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Kampf gegen die Terrormiliz : Kurden feiern Sieg über den IS in Kobane

  • -Aktualisiert am

Bild: AFP

Die kurdischen Verteidiger haben am Dienstag den Sieg über den „Islamischen Staat“ in Kobane verkündet. Nach 133 Tagen Belagerung sei es den Kämpfern gelungen, die „dunklen Banden“ zu vertreiben.

          Das Generalkommando der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) hat am Dienstag den Sieg über den „Islamischen Staat“ (IS) in Kobane verkündet. Nach 133 Tagen Belagerung sei es den Kämpfern der Grenzstadt zur Türkei gelungen, die „dunklen Banden“ des IS zu vertreiben - nicht nur im Namen der Bewohner Kobanes, sondern „für die ganze Menschheit“. Die Schlacht, bei der seit Beginn der Belagerung durch die sunnitische Terrormiliz im September vergangenen Jahres mehr als 1600 Menschen getötet wurden, sei eine „zwischen Menschlichkeit und Brutalität, zwischen Freiheit und Grausamkeit“ gewesen.

          Besonderen Dank sprach die YPG-Führung den irakisch-kurdischen Peschmerga und Einheiten der Freien Syrischen Armee (FSA) aus, die geholfen hätten, die nordsyrische Enklave gemeinsam mit dem syrischen Arm der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu verteidigen. Weder der Zusammenschluss mit den lange als Rivalen um die Vorhut im kurdischen Lager geltenden Peschmerga noch die  Kooperation mit der mehrheitlich arabischen FSA ist selbstverständlich: Der  irakische Kurdenpräsident Massud Barzani stimmte der Entsendung von Kämpfern nach Kobane erst zu, nachdem YPG-Einheiten im vergangenen August Tausende Yeziden im Sindschar-Gebirge vor einem Genozid durch den IS gerettet hatten. Und innerhalb der FSA-Führung gibt es bis heute Widerstand gegen die YPG und deren politischen Flügel von der Partei der Demokratischen Union (PYD), dem sie Kollaboration mit dem Regime Baschar al Assads vorwerfen.

          Dass die Siegesfeier über den „Islamischen Staat“ auf den ersten Jahrestag der Ausrufung des Kantons Kobane fällt, dürfte die Ängste der an den Rand gedrängten Oppositionsarmee verstärken. Im Januar 2014 hatten die kurdische  Führung den Zusammenschluss Efrins, Kobanes und Cizires unter dem Namen Rojava  beschlossen. Seitdem wird das Gebiet im Dreiländereck mit der Türkei und dem Irak weitgehend selbst verwaltet. Eine Errungenschaft, die der FSA - im Unterschied auch zum „Islamischen Staat“ und dem syrischen Al-Qaida-Ableger der Nusra-Front - nie gelang. Knapp vier Jahre nach Beginn der friedlichen Proteste gegen Assad steht sie als Verliererin der Revolution da, die sich innerhalb weniger Monate vom Aufstand zum bewaffneten Konflikt entwickelt hat. 

          Das Erstarken der Dschihadisten hat den Blick Amerikas verändert

          Zu Beginn einer neuen Verhandlungsrunde zwischen Oppositions- und Regimevertretern in Moskau haben FSA-Vertreter deshalb in den vergangenen Tagen versucht, eine vielleicht letzte Offensive zu starten, um die Teilhabe an einer möglichen Übergangsregierung zu sichern. Wie zum Beweis seiner Handlungsfähigkeit besuchte der Verteidigungsminister der Gegenregierung, Salim Idriss, am Montag von der Opposition gehaltene Gebiete nahe der  Hafenstadt Latakia. Der neu gewählte Führer des Exilbündnisses Nationale Koalition, Khaled Koja, versicherte ihm, dass die Schaffung einer sicheren Zone für die FSA oberste Priorität genieße. Verhandlungen mit dem Regime könne es nur geben, wenn garantiert sei, dass Assad in einer Übergangsregierung keine Rolle spiele. Das aber ist so unwahrscheinlich wie seit Verabschiedung des Genfer Kommuniqués im Sommer 2012 nicht mehr.

          Damals hatten sich Amerika und Russland auf die Schaffung eines Interimsgremiums aus Regime- und Oppositionsvertretern  geeinigt. Auch die gescheiterten Verhandlungen in Genf vor einem Jahr basierten auf diesem Format. Doch die Moskauer Gespräche nehmen explizit Abstand davon; auch der amerikanische Außenminister John Kerry hat zuletzt nicht mehr auf einem Rücktritt des Diktators in Damaskus beharrt, sondern ihn aufgefordert, über die Konsequenzen seines Handelns nachzudenken und „die Bevölkerung an erste Stelle zu setzen“. Noch vor weniger als anderthalb Jahren hatte Kerry Assad mit militärischen Konsequenzen gedroht, nachdem das Regime von der Opposition gehaltene Vororte der Hauptstadt mit Giftgas bombardiert hatte.

          Doch das Erstarken des „Islamischen Staats“ und des syrischen Al-Qaida-Ablegers Nusra-Front im Jahr 2014 haben die Koordinaten Amerikas verändert: Lieber ein Frieden mit Assad als weiteren islamistischen Terror, lautet die Devise in Washington. Dass es den YPG-Kämpfern in Kobane nur dank der Luftunterstützung amerikanischer Kampfflieger gelingen konnte, die IS-Einheiten zurückdrängen, fällt bei dieser Strategie freilich unter den Tisch. Die amerikanische Ankündigung, FSA-Kämpfer ab dem Frühjahr in der Türkei auszubilden, hat bei Verteidigungsminister Idriss und seinen Offizieren wenig Begeisterung  geweckt. Denn der nächste Angriff der aus Kobane abgezogenen IS-Kämpfer dürfte deren Einheiten schon in den kommenden Tagen treffen.

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