https://www.faz.net/-gpf-advnm

Nach Erlass zu altem Ritus : „Kriegserklärung eines rachsüchtigen Papstes“

Papst Franziskus grüßt am 4. Juli aus dem Fenster seines Ateliers mit Blick auf den Petersplatz, während er das Angelus-Gebet spricht. Bild: dpa

Traditionalistische Katholiken in den Vereinigten Staaten kritisieren den Papst-Erlass zum faktischen Bann des alten Ritus besonders heftig – das Portal Rorate Caeli ruft dazu auf, an ihm festzuhalten.

          1 Min.

          Die Reaktionen auf den Papsterlass „Traditionis custodes“ (Hüter der Tradition) zum faktischen Bann des sogenannten tridentinischen Messritus vom Freitag reichten am Wochenende von entschiedener Ablehnung bis zu enthusiastischer Zustimmung. Traditionalistische Katholiken in den Vereinigten Staaten kritisierten das Motu Proprio von Franziskus besonders heftig.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Auf dem Portal Rorate Caeli ist von der „Kriegserklärung eines rachsüchtigen Papstes und zornigen Jesuiten“ die Rede. An traditionalistische Priester und Bischöfe in Amerika und anderswo ergeht von dem einflussreichen Portal der Aufruf, den Erlass zu ignorieren und die Messe weiter nach dem lateinsprachigen alten Ritus zu zelebrieren.

          „Von Härte geprägt“

          In Rom äußerte der amerikanische Kurienkardinal Raymond Leo Burke, ehedem Präsident des vatikanischen Obersten Gerichts, sein Bedauern darüber, dass der Erlass und das Begleitschreiben des Papstes „von Härte geprägt“ seien. Außerdem kritisierte Burke, dass der Erlass mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt wurde, obschon es eine genauere Analyse zur Durchsetzung in der Praxis gebraucht hätte.

          Der Freiburger Dogmatik-Professor Helmut Hoping sagte im Kölner Domradio, die Behauptung des Papstes, die vom Vatikan von März bis Juli 2020 veranlasste Umfrage bei Bischofskonferenzen in aller Welt zu den Erfahrungen mit dem Gebrauch des alten Messritus in den Diözesen habe überwiegend negative Antworten ergeben, lasse sich nicht überprüfen, weil das Ergebnis der Befragung nicht veröffentlicht worden sei.

          Lob für „mutigen Schritt“

          In Rom lobte der Franziskus-Biograph Austen Ivereigh den Erlass des Papstes vom Freitag als „mutigen Schritt und prophetischen Akt“. In einem Beitrag der Jesuitenzeitschrift America heißt es, die Teilnahme an der Messe im alten Ritus habe bei vielen Gläubigen zu „Arroganz und Überheblichkeit“ gegenüber jenen geführt, die die Messe nach dem neuen Ritus gemäß den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) feierten.

          Mit seinem Erlass schränkt Papst Franziskus den Gebrauch des „außerordentlichen Ritus“ stark ein und erteilt der Messe nach dem alten Ritual faktisch Hausverbot in den Pfarrkirchen. Alle bisherigen Regelungen, zumal seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI., die ein Nebeneinander des Gebrauchs von neuem ordentlichen und altem außerordentlichen Ritus ermöglicht hatten, werden mit Franziskus’ neuem Erlass mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

          Weitere Themen

          Ende von „Trudeaumania“? Video-Seite öffnen

          Parlamentswahl in Kanada : Ende von „Trudeaumania“?

          Der Liberale Justin Trudeau regiert Kanada seit 2015, damals war noch von einer „Trudeaumania" die Rede. Doch den Nimbus der Erneuerung hat der inzwischen 49-Jährige eingebüßt. Bei der Parlamentswahl könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Konservativen geben.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz spricht vergangenen Samstag in München.

          Wahlkampf : Scholz nennt konkrete Zahl für Steuererhöhung

          Erstmals beziffert der SPD-Spitzenkandidat, wie hoch der Spitzensteuersatz unter ihm als Kanzler steigen könnte. Im Gegenzug macht er unter anderem einen Mindestlohn von 12 Euro zur Bedingung für jede Koalition.
          Zum Auftakt der Aktionswoche erhält eine Oberschülerin in Berlin vergangenen Montag eine Corona-Impfung.

          RKI-Zahlen : Inzidenz sinkt den sechsten Tag in Folge

          70,5 beträgt die Corona-Inzidenz aktuell – und ist weiter im Rückgang. Gesundheitsminister Spahn zieht eine positive Bilanz der Impf-Aktionswoche, und laut Umfrage stoßen 2G-Regeln bei den meisten Deutschen auf Zustimmung.
          Die Angeklagten im Terrorprozess in Paris

          Terrorprozess in Paris : Das Bataclan-Trauma

          Der Terrorprozess in Paris ist nicht nur eine französische Sache. Er betrifft ganz Europa. Denn es geht um die Verteidigung der europäischen Lebensweise.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.