicht, dass Reyes im Nachbarland Ecuador kampierte, denn er wundert sich, dass ihn „Genosse Raúl“ darüber nicht informiert habe.

          Schläge nicht irreparabel

          Marulanda sieht einen Austausch von Farc-Geiseln gegen gefangene Guerrilleros in weiter Ferne. Er erwähnt einen gemeinsamen Plan mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, meint aber zugleich, eine humanitäre Übereinkunft sei schwer denkbar angesichts des „Triumphalismus des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe und des Militärs“. Es werde lange dauern, bis nach dem Tod Reyes’ die Rechnungen beglichen seien.

          Die Schläge, die die Guerrilla erlitten habe, seien aber nicht irreparabel. Die Farc müssten gegenüber der Regierung unnachgiebiger sein. Seinen Leuten wirft Marulanda vor, ideologisch ungenügend vorbereitet und nicht wachsam genug gewesen zu sein. Dadurch seien „Infiltrationen“ möglich geworden.

          In dem offenbar für den führungsinternen Gebrauch formulierten Bericht wird die Protagonistenrolle der Präsidenten Venezuelas und Ecuadors, Hugo Chávez und Rafael Correa, für künftige politische und militärische Aktionen der Farc unterstrichen. Außerdem werden die finanziellen Zuwendungen erwähnt, die Venezuela vorgeblich den Farc zukommen ließ und mit denen die Farc die Regierung Correa unterstützt hätten.

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          Unser Autor: Oliver Georgi

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