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Labour-Krise : Memoiren gegen Brown

Gordon Brown in der Krise Bild: picture-alliance/ dpa

Weiter Gegenwind für den britischen Premier: Drei Schlüsselfiguren der New-Labour-Ära glauben nicht an eine lange Amtszeit. Lord Levy, John Prescott und Cherie Blair lassen in ihren gerade erschienenen Büchern kaum ein gutes Haar an Gordon Brown.

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          Schon das zweite Mal hat der britische Premierminister Brown nach dem Wochenende versucht, mit dem Zündschlüssel neuer politischer Initiativen ein Comeback seiner Regierung zu starten und sich wegzubewegen von verheerenden Lokalwahlergebnissen und internen Aufständen in der Labour-Fraktion. Auch beim zweiten Mal ist der Motor nicht recht angesprungen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Brown hat am Montag durchblicken lassen, er werde sein Regierungsprogramm für die nächsten zwölf Monate diese Woche bekanntgeben, wurde aber am Blick nach vorn von einer Äußerung des Labour-Abgeordneten Field gehindert, der vor vierzehn Tagen erst die ernsteste Revolte in der Labour-Fraktion gegen den Premierminister angezettelt hatte. Field sagte jetzt, er glaube nicht, dass Brown die Partei in die nächste Wahl führen werde, und fügte den Rat an, er solle sich mit seiner Familie beraten, was als Nächstes zu tun sei.

          Keine Anerkennung für Brown

          Zur gleichen Zeit drohen die Schatten vergangener Labour-Tragödien Browns Handeln zu verdunkeln. Gleich drei Schlüsselfiguren der New-Labour-Ära, die mit Tony Blair vor elf Jahren begann und mit Brown nicht mehr so recht vorankommt, haben ihre Memoiren publiziert und Vorabdruck-Rechte an Zeitungen verkauft.

          Lord Levy: „Blair hat an Brown gezweifelt”

          Und weder bei Lord Levy, dem früheren obersten Spendensammler der Labour-Partei, noch bei John Prescott (der eine erste Tranche seiner Erinnerungen mit dem Geständnis würzte, er habe Bulimie gehabt), noch bei Cherie Blair, der Frau des früheren Premierministers, finden sich anerkennende Bemerkungen über den gegenwärtigen Regierungschef.

          Kein Tellerklappern bei diplomatischen Gesprächen

          Lord Levy behauptet, Brown wisse mehr über den Spendenskandal, der zur Amtszeit Blairs die Partei erschütterte, als er heute zugeben wolle. Zudem macht der frühere Schatzmeister jetzt publik, Blair habe ihm, Levy, gegenüber immer daran gezweifelt, dass Brown das Zeug zum Partei- und Regierungschef habe.

          Das trifft sich mit den Äußerungen, die Prescott der Öffentlichkeit mitteilte. Demnach habe er auf dem Höhepunkt der Rivalität zwischen Blair und Brown Letzterem geraten, er solle lieber aus der Regierung verschwinden und von den Hinterbänken des Unterhauses aus seinen Kampf gegen Blair fortsetzen. Prescotts Frau ließ die Öffentlichkeit wissen, ihr Mann habe immer die Sonntagvormittage am Telefon verbringen und zwischen Blair und Brown als Beziehungsberater vermitteln müssen - wenn sie derweil den Geschirrspüler habe leerräumen wollen, habe ihr Mann ihr stets mit einem ärgerlichen „sssshh“ bedeutet, nicht mit den Tellern zu klappern.

          Cherie entschärft sich selbst mit Pikantem

          Noch gefährlicher für Brown, weil aus noch unmittelbarerer Beobachtung stammend, hätten die Memoiren Cherie Blairs werden können, die berichtet, sie habe Brown ungeduldig „mit den Schlüsseln rasseln hören“ in der oberen Wohnung von Downing Street 10, die er als Schatzkanzler bewohnte, während ein Stockwerk tiefer Blair regierte. Doch Cherie Blair scheint ihre Memoiren unfreiwillig selber dadurch entschärft zu haben, dass sie in das Buch außer der grimmigen Nachrede über den einstigen Nachbarn Brown auch allerlei Anekdotisches zum Ruhm der eigenen Person hineinpackte, das den politischen Inhalt bei weitem aussticht.

          Die „Times“ druckte jetzt die Episode, in der Cherie mitteilt, ihr viertes Kind Leo, das sie als Fünfundvierzigjährige im Mai 2000 auf die Welt brachte, sei im September zuvor während eines Wochenendes auf Schloss Balmoral gezeugt worden, dem schottischen Landsitz der Queen. Die Königin hatte dem Ehepaar Blair schon im Jahr zuvor die Ehre eines privaten Empfangs auf Balmoral gegeben. Weil aus Sicherheitsgründen nach der Ankunft auch ihre Toilettenartikel durchsucht wurden, wollte Frau Blair im Folgejahr ihre Verhütungsmittel nicht mitnehmen. Aus diesem Versäumnis sowie dem Umstand, dass die schottische Septembernacht sehr kalt gewesen sei, habe dann Leo resultiert.

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