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Krise in der Ukraine : Unruhe im rechten Sektor

  • -Aktualisiert am

Beharrlicher Besetzer: Dmytro Jarosch auf einer Kundgebung im Februar Bild: REUTERS

Die Tötung des populären Rechtsextremisten Oleksandr Musytschko könnte für die Regierung in Kiew zu einem Problem werden. Die Nationalisten drohen mit Rache.

          Schon als er noch lebte, war der Rechtsextremist Oleksandr Musytschko eine Last für die neue ukrainische Regierung. Der Tod des Mannes, der in der Ukraine unter dem Kampfnamen Sascha Bilyj (Der weiße Sascha) bekannt war, könnte für die Kiewer Führung allerdings noch größere Schwierigkeiten nach sich ziehen. Musytschko wurde erschossen – nach Darstellung des ukrainischen Innenministeriums kam er um, nachdem er das Feuer eröffnet hatte, um sich seiner Festnahme zu widersetzen. Seine Kampfgenossen in der westukrainischen Stadt Riwne gaben jedoch an, ihr Anführer sei im Auftrag von Innenminister Arsen Awakow ermordet worden und drohten mit Rache.

          Der 51 Jahre alte Musytschko, ein bulliger Mann, der meist in Flecktarn auftrat, leitete die rechtsextreme Partei Una-Unso in Riwne, die gemeinsam mit den Organisationen „Trisub“ und „Patrioten der Ukraine“ den „Rechten Sektor“ bildet. Er war in der Vergangenheit schon mehrmals verurteilt worden, wegen Körperverletzung und Erpressung. Zuletzt berichtete Gennadij Moskal, Mitglied des parlamentarischen Ausschusses zur Bekämpfung von organisierter Kriminalität, Musytschko habe in den vergangenen Wochen mehrere Amtsinhaber und Geschäftsleute im Westen des Landes erpresst. Musytschko bestritt das aber.

          Anliegen mit Kalaschnikow im Arm vorgetragen

          Bekannt ist ein Video von Ende Februar, in dem zu sehen ist, wie der rechtsextreme Aktivist den Staatsanwalt der Region Riwne zwingen will, gegen den Mörder einer Frau zu ermitteln, indem er ihn unflätig beschimpft und an der Krawatte zerrt. Auf anderen Aufnahmen ist zu sehen, wie Musytschko seine Anliegen im Gebietsparlament von Riwne mit Kalaschnikow im Arm vorgetragen hat. Als Interimsinnenminister Awakow deshalb Ermittlungen gegen Musytschko ankündigte, drohte dieser, er wolle Awakow wie einen Hund aufhängen. Mitte März ließ Musytschko dann verlauten, dass das Innenministerium ihn auslöschen wolle.

          Seine Tötung durch Sicherheitskräfte könnte nun den ohnehin schwelenden Konflikt der Regierung mit den Kämpfern und Aktivisten des „Rechten Sektors“ und anderer Gruppen anheizen, die trotz der Aufforderungen aus Kiew ihre Waffen nicht abgeben wollen und weiter öffentliche und private Gebäude besetzt halten, die während der Proteste gegen das Janukowitsch-Regime eingenommen worden waren. Diese Gruppen erkennen die neue Führung in der Hauptstadt nicht an. Der Führer des „Rechten Sektors“ Dmytro Jarosch, warf Awakow am Dienstag „aktive konterrevolutionäre Tätigkeit“ vor und forderte dessen Rücktritt. Am Mittwoch stellte der „Rechte Sektor“ ein Ultimatum: Bis Donnerstagabend müssten der Innenminister und der schon zurückgetretene Verteidigungsminister Ihor Tenjuch, der für den Verlust der Krim verantwortlich gemacht wird, vor Gericht gestellt werden.

          Innenminister Awakow selbst reagierte ungehalten auf die Drohungen von Musytschkos Kameraden: Wenn irgendwelche Banditen einen Minister bedrohten, dann nehme er diese Herausforderung an und werde hart durchgreifen, sagte Awakow. Echte Patrioten sicherten mit Waffen in den Händen die Grenze des Staates, sagte Awakow. Diejenigen, die in Unternehmen und private Räumlichkeiten einstiegen, seien Banditen mit nicht registrierten Maschinengewehren.

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