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Kuba : Schöne neue Pseudo-Reisefreiheit

  • -Aktualisiert am

Lange Schlangen vor der spanischen Botschaft in Havanna, um das begehrte Reisedokument zu erhalten Bild: dpa

Reisefreiheit für Rentner - so war es einst in der DDR. Weit davon entfernt ist auch die neue kubanische „Reisefreiheit“ nicht, denn sie gilt nicht für das „geistige Kapital“ Kubas.

          Haben Sie schon einmal von der Uferpromenade Malecón in Havanna aus auf die Straße von Florida hinaus geschaut? Oder vom Strand eines Touristenhotels in Varadero oder Holguín auf den Atlantik oder schließlich von Trinidad oder Santiago de Cuba auf die Karibik? Richtig, da haben Sie viel Wasser gesehen. Und so gut wie keine Boote, jedenfalls keine Segel- oder Motorboote. Denn mit Booten kann man bekanntlich übers Wasser fahren – und damit von Kuba aus womöglich in die Freiheit.

          Kubaner können sich nicht einfach ein Boot oder ein Auto oder ein Haus kaufen, selbst wenn sie das Geld dazu hätten. Über fast alles, was die Kubaner tun dürfen, entscheidet das kommunistische Regime und vor allem das Stasi-Netz der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR). Und wenn der Ortsvorsitzende des CDR nicht will – und meistens will er nicht, denn er will ja seine eigenen mickrigen Privilegien bewahren –, dann geht für den einfachen Kubaner gar nichts.

          Dubiose Einschränkungen

          Das kommunistische Regime in Havanna hat nun bekannt gegeben, dass die elf Millionen Inselbewohner künftig nicht mehr die berüchtigte „weiße Karte“ brauchen, die zur Reise ins Ausland berechtigt. Es genüge der Reisepass. Es bleibt freilich bei der dubiosen Einschränkung, dass „das geistige Kapital, das von der Revolution geschaffen wurde, gegen den Raub durch die Mächtigen geschützt“ wird. Das heißt, dass eben nicht jeder einen Reisepass bekommt – schon gar nicht der, auf dessen „geistiges Kapital“ das Regime nicht verzichten will, etwa Ärzte, Ingenieure, Facharbeiter. Rentner aber, die dem Regime bloß noch auf der Tasche liegen, dürfen gewiss gehen, gerne auch für immer

          Die „Reisefreiheit“, die das Regime der Castro-Brüder von Januar an gewähren will, ist eine Pseudoreform wie schon so viele zuvor. Sie dient nicht den Menschen, sondern den Herrschenden. Auch diese neue „Reform“ soll dem Regime nur ein wenig Luft und Zeit verschaffen, nicht den Bürgern die Freiheit geben. So war es schon zuvor mit den „Wirtschaftsreformen“, mit der „Liberalisierung“ des Marktes für Immobilien, den inländischen Tourismus, für eingeführte Güter. Freiheit in Kuba wird es erst nach freien Wahlen geben. Und die kann das Regime der Castros und ihrer Günstlinge nur um den Preis des Untergangs zulassen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

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