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Kampf gegen IS : Syrischer Kurdenführer kritisiert den Westen

  • -Aktualisiert am

Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG im Juni im Nordosten Syriens Bild: AFP

Aldar Xelil, der Führer der syrischen Kurden, fordert vom Westen mehr Militärhilfe für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Seine kurdische Miliz müsse stärker eingebunden werden - schließlich sei sie „die stärkste Einheit am Boden“.

          Der Führer der syrischen Kurden hat den Westen zu einer stärkeren militärischen und politischen Unterstützung der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) aufgefordert. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Aldar Xelil, der der Bewegung für eine Demokratische Gesellschaft (Tev-Dem) vorsteht, dass „alles, was uns hilft, den ‚Islamischen Staat‘ zurückzudrängen“, willkommen sei. Xelil kritisierte Amerika und seine Verbündeten dafür, die YPG nicht stärker in ihren Kampf gegen die Terrormiliz einzubinden. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die YPG „die stärkste syrische Gruppe“ bei der Bekämpfung des IS sei. Zu glauben, dass Einheiten von Präsident Baschar al Assad wirksam gegen die Dschihadisten vorgehen könnten, sei eine Illusion. „Sobald die Regierungssoldaten hören, dass sich der IS nähert, machen sie sich aus dem Staub“, sagte er im kurdisch kontrollierten Teil Nordsyriens.

          Die mehr als 40.000 Mann starke YPG ist der syrische Verbündete der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Xelil ist der wichtigste Verbindungsmann der syrischen Kurden zur PKK-Führung im irakischen Qandil-Gebirge. Statt auf Kooperation mit der Türkei zu setzen, die „entscheidend an der Ausweitung der Krise in Syrien“ beteiligt sei, müssten die Vereinigten Staaten und Europa anerkennen, dass seine Kurdenmiliz „die stärkste Einheit am Boden“ sei. Dass die YPG nicht zur Anti-IS-Konferenz im Juni nach Paris eingeladen worden sei, bezeichnete Xelil als Fehler. „Dass man uns als Teilnehmer nicht wollte, zeigt, dass dort nicht wirklich eine Lösung angestrebt wurde.“

          Anders als im Irak, wo die von Amerika geführte Anti-IS-Allianz mit kurdischen Peschmerga und irakischen Regierungstruppen zusammenarbeitet, kooperiert sie in Syrien nicht mit Einheiten des Regimes. Xelil sagte, ein Frieden in Syrien sei nur durch Verhandlungen möglich. Dazu sei er auch zu Gesprächen mit Vertretern des Regimes und Führern islamistischer Milizen wie dem IS und der Nusra-Front, dem syrischen Ableger Al Qaidas bereit.

          Die gegenwärtige Schlacht um Aleppo bezeichnete der Kurdenführer als „entscheidend für die Zukunft Syriens“. Der Ausgang der in der vergangenen Woche begonnenen Offensive einer Allianz islamistischer Milizen auf die von Regierungstruppen gehaltenen Viertel der einstigen Metropole werde zeigen, „ob das Regime tatsächlich am Ende“ sei. Auch kurdische YPG-Kämpfer sind an den Gefechten in der größten syrischen Stadt beteiligt, laut Xelil allerdings nur zur Selbstverteidigung.

          Im Juni war es den kurdischen Kämpfern mithilfe amerikanischer Luftschläge gelungen, einen mehr als 150 Kilometer langen Korridor entlang der syrischen Nordgrenze freizukämpfen und damit die wichtigste Nachschubroute der Dschihadisten aus die Türkei zu zerschlagen. Auch in der nordostsyrischen Provinz Hassakeh schaffte es die YPG gemeinsam mit arabischen und christlichen Milizionären, die Dschihadisten zurückzudrängen.

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