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Kuba : Die alten Männer am Meer

50 Jahre kubanische Revolution - eine Chronik in Bildern Bild: REUTERS

Vor zweieinhalb Jahren übergab Fidel Castro die Macht an seinen Bruder Raúl. Viele Kubaner hofften, das Leben würde etwas leichter. Jetzt, kurz vor dem 50. Jahrestag der Revolution, sind sie enttäuscht.

          Der alte Mann kommt fast jeden Morgen ans Meer und wirft sein kleines Netz aus. Sein Fang am Strand von Matanzas ist nicht groß, eine Handvoll Fische, die er in seinen weißen Eimer wirft. Er ist trotzdem damit zufrieden, denn mehr als das Mögliche erwartet er nicht. Wenn er die Fische, die gerade einmal so groß sind wie seine Hand, abgeschuppt und ausgenommen hat, kann er sie in der Pfanne braten oder für eine Suppe kochen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Das Fischen am Morgen ist für Lázaro, der vor seiner Pensionierung viele Jahre in der Raffinerie von Matanzas gearbeitet hat, ebenso sehr Zeitvertreib wie Nahrungserwerb. Manchmal findet er in den Straßen von Matanzas auch Abnehmer für einen außergewöhnlich großen Fisch, der morgens in seinem Netz und dann in dem weißen Farbeimer gelandet ist. Lázaro klagt nicht über sein Leben und seine Rente von 200 Pesos – umgerechnet kaum sieben Euro –, die er zudem durch Gelegenheitsarbeiten wie den Verkauf von Bonbons und Nüssen aufzubessern versucht.

          Symbolische Preise

          Schließlich bekommt er, wie jeder der etwa 11,3 Millionen Kubaner, seine monatliche Lebensmittelration zu stark subventionierten Preisen, zehn Eier, ein Pfund Huhn und ein Pfund Fisch, dazu Reis und Speiseöl – alles zusammen für einen allenfalls symbolischen Preis von weniger als zehn Pesos, umgerechnet kaum 35 Cent. Dazu ist die Gesundheitsversorgung theoretisch umsonst, auch wenn man für eine Verkürzung der Wartezeit beim Arzt oder einen größeren Eingriff im Krankenhaus den Ärzten und Schwestern Geld geben muss – nach einem ausgetüftelten Tarifsystem, das jeder kennt.

          Matanzas ist eine unansehnliche Industriestadt etwa 100 Kilometer östlich von Havanna mit gut 100.000 Einwohnern. Über der Stadt liegen der Gestank und der Qualm der Raffinerie, der Fabriken und des neuen Erdgas-Elektrizitätswerkes, das vor gut drei Jahren mit kanadischem Kapital gebaut wurde. Doch Matanzas profitiert von der Touristenstadt Varadero, etwa 40 Kilometer weiter östlich gelegen. Varadero ist das größte Fremdenverkehrszentrum in Kuba, und wo immer es Touristen gibt, gibt es überdurchschnittlich bezahlte Arbeitsplätze und vor allem die praktisch für jeden Kubaner überlebenswichtigen Konvertiblen Pesos.

          Tauschhandel: Öl gegen Ärzte

          Der „Peso Convertible“, abgekürzt CUC, gesprochen „Kuck“ und im Wert von eins zu eins an den amerikanischen Dollar gekoppelt, wurde 1995 eingeführt, nachdem die kubanische Führung im August 1993 zunächst den amerikanischen Dollar selbst als Zweitwährung zugelassen hatte. Der Schritt zur Zulassung des Dollars war eine Reaktion auf den rapiden Wertverlust des Kubanischen Pesos, der binnen weniger Wochen auf einen Umtauschkurs von 120 zu eins zum Dollar gefallen war. Die Dollar-Überweisungen der Exil-Kubaner aus Miami für ihre Familien auf Kuba drohten sich zu verzögern oder gar auszubleiben, weil alle Welt mit dem bevorstehenden Zusammenbruch des kommunistischen Systems rechnete. Der kubanische Staat brauchte dringend Devisen.

          Die Zulassung des Dollars, der Währung gerade jenes „Imperiums“, das wegen des seit 47 Jahren bestehenden amerikanischen Wirtschaftsembargos von der politischen Führung in Havanna für alle Übel und Schwierigkeiten auf Kuba verantwortlich gemacht wird, trug wesentlich zur Überwindung der akuten kubanischen Währungskrise bei. In den drei Jahren nach dem Ende der Sowjetunion von 1991, mit der Kuba Ende der achtziger Jahre 87 Prozent des Außenhandels abgewickelt hatte, war die Wirtschaftskraft der Karibik-Insel um mehr als ein Drittel eingebrochen. Die Lieferung von sowjetischem Erdöl zu Vorzugspreisen sowie die garantierte Abnahme von Zucker und Rum durch den Verbündeten in Moskau zu Weltmarktpreisen war einer Subvention der kubanischen Wirtschaft mit jährlich fünf Milliarden Dollar gleichgekommen.

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