Kritik an Amerika : Netanjahu droht Iran mit Angriff
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Wo ist die Rote Linie? Benjamin Netanjahu in Jerusalem Bild: dpa
Israel droht Iran weiter mit einem Angriff und geht zugleich auf Distanz zur amerikanischen Regierung, die mehr Zeit für Diplomatie einfordert. Nach israelischen Angaben lehnte das amerikanische Präsidialamt den Wunsch Ministerpräsident Netanjahus ab, Präsident Obama noch im September zu treffen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat den Vereinigten Staaten am Dienstag das „moralische Recht“ abgesprochen, den jüdischen Staat am Handeln zu hindern. Die Regierung in Washington habe sich geweigert, im Atomstreit eine härtere Haltung gegenüber der Islamischen Republik einzunehmen, begründete Netanjahu in Jerusalem seine Worte.
Die schärfere Rhetorik nährt Spekulationen, Israel könnte Iran vor der amerikanischen Präsidentenwahl im November angreifen - in der Hoffnung, dass Obama aus Rücksicht auf die israelische Lobby in den Vereinigten Staaten kein Veto einlegt. Nach israelischen Angaben lehnte das amerikanische Präsidialamt den Wunsch Netanjahus ab, Obama noch im September zu treffen. Die Regierung in Washington habe auf einen vollen Terminplan des Präsidenten verwiesen. Netanjahu habe Obama im Rahmen seines Besuchs bei der UN-Vollversammlung treffen wollen, berichteten die Zeitungen „Haaretz“ und „Jerusalem Post“ am Dienstag.
„Warten worauf, warten wie lange?“
Der israelische Ministerpräsident richtete unterdessen deutliche Drohungen in Richtung Teheran. Sollten die Weltmächte Iran keine klaren Grenzen setzen, werde sich sein Land nicht mehr zurückhalten. „Die Welt sagt Israel: ’Wartet, es ist noch Zeit’. Und ich sage, ’warten worauf, warten wie lange’?“ Wenn Iran keine klare Grenze, keine Fristen gesetzt würden, dann arbeite es ungehindert weiter daran, die Atomwaffenfähigkeit zu erlangen und dann die Atombombe. Die Vereinigten Staaten sehen den Spielraum für Diplomatie noch nicht ausgereizt.
Außenministerin Hillary Clinton hatte zuvor gesagt, die Vereinigten Staaten setzten in den diplomatischen Bemühungen mit Iran keine Fristen. Nach Netanjahus Angaben hingegen sprechen Israel und die Vereinigten Staaten derzeit über „rote Linien“, die Iran nicht überschreiten dürfe. Beide Verbündeten sind sich jedoch offenbar uneins darüber, ob die Voraussetzungen für einen Militärschlag offen benannt werden sollten.
Iran wird vorgeworfen, heimlich an Atomwaffen zu arbeiten. Israel sieht durch das Programm seine Existenz bedroht. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe zurück und beharrt auf dem Recht des Landes, die Atomkraft zu friedlichen Zwecken zu nutzen.