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Kritik an Netanjahu : Aufstand der Supermodels in Israel

Schauspielerin und Model Gal Gadot hat sich offen gegen Ministerpräsident Netanjahu gestellt. Bild: AP

Gal Gadot, Rotem Sela, Lucy Aharisch: Während die Opposition schweigt, greifen prominente Israelis die antiarabische Rhetorik von Ministerpräsident Netanjahu an. Auch Präsident Rivlin meldet sich zu Wort.

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          In Israel haben neuerdings Supermodels die Rolle der Opposition übernommen, wenn es darum geht, die Stigmatisierung der arabischen Mitbürger zu verurteilen. Ausgerechnet Gal Gadot, die über den Hollywood-Streifen „Wonder Woman“ weltbekannt wurde und von den israelischen Botschaften in aller Welt als Aushängeschild herhält, hat sich jetzt offen gegen den Ministerpräsidenten gestellt. „Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst. Dies ist keine Sache von rechts oder links, Jude oder Araber“, schrieb Gadot an ihre 28 Millionen Follower auf Instagram. Sie reagierte damit auf einen Internetbeitrag Benjamin Netanjahus, der geschrieben hatte: „Liebe Rotem, eine wichtige Korrektur: Israel ist nicht der Staat all seiner Bürger. Nach dem von uns verabschiedeten Nationalstaatsgesetz ist Israel der Staat der Juden – und von niemandem sonst.“

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Damit wiederum hatte Netanjahu auf die Kritik einer Freundin Gadots reagiert, der Moderatorin Rotem Sela, im Hauptberuf ebenfalls Model. Sela hatte ein Interview mit Netanjahus Kulturministerin Miri Regev kritisiert, in dem die Ministerin vor einem Wahlsieg des Herausforderers Benjamin Gantz gewarnt hatte, weil „dieser eine Koalition mit den Arabern eingehen wird“. Das Model Sela schrieb an ihre Follower: „Was ist das Problem mit Arabern? Herr im Himmel, es gibt auch arabische Bürger in diesem Land. Wann zum Teufel lässt jemand in der Regierung die Öffentlichkeit wissen, dass Israel ein Staat all seiner Bürger ist und alle Menschen gleich geboren sind?“ Netanjahu sieht dies zumindest für die Zeit des Wahlkampfs offenbar nicht so. Allerdings ergänzte er, dass es „kein Problem mit den arabischen Bürgern Israels gibt – sie haben gleiche Rechte wie wir alle“. Sela erhielt für ihren Beitrag Morddrohungen.

          Israels Bürger sind in der Wahlkabine gleich

          Die israelische Opposition hält sich in der Angelegenheit meist zurück. Es ist Wahlkampf, und eine wie auch immer dargestellte Identifikation mit dem arabischen Teil der Bevölkerung gilt als wahlstrategisch unklug, auch wenn arabische Israelis rund zwanzig Prozent der Wahlberechtigten ausmachen, einen israelischen Pass besitzen und Steuern zahlen. So war es Staatspräsident Reuven Rivlin, der den Models beisprang und Netanjahu scharf angriff. „Es gibt keine Bürger erster Klasse und keine Wähler zweiter Klasse in Israel – als Nation ist Israel eine jüdische Demokratie, aber all seine Bürger sind gleich in der Wahlkabine“. Rivlin verurteilte die „inakzeptable Rhetorik“ gegen arabische Israelis, „die wir derzeit von gewissen Politikern hören“.

          Rotem Sela, Schauspielerin und Model, legte sich direkt mit Ministerpräsident Netanjahu an. An ihre Follower schrieb sie: „Es gibt auch arabische Bürger in diesem Land. Wann zum Teufel lässt jemand in der Regierung die Öffentlichkeit wissen, dass Israel ein Staat all seiner Bürger ist und alle Menschen gleich geboren sind?“ Bilderstrecke

          Die Blau-Weiß-Partei des früheren Generalstabschef Benjamin Gantz schwieg bis zum Montagmittag. Die arabisch-israelische Moderatorin Lucy Aharisch forderte Gantz auf zu erklären, ob er mit Rotem Sela übereinstimme und arabische Abgeordnete in seine Koalition aufnehmen würde, wenn diese mit seinen politischen Positionen einverstanden sind. Ihr sprangen das Model Schlomit Malka und die Schauspielerin Maja Dagan zur Seite, die erklärte, Sela „ist nicht mutig. Sie ist normal. Sie ist vernünftig. Sie ist eine Bürgerin des Staates, die sich einbringt“.

          Rechtsfolgen des Nationalstaatsgesetz noch immer unklar

          Die Likud-Partei wirbt für den Ministerpräsidenten mit dem Slogan „Bibi oder Tibi“. Bibi lautet der Spitzname Netanjahus, und der arabisch-israelische Politiker Ahmad Tibi ist Chef der Taal-Partei. Diese setzt sich für eine Zweistaatenlösung ein, aber auch für die Integration arabischer Israelis in die israelische Gesellschaft, wie Tibi kürzlich der Zeitung „Jedioth Ahronoth“ sagte. Auf Twitter erklärte Tibi nun: „Wenn eine führende Medienpersönlichkeit wie Rotem Sela Mut aufbringen muss, dass Araber ebenfalls Menschen sind, dann zeugt dies von den dunklen Zeiten, in denen wir leben.“

          Das im Juli 2018 verabschiedete Nationalstaatsgesetz proklamiert, das „Recht auf nationale Selbstbestimmung im Staate Israel steht alleine dem jüdischen Volk zu“. Dieses Gesetz hat den Rang eines Grundgesetzes erhalten. Über die konkreten Rechtsfolgen ist man sich allerdings weiterhin uneins. Präsident Rivlin legte am Montagmittag auf Twitter nach: „Ich weigere mich zu glauben, dass es Parteien gibt, die Israels Bild als demokratischer und jüdischer Staat aufgegeben haben.“

          Prominente Schauspielerinnen und Supermodels teilen die Haltung des regierungskritischen israelischen Präsidenten schon länger. Im Dezember sagte die in Israel geborene Natalie Portman, das Nationalstaatsgesetz sei „rassistisch“ und ein „Fehler“. 

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