https://www.faz.net/-gpf-7opyb

Krise in der Ukraine : Gefühl der Ohnmacht

Bürger der ostukrainischen Stadt Slawjansk stehen am Freitag vor dem verbarrikadierten Eingang der Regionalverwaltung. Separatisten haben die Kontrolle über das Gebäude. Bild: dpa

Der ukrainische Ministerpräsident malt schon den dritten Weltkrieg an die Wand. Doch alles spricht gegen dieses Horrorszenario.

          1 Min.

          Der Westen sei „bereit zu handeln“, sagt der amerikanische Außenminister Kerry. Aber alles, was hinter solchen Ankündigungen steht, wirkt hilflos gegenüber der Entschlossenheit, mit der Moskau die Eskalation im russisch-ukrainischen Konflikt vorantreibt. Auch handfeste Wirtschaftssanktionen gegen Russland werden die Ukraine nicht retten, sollte Putin den Drohungen der vergangenen Tage Taten folgen lassen und seinem Militär den Marschbefehl erteilen. Was auch immer die Vereinigten Staaten und die EU beschließen – es wird nicht kurzfristig wirken, sondern den Preis für die Aggression erst mittel- und langfristig in jene Höhe treiben, die für die russische Führung wirklich schmerzhaft ist.

          Das ist nötig, aber es dient nicht mehr der Verteidigung der Ukraine, sondern der potentieller nächster Opfer des Kremls, von Moldau über Georgien bis zu den EU- und Nato-Mitgliedern im Baltikum. Ihnen bietet das Bündnis zwar Schutz vor einem Militärschlag, aber sie sind wegen ihrer russischen Minderheiten und ihrer Energieabhängigkeit auf vielerlei Weise verwundbar. Aus der Formulierung des ukrainischen Ministerpräsidenten Jazenjuk, Russland wolle einen „Dritten Weltkrieg“, spricht die pure Verzweiflung: Er weiß, dass der Westen seine Soldaten nicht an eine Front wo auch immer in der Ukraine schicken wird, sei es vor Donezk, sei es vor Kiew. Nicht nur, dass das innenpolitisch nirgendwo durchsetzbar wäre – es spricht einfach alles dagegen. Ein militärischer Konflikt zwischen der Nato und Russland brächte ein Leid über ganz Europa, das man sich nicht vorstellen mag und das kein Politiker verantworten kann. Und der Ukraine würde es nicht helfen, sie würde zum Schlachtfeld. Von dem Wunsch nach einer demokratischen Entwicklung blieben nur Trümmer.

          So herrscht nicht nur in der Ukraine, sondern auch im Westen ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber einer mit unglaublicher Dreistigkeit und unerträglichem Zynismus inszenierten Eskalation eines Konflikts, der bei etwas gutem Willen in Moskau überhaupt keiner wäre. Die EU und die Nato müssen sich auf eine lange Auseinandersetzung mit Putins Imperialismus einstellen, in der am Ende hoffentlich nicht diejenige Seite Sieger bleibt, die brutaler vorgeht, sondern diejenige, die auf die Anziehungskraft der Freiheit vertraut. Dazu ist mehr Entschlossenheit nötig, als bisher gezeigt wurde.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Truppenabzug in Syrien : Amerika dankt ab

          Trump zieht aus Syrien ab und überlässt das Krisenland den Russen. Ob Erdogan seine Ziele erreicht, ist noch nicht klar. Aber zwei Sieger dürften schon feststehen. Von unseren F.A.Z.-Woche-Korrespondenten und -Autoren.
          Oliver Zipse

          F.A.S. exklusiv : BMW baut den i3 weiter

          Neue Manager, mehr Tempo: BMW-Chef Oliver Zipse baut den Konzern um. An dem teuren Elektroauto i3 hält er aus gutem Grund fest, wie er in seinem ersten Interview sagt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.