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Krim : Das Sprungbrett ins Mittelmeer

Aber die Zahlen allein täuschen. Der größte Teil der alten Schwarzmeerflotte wurde längst ausgemustert. Geblieben sind etwa dreißig Kriegsschiffe, die meisten aus den sechziger und siebziger Jahren. Das Flaggschiff „Moskva“ lief 1979 vom Stapel. Die Marine ist traditionell das Stiefkind der russischen Streitkräfte. Wenn Mittel verteilt werden, kommen die strategischen Raketenstreitkräfte immer zuerst – sie garantieren mit ihren Atomsprengköpfen den Supermachtstatus –, dann Heer und Luftwaffe. Aber das ist nur ein Teil der Erklärung. Der andere: Das Flottenabkommen von 1997 lässt keine Modernisierung zu; Russland darf nur Schiffe der dort aufgeführten Klassen besitzen. Selbst in Nato-Kreisen sprechen Fachleute deshalb von einem „Knebelvertrag“.

Moskau wird viel Geld sparen

Wegen der Einschränkungen in Sewastopol ist der Hafen Noworossijsk am Südwestzipfel der russischen Schwarzmeerküste in den letzten Jahren massiv ausgebaut worden. Putin bewilligte mit einem präsidentiellen Dekret knapp eine halbe Milliarde Dollar, um den Hafen bis 2012 um einen militärischen Teil zu erweitern. Inzwischen wurde mit dem Bau eines Tiefwasserterminals begonnen. Nach den bisherigen Planungen sollen in Noworossijsk sechs neue U-Boote für die Schwarzmeerflotte stationiert werden, sechs Fregatten und einer der beiden Hubschrauberträger der Mistral-Klasse, die Russland von Frankreich bezieht. Das Schiff mit dem Namen „Sewastopol“ soll in drei Jahren übergeben werden.

Es ist gut möglich, dass Russland – von den Zwängen des Flottenabkommens befreit – auch Sewastopol wieder aufrüstet. Es ist einer der besten natürlichen Häfen der Welt, mit vielen schützenden Buchten und tiefem Wasser. Die Infrastruktur für Wartungsarbeiten und Reparaturen gilt als hervorragend. Die ukrainische Marine, die ebenfalls in Sewastopol ihre Hauptbasis hat, wird sich dagegen eine neue Bleibe suchen müssen.

Moskau wird außerdem sehr viel Geld sparen. Der Vertrag von 1997 sah eine jährliche Pacht von fast hundert Millionen Dollar für Sewastopol vor. Als das Stationierungsabkommen später verlängert wurde, handelte Kiew zusätzlich einen dreißigprozentigen Rabatt auf russische Erdgaslieferungen aus. In Moskau hielten Nationalisten und manche Strategen dieses Geschäft für zu teuer. Sie rechneten vor, dass Russland auf vier Milliarden Dollar im Jahr verzichten würde. Das Gegenargument lautete, der Kreml investiere in ein gedeihliches Verhältnis zur Ukraine. Diese Hoffnung zerstob spätestens mit dem Sturz des Präsidenten Janukowitsch – postwendend kündigte Moskau den Rabatt.

Folgen für Pipeline-Projekte

Russland hat die Schwarzmeerflotte in den vergangenen Jahren für seine regionalen Interessen eingesetzt. Sie schaltete 2008 die winzige georgische Marine aus, setzte Landungstruppen ab und errichtete eine Seeblockade vor der Küste. Einzelne Schiffe nahmen am internationalen Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika teil. Im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien wurde ein Verband mit bis zu zehn Kriegsschiffen in Tartus stationiert, dem einzigen Marinestützpunkt der Russen außerhalb ihres Territoriums.

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