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Kroatien und der Vatikan : Der Bischof und seine Landsleute gegen den Papst

  • -Aktualisiert am

Objekt der Begierde: Das Schloss Dajla Bild: Karl-Peter Schwarz

Kroatien und der Vatikan streiten über die Entschädigung von Benediktinern - der Zwist spaltet auch die Kirche. Man sagt, das hohe Ansehen des deutschen Papstes könnte bei den Kroaten Schaden nehmen.

          Die Bucht von Dajla, etwa fünf Kilometer nördlich der istrischen Küstenstadt Novigrad (Cittanova), ist eine der schönsten der nördlichen Adria. Meer und mediterrane Vegetation umsäumen die Kirche des Heiligen Johannes des Täufers, das Schloss von Dajla und die Gebäude des ehemaligen Benediktiner-Klosters. Dahinter erstreckt sich eine Kulturlandschaft, an deren einstige wirtschaftliche Bedeutung halb verfallene Bewässerungsanlagen, Wassertürme und Getreidespeicher erinnern. Dieser Ort der Stille steht im Mittelpunkt eines wunderlichen Streites zwischen italienischen Benediktinern und der Diözese Pore-Pula, der sich zu einer ernsten Krise zwischen dem Vatikan und dem kroatischen Staat ausgewachsen hat.

          Konflikte zwischen postkommunistischen Staaten und dem Vatikan um Eigentumsfragen gehören zum ost- und südosteuropäischen Alltag. Aber der jetzt im urkatholischen Kroatien um Dajla entbrannte Streit unterscheidet sich von dem üblichen Schema. In ihm stehen einander nicht einfach ein Staat sowie die katholische Kirche und der Vatikan gegenüber; er begann vielmehr als innerkatholischer Streit und nahm erst nationalistische Konturen als, Ivan Milovan, der Bischof der Diözese Pore-Pula, den Staat gegen Papst zu Hilfe rief. Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und Präsident Ivo Josipovi stellten sich ohne Zögern auf die Seite des rebellischen Bischofs.

          Vorwurf: Vatikan agiert mit Revisionismus

          Plötzlich sah sich der Vatikan mit dem Vorwurf konfrontiert, die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges revidieren und den 1975 zwischen dem kommunistischen Jugoslawien und Italien unterzeichneten Vertrag von Osimo umgehen zu wollen. Dieser Vertrag sah unter anderem vor, dass die vor dem kommunistischen Terror geflüchteten Italiener vom italienischen Staat entschädigt werden. Benedikt XVI. wird gerade noch konzediert, dass er von seinen Mitarbeitern nicht ausreichend über die Rechtslage informiert worden sei.

          Die Geschichte beginnt mit dem tragischen Tod des Sohnes des Grafen Francesco Grisoni, der 1835 bei einem Duell ums Leben kam. In tiefer Trauer vermachte der Graf die Hälfte seines Eigentums – darunter sein Schloss, die Nebengebäude und die dazugehörigen 586 Hektar Felder, Obst-, Wein- und Olivengärten – den Benediktinern der Abtei Santa Maria di Praglia bei Padua, die nach dem Tod der Witwe des Grafen 1860 in Dajla ein Kloster errichteten. Dem testamentarischen Wunsch entsprechend richteten sie im Schloss eine Schule ein, in dem die Kinder der Bauern kostenlos unterrichtet und verpflegt wurden. Die gräfliche Landwirtschaft verwandelte sich unter der Leitung von zehn Benediktinermönchen zu einem modernen Musterbetrieb, der rund 50 Bauernfamilien ernährte. Die Einkünfte wurden teils reinvestiert, teils der Armen- und Krankenhilfe zugeführt.

          Das Mustergut wurde im Kommunismus ruiniert

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