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Kroatiens neuer Präsident : Mit Volldampf nach Europa

  • -Aktualisiert am

Viele Talente: Ivo Josipovic Bild: AP

Kroatiens neuer Präsident Ivo Josipovic brillierte als Jurist ebenso wie als Komponist. Nach seiner Wahl am Sonntag will der Sozialdemokraten alles tun, um Kroatien bis 2011 in die EU zu bringen.

          Juristen gibt es in der Politik in Massen. Komponisten zeitgenössischer klassischer Musik sind dort weniger oft zu finden. Eine seltene Fügung bei der Ausbildung der rechten und der linken Gehirnhälfte befähigte den 52 Jahre alten Ivo Josipovic zu beachtlichen Leistungen auf beiden Gebieten. Der Mann, der in seinem Werkverzeichnis an die neunzig Aufsätze zum kroatischen und internationalen Strafrecht und an die fünfzig Kompositionen anführt, darunter Streichquartette in der Tradition der Zweiten Wiener Schule, hat am Sonntag die kroatischen Präsidentenwahl gewonnen.

          Bisher war Ivo Josipovic außerhalb Kroatiens, falls überhaupt, bei den einen als Spiritus Rector der Zagreber Musik Biennale bekannt, bei den anderen als Vertreter seines Landes beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag und beim Internationalen Kriegsverbrechertribunal. Seine Familie stammt aus Baska Voda, einst ein Fischerdorf, heute ein Touristenzentrum an der mittleren Adria nahe Makarska. Geboren wurde er am 28. August 1980 in Zagreb, er studierte Rechtswissenschaften an der dortigen Universität und Komposition an der dortigen Musikakademie.

          Wechsel an die Universität

          Wie sein Rivale bei der Präsidentenwahl, der Zagreber Bürgermeister Milan Bandic, trat er in jungen Jahren dem Bund der Kommunisten bei und vollzog mit seinen Genossen den Wandel hin zur kroatischen Sozialdemokratischen Partei (SDP), deren erstes Statut er verfasste. 1994 wandte er sich jedoch ab von der Politik und schied aus der Partei aus, offenbar nicht im Unfrieden, sondern weil ihm die Karriere an der Universität, der Beruf als Anwalt und die Liebe zur Musik wichtiger waren.

          2003 holte ihn der damalige sozialdemokratische Parteivorsitzende und Ministerpräsident Ivica Racan wieder in die Politik. Er wurde als Unabhängiger auf der Liste der SDP in den Sabor (Parlament) gewählt, wechselte in den Zagreber Gemeinderat und kehrte bei den Wahlen 2007 wieder in den Sabor zurück. Mitglied der SPD ist erst wieder seit 2008. Der gegenwärtige Parteivorsitzende Zoran Milanovic schlug ihn als Kandidaten für die Präsidentenwahl vor. Milan Bandic, der sich sehr um die Kandidatur bemüht hatte, legte daraufhin sein Parteibuch zurück und trat als Unabhängiger zur Wahl an.

          Als Abgeordneter beschäftigte sich Josipovic intensiv mit dem Kampf gegen die Korruption und die organisierte Kriminalität, ein Thema, das er auch in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes rückte. Von seinem aggressiven Rivalen, der ihn mehrmals heftig und höchst unfair persönlich attackierte, ließ sich Josipovic nicht provozieren. Arbeit, sagte er, müsse sich lohnen, und Verbrecher müssten ungeachtet ihres Ranges bestraft werden. In Kroatien ist das nicht so selbstverständlich.

          Es mag sein, dass Josipovic vor allem deshalb die Wahlen gewonnen hat, weil die Kroaten Bandics Weg an die Spitze blockieren wollten. Das mindert den Erwartungsdruck. Sein Stil wird sich von dem seiner beiden Vorgänger, Franjo Tudjman und Stjepan Mesic, erheblich unterscheiden. Für ein Land, das kurz vor dem Beitritt zur EU steht, ist das kein Nachteil. Ivo Josipovic ist verheiratet, seine Frau Tatjana unterrichtet ebenfalls an der rechtswissenschaftlichen Fakultät. Die beiden haben eine Tochter.

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