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LNG-Terminal auf Krk : Wie sich Kroatien von russischem Gas unabhängig gemacht hat

Ohne den Segen Gottes: Nicht nur Teile der katholischen Kirche Kroatiens waren gegen den Bau (hier Aufnahmen von 2019) des Flüssiggasterminals in Omišalj, im vergangenen Jahr wurde die Anlage trotzdem eröffnet. Bild: ddp

Dank eines Flüssiggasterminals braucht Kroatien kein Gas mehr aus Russland – und kann die Nachbarn gleich mitversorgen. Während die Vereinigten Staaten stark für das Projekt warben, wäre der Bau fast an Moskau gescheitert.

          9 Min.

          Was für Kurzsichtigkeit oder Weitsicht gehalten wird, ist in der Politik oft keine Frage der Sehschärfe, sondern des Zeitpunkts. Lange wurden der seit 2016 regierende kroatische Ministerpräsident Andrej Plenković und seine Vorgänger kritisiert, angefeindet und verspottet für den Plan, auf oder vor der Insel Krk, bei dem Städtchen Omišalj, ein LNG-Terminal bauen zu lassen. Eine Anlage also, in der auf minus 162 Grad Celsius heruntergekühltes Flüssiggas wieder in seinen vorigen Zustand versetzt und ins Netz eingespeist wird. Verflüssigt nimmt das Gas nur ein sechshundertstel seines normalen Volumens ein. Es war früh klar, dass Kroatiens gesamter Jahresbedarf durch ein einziges LNG-Terminal gedeckt werden könnte. Doch der Widerstand dagegen war breit und hartnäckig.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Mirela Ahmetović, die Bürgermeisterin von Omišalj, erkor den Kampf gegen das Vorhaben zu ihrem Markenzeichen. Solange sie Bürgermeisterin sei, werde sie alle juristischen Mittel ausschöpfen, um das Projekt zu stoppen, versprach die sozialdemokratische Politikerin. Unterstützt wurde der lokale Widerstand auf der größten Insel der Adria von Umweltaktivistinnen in ganz Kroatien, von der im Zagreber Stadtrat regierenden grünen Partei „Možemo“ („Wir können“), von diversen Energiemarktfachleuten sowie von Teilen der katholischen Kirche. Kardinal Josip Bozanić, Erzbischof von Zagreb und ehemals Vorsitzender der kroatischen Bischofskonferenz, sprach sich ebenso gegen das Vorhaben aus wie viele Medien. Eine ausführliche Reportage des investigativen Portals „Balkan Insight“ im Januar 2017 setzte so ein: „Umweltschützer und Einheimische prangern es an. Experten sprechen von einer Verschwendung von Steuergeldern. Warum also treibt Kroatien ein Projekt voran, das ein beliebtes touristisches Ziel in eine Drehscheibe für Flüssiggas umwandeln soll?“

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