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Krise bei der französischen UMP : Kehraus in Paris

Politisches Opfer der Europawahl: Jean-François Copé Bild: AFP

Der Sieg des Front National hat die einst so mächtige UMP in ihren Grundfesten erschüttert. Jetzt holt die Mitte-Rechts-Partei unter Hochdruck die Aufräumarbeiten nach, die sie nach dem Ausscheiden Sarkozys aus dem Präsidentenamt versäumte.

          Nach den Europawahlen wankt nicht nur die sozialistische Regierungspartei in Frankreich. Der Sieg des Front National hat die einst so mächtige Mitte-Rechts-Partei UMP in ihren Grundfesten erschüttert. Jetzt holt die Partei unter Hochdruck die Aufräumarbeiten nach, die sie sich nach der knappen Niederlage ihres Frontmannes Nicolas Sarkozy vor zwei Jahren glaubte ersparen zu können. Zunächst wird in der Führungsetage geputzt, in der es bei weitem nicht so ordentlich zuging, wie es sich für eine Präsidentenpartei schickte. Der erste, der die plötzliche Säuberungsaktion nicht überstanden hat, ist der UMP-Vorsitzende Jean-François Copé.

          Doch mit dem „Rücktritt“ des Chefs und seiner Führungsclique steht die Partei erst am Anfang. In den nächsten Wochen muss sie sich der Erbschaft stellen, die Sarkozy hinterlassen hat. Dazu zählt der von mehr oder weniger glaubwürdigen Zeugen erhärtete Verdacht, während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012 habe der Kandidat – und mit ihm die Partei – weit über seine Mittel gelebt. Die Justiz muss die strafrechtlichen Folgen dieser Misswirtschaft klären. Der Verfassungsrat hatte die Wahlkampfkonten Sarkozys schon für ungültig erklärt. Das Vertrauen der Anhänger kann die Partei nur zurückgewinnen, wenn sie sich einer schonungslosen Aufklärung verschreibt. Ob Sarkozy sich von diesem Prozess ausnehmen kann, ist fraglich. Schließlich war er es, der im vergangenen Sommer bei seinen Sympathisanten um Spenden warb.

          Nach dem Diadochenkampf zwischen François Fillon und Jean-François Copé um die Parteispitze im November 2012 steht der UMP eine neue Zerreißprobe bevor. Denn die Führungsfrage ist gänzlich ungeklärt. Parteigranden wie Nachwuchstalente haben den Blick schon fest auf die Präsidentenwahl 2017 gerichtet. Sie lockt es wenig, die finanziellen Altlasten in der UMP-Parteizentrale zu beseitigen.

          Aber auch der Gründungsmythos der UMP ist lädiert. Die UMP war die Antwort der bürgerlichen Rechten von Gaullisten bis Zentristen auf den Überraschungserfolg Jean-Marie Le Pens bei den Präsidentenwahlen 2002. Doch als Bollwerk gegen den Front National taugt die bedingt abwehrbereite UMP nicht mehr.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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