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Kuba : Castro nimmt Abschied von der Macht

  • Aktualisiert am

Bei einer Parade in Havanna im Mai 2005 Bild: REUTERS

Er hänge nicht an der Macht und wolle jüngeren Politikern nicht im Wege stehen, schreibt Fidel Castro in einem Brief, der im kubanischen Fernsehen verlesen wurde. Damit dürfte der endgültige Abschied des 81 Jahre alten „Máximo Lider“ von der Macht begonnen haben.

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          Der erkrankte kubanische Staatsführer Fidel Castro hat erstmals seinen Abschied von der Macht angedeutet. „Meine natürliche Pflicht ist nicht, an Ämtern festzuhalten - und noch weniger, den Weg jüngerer Menschen zu behindern“, heißt es in einem Brief des 81 Jahre alten „Máximo Lider, der am Montag im staatlichen Fernsehen des kommunistischen Landes verlesen wurde. Stattdessen könne er künftig anderweitig seine Erfahrungen und Ideen einbringen, schrieb Castro. Damit deutete er an, künftig eine Rolle als Ratgeber ohne hohes Amt einzunehmen.

          Castros überraschende Erklärung erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Weichen für die künftige Regierung gestellt werden. Sie soll aus den Reihen der Nationalversammlung hervorgehen und am 20. Januar kommenden Jahres gewählt werden.

          Gerüchte über ein Comeback

          Fidel Castro wurde Anfang Dezember als Kandidat aufgestellt, was sofort Gerüchte aufkommen ließ, die besagten, der erkrankte Führer könne doch noch an die Staatsspitze zurückkehren. Das galt unter Beobachtern und Kennern der Lage in Kuba jedoch als unwahrscheinlich.

          Zeit zu gehen? Castro 1998

          Castro hatte 1959 in einem Bürgerkrieg den von den Vereinigten Staaten unterstützten Diktator Fulgencio Batista gestürzt. Im Sommer 2006 unterzog sich Castro einer Darmoperation und übertrug die Amtsgeschäfte an seinen 76 Jahre alten Bruder Raúl.

          Fidel ist seitdem nicht mehr direkt in der Öffentlichkeit aufgetreten. Er hat sich aber wiederholt mit Zeitungsartikeln über Innen- und Außenpolitik geäußert und war in Fernsehbeiträgen zu sehen. Über seine künftige politische Rolle hatte er sich bislang indes nicht geäußert.

          Hunderte politische Häftlinge

          Castro hatte nach der Machtübernahme Firmen aus den Vereinigten Staaten und von wohlhabenden Kubanern enteignet und später eine Allianz mit der Sowjetunion geschlossen. Die stationierte 1962 kurzzeitig Atomraketen auf Kuba und löste damit eine Krise mit Washington aus, die fast zu einem Krieg führte. Kuba wurde der westlichste Außenposten des Kommunismus - 145 Kilometer vor Florida.

          Unter Fidels Herrschaft sank die Analphabetenquote drastisch und selbst entlegene Dörfer werden kostenlos durch ein Gesundheitssystem versorgt, das als vorbildlich gilt. Aber die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt, und wer das System in Frage stellt, muss mit Repressalien rechnen. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ nennt für das Jahr 2005 die Zahl von mehr als 300 politischen Häftlingen. Zudem sind Lebensmittel rationiert, die Infrastruktur des Landes verfällt.

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