https://www.faz.net/-gpf-7noeb

Krim-Krise : Kiew ordnet Rückzug an

  • Aktualisiert am

Ukrainische Marinesoldaten, nachdem sie auf Druck russischer Truppen das Landungsschiff „Konstantin Olschanskij“ verlassen haben. Bild: REUTERS

Die Regierung in Kiew hat den Rückzug der ukrainischen Truppen von der Krim angeordnet. Aber die meisten Militärbasen sind schon in der Hand Moskaus - 50 Prozent der ukrainischen Soldaten sollen bereits übergelaufen sein.

          Nachdem Russland fast alle ukrainischen Militärbasen auf der Halbinsel Krim unter seine Kontrolle gebracht hat, hat die ukrainische Regierung den Rückzug ihrer Truppen angeordnet. Dies teilte Interimspräsident Oleksandr Turtschinow am Montag bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Kiew mit. „Heute Nacht setzten sich die Provokationen russischer Truppen gegen ukrainische Truppen fort“, sagte Turtschinow. Die Marinemilitärbasis nahe Feodossija sei angegriffen worden. Es gebe nun eine Bedrohung für Leben und Gesundheit der Soldaten. Auch ihre Familien würden verhöhnt.

          Die meisten ukrainischen Soldaten auf der Krim hatten seit der Besetzung durch die russische Armee lediglich unbewaffneten Widerstand geleistet und sich geweigert, ihre Basen zu verlassen. In den vergangenen Tagen hatten russische Soldaten und teilweise auch prorussische Demonstranten zahlreiche Stützpunkte erstürmt und unter ihre Kontrolle gebracht. Noch am Montagmorgen nahmen russische Truppen mit Kampfhubschraubern und schwerem Gerät einen der letzten ukrainischen Stützpunkte ein. Der stellvertretende Regierungschef der Autonomen Republik Krim, Rustam Temirgalijew, sagte am Montag, alle ukrainischen Soldaten seien entweder zur russischen Seite übergelaufen oder verließen das Territorium der Republik.

          Nach ukrainischen Angaben sind bereits etwa die Hälfte der Soldaten zu den russischen Truppen übergelaufen. Nach russischen Angaben waren zu Beginn des Konflikts gut 18.000 ukrainische Soldaten auf der Halbinsel. Weiterhin befänden sich aber ukrainische Kräfte innerhalb des „besetzten Territoriums“, sagte der stellvertretende Oberkommandierende Alexander Rosmasin am Montag in Kiew. Den verbliebenen Kriegsschiffen werde die Ausfahrt ins offene Meer verwehrt. Medienberichten zufolge übernahmen russische Kräfte auch die Kontrolle über das Landungsschiffs „Konstantin Olschanskij“.

          Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat am Montag nach Angaben der russischen Agentur Interfax als erstes Regierungsmitglied die Halbinsel besucht. Schoigu ernannte den übergelaufenen ukrainischen Marinechef Denis Beresowski zum Vizekommandeur der russischen Schwarzmeerflotte und inspizierte nach Medienberichten mehrere Militäreinrichtungen.

          Unterdessen teilte der russische Regierungschef Dmitrij Medwedjew mit, auf der wirtschaftlich sehr schwachen Halbinsel eine Sonderwirtschaftszone einrichten. „Wir wollen der neuen russischen Region besondere Vorzüge gewähren“, sagte Medwedjew. Möglich seien Steuerbefreiungen und die Fortzahlung von Zusatzleistungen, die es in anderen russischen Gebieten nicht gebe. Am Montag wurde auf der Krim der Russische Rubel neben der ukrainischen Landeswährung Griwna eingeführt. Der Zahlungsverkehr mit zwei Währungen gleichzeitig werde sich innerhalb von zwei bis drei Wochen stabilisieren, sagte Temirgalijew in Simferopol.

          Die neue Regierung der Autonomen Republik warf der Regierung in Kiew vor, die Versorgung mit Strom zu verhindern. Nur etwa die Hälfte des vereinbarten Lieferumfangs kämen im Moment auf der Krim an, sagte Temirgalijew. Er beschuldigte Kiew, die Halbinsel unter Druck setzen zu wollen. Die Krim sei aber vorbereitet und verfüge über Hunderte Dieselgeneratoren, um auf Engpässe zu reagieren. Der Versorger Krimenergo gab dem ukrainischen Unternehmen Ukrenergo die Schuld für die Engpässe. Regierungschef Arsenij Jazenjuk hatte erläutert, die Krim solle weiter versorgt werden, allerdings müsse Russland dafür zahlen.

          Weitere Themen

          Mitarbeiter der Polizei wegen Spionage verhaftet

          Kanada : Mitarbeiter der Polizei wegen Spionage verhaftet

          Ein Mitarbeiter der kanadischen Polizei soll hochgeheime Dokumente veräußert haben. „Diese Art von Information trifft das Herz von Kanadas Souveränität und Sicherheit“, heißt es in dem zuständigen Bericht.

          Stillstand in Spanien

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.

          Topmeldungen

          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.
          Demnächst möglicherweise seltener zu sehen: „Zu vermieten“-Schild an einem Haus in Berlin-Schöneberg.

          F.A.Z. exklusiv : Mietendeckel schadet den Mietern

          Der Mietendeckel in Berlin soll das Wohnen bezahlbar halten. Doch die Studie eines renommierten Forschungsinstituts zeigt jetzt: Tatsächlich könnte er genau das Gegenteil bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.