https://www.faz.net/-gpf-9cztm

Labour-Chef in England : Jeremy Corbyn gibt Antisemitismus-Problem zu

  • Aktualisiert am

Seine Partei hat ein Antisemitismus-Problem: Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn. Bild: AP

Seit Monaten schwelt eine Antisemitismus-Affäre um die britische Labour-Partei. Nun stellt der Vorsitzende klar, wer Judenfeindlichkeit verbreite, tue das nicht in seinem Namen. Jüdische Organisationen sind nicht beeindruckt.

          1 Min.

          Der Vorsitzende der britischen Labour-Partei Jeremy Corbyn hat ein „echtes Problem“ mit Antisemitismus in seiner Partei zugegeben. „Ich gebe zu, dass es ein echtes Problem gibt, an dessen Lösung Labour arbeitet“, schrieb der Oppositionsführer am Samstag in einem Beitrag für die Tageszeitung „Guardian“. Ihm wird schon seit Jahren vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen antisemitische Äußerungen in den eigenen Reihen vorzugehen.

          Das Thema war vor wenigen Tagen wieder in den Fokus gerückt, weil sich seine Partei weigerte, die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance zu übernehmen. Dies ist ein Zusammenschluss von 31 Staaten, die sich dem Kampf gegen Antisemitismus und Holocaust-Leugnung verschrieben haben. Sie kooperiert unter anderem mit der UN. Auch Deutschland ist Mitglied.

          „Alle, die antisemitisches Gift versprühen, müssen kapieren: Ihr tut das nicht in meinem Namen“, schrieb Corbyn nun. „Ihr seid nicht meine Unterstützer und habt keinen Platz in unserer Bewegung.“

          Jüdische Organisationen in Großbritannien reagierten zurückhaltend auf den Beitrag des Parteivorsitzenden. Es sei nur ein weiterer Artikel, der eine von Labour selbst geschaffene Lage beklage, aber nichts ändere, sagte ein Sprecher des Jewish Labour Movement. Die Organisation sehe sich einmal mehr genötigt, „Taten statt Worte“ einzufordern. Inzwischen habe sie kein Vertrauen mehr in Corbyn.

          Kürzlich hatte der Labour-Vorsitzende gesagt, dass seine Partei seit 2015 300 interne Verfahren wegen Antisemitismus eingeleitet habe. Etwa die Hälfte davon führten zu Ausschlüssen oder Rücktritten. Corbyn wies einen Teil der jüngst gegen seine Partei erhobenen Vorwürfe aber auch als „überhitzte Rhetorik“ zurück. So könne er die Aussage nicht akzeptieren, Labour sei eine „Bedrohung“ für Juden.

          Weitere Themen

          Eine Stadt steht unter Schock

          Heftige Explosion in Beirut : Eine Stadt steht unter Schock

          Eine gewaltige Explosion in Beirut fordert zahlreiche Menschenleben, mehr als 2750 Personen werden verletzt. Auslöser der Detonation war eine enorme Menge Ammoniumnitrat, die ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Hafenlager aufbewahrt wurde.

          Topmeldungen

          Ein Soldat des libanesischen Militärs schaut auf den Ort der Explosion in Beiruts Hafen

          Libanon : Mehr als 70 Tote und 3000 Verletzte bei Explosion in Beirut

          Der Libanon steckt derzeit in einer seiner schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Mitten in diesen politischen Turbulenzen kommt es am Hafen von Beirut zu einer gewaltigen Explosion. Verantwortlich gewesen sein könnte eine Lagerhalle mit Ammoniumnitrat sein.
          SPD-Politiker Kevin Kühnert

          SPD-Führung : Kühnert auf dem Weg

          Kevin Kühnerts Ziel, der Bundestag, ist der beste Weg, um die SPD-Führung weiter rutschen zu lassen. In wessen Richtung? Dumme Frage.
          Noch eine reine Idylle, soll sie bald für den nächsten „Mission: Impossible“-Teil von Tom Cruise in die Luft gesprengt werden: Die majestätisch in dreißig Metern Höhe über den Bober schwingende Stahlfachwerkbrücke des Ingenieurs Otto Intze von 1905.

          Cruise bedroht Brücke : Was die Wehrmacht nicht schaffte

          Mission: Unmöglich! Tom Cruise will für seinen neuen Film eines der schönsten Brückenmonumente Polens sprengen. Wenn er damit durchkommt, wäre das ein Skandal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.