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Migranten auf „Balkanroute“ : Von der Weiterreise nach Norden hält sie niemand ab

Wird auf der ganzen Grenzlänge ausgebaut: Ein Zaun, der Griechenland von Migranten auf türkischer Seite trennt (Aufnahme vom März 2020) Bild: AFP

Die Türkei, Griechenland, Ungarn und andere Länder an der sogenannten Balkanroute gehen nach einem einfachen Prinzip vor: Migranten sollen nicht irregulär einreisen, doch ihre Weiterreise ist kein Problem.

          8 Min.

          In den Jahren 2015 und 2016 wurde in der politischen Debatte in Deutschland ein Begriff populär, der als Meisterstück politischer Rhetorik gelten kann. Besonders der ungarische Regierungschef Viktor Orbán und Österreichs damaliger Außenminister Sebastian Kurz sorgten für seine Verbreitung: Auf dem Höhepunkt der Migrationskrise wurde wie selbstverständlich davon gesprochen, dass die vielen Hunderttausend Menschen, die irregulär nach Deutschland, Schweden und in andere Wohlfahrtsstaaten einreisten, über die „Balkanroute“ gekommen seien. Dass der westliche Balkan von EU-Mitgliedstaaten umgeben ist, ging dabei unter. Wer über die „Balkanroute“ nach Deutschland kam, muss vorher mehrere EU-Staaten durchquert haben – Griechenland oder Bulgarien im Süden sowie Kroatien, Slowenien und Österreich oder Ungarn und die Tschechische Republik, mitunter auch Rumänien, im Norden.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Seit einigen Wochen ist neuerlich von der „Balkanroute“ die Rede. Die Zahl der irregulären Einreisen nach Deutschland über diese Verbindung steigt wieder – zum Teil wie gehabt über Ungarn und Österreich, doch nun vermehrt auch über die Tschechische Republik, die 2015/16 noch am Rande des Geschehens lag. Es gibt mehrere Gründe für den Anstieg der Zahlen – aber ein rein balkanisches Phänomen ist die jüngste Entwicklung genauso wenig wie vor sieben Jahren.

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