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Kriegsverbrechertribunal : Karadzic bestreitet jegliche Verantwortung für Srebrenica-Massaker

  • Aktualisiert am

Radovan Karadzic vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag Bild: AP

Der Anwalt des früheren bosnischen Serbenführers hat in seinem Schlussplädoyer in Den Haag der Darstellung widersprochen, Radovan Karadzic sei die „treibende Kraft“ hinter „ethnischen Säuberungen“ gewesen.

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          Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat zum Ende seines Prozesses vor dem Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien jegliche Verantwortung für das Massaker von Srebrenica bestritten. „Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür, dass Dr. Karadzic die Hinrichtung von Gefangenen geplant oder angeordnet hat oder davon wusste“, sagte dessen Anwalt Peter Robinson während seines Schlussplädoyers am Donnerstag in Den Haag.

          Karadzics Verantwortung für die Hinrichtung von rund 8000 muslimischen Jungen und Männern im Juli 1995 im Ort Srebrenica ist zentraler Bestandteil der elf Anklagepunkte wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Anklage hatte am Montag in ihrem Schlussplädoyer erklärt, sie halte jegliche Zweifel an der Schuld Karadzics für ausgeräumt. Er sei eindeutig die „treibende Kraft“ hinter „ethnischen Säuberungen“ im Bürgerkrieg und dem Massaker von Srebrenica gewesen, sagte Chefankläger Alan Tieger.

          Anwalt: „Nicht des Völkermordes schuldig“

          Robinson widersprach dieser Darstellung: Die Vorfälle seien vor Karadzic verheimlicht worden, „und deshalb ist er nicht des Völkermordes schuldig“. Wäre sein Mandant tatsächlich schuldig, hätte das Gericht in dem fünf Jahre andauernden Prozess mehr zu hören bekommen, argumentierte Robinson. „Nicht ein einziger Zeuge hat ausgesagt, dass Radovan Karadzic die Hinrichtung der Gefangenen von Srebrenica geplant, angeordnet oder etwas darüber gewusst hat“, sagte Robinson weiter.

          Die Anklage stütze sich auf Glauben und Meinung statt auf Fakten, sagte der Verteidiger. Die Anklage habe den Verlauf des Bürgerkriegs in Bosnien einseitig zum Nachteil der Serben dargestellt. „Wenn Sie dem juristischen Lynchmord der Anklage folgen, verurteilen Sie einen unschuldigen Mann“, sagte Robinson. Der 69 Jahre alte Karadzic verfolgte das abschließende Plädoyer in einem schwarzen Anzug, weißem Hemd und gestreifter Krawatte. Er hatte zuvor bereits einen Freispruch gefordert. Mit einem Urteil wird nicht vor Ende kommenden Jahres gerechnet.

          Karadzic war im Juli 2008 in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden, nachdem er sich 13 Jahre lang versteckt gehalten hatte. Im Oktober 2009 wurde er vor Gericht gestellt. Die Anklage wirft ihm sowie dem früheren bosnisch-serbischen Armeechef Ratko Mladic und dem inzwischen gestorbenen ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor, nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens im Jahr 1991 gemeinsam „ethnische Säuberungen“ in den von Serben beanspruchten Teilen Bosniens vorgenommen zu haben. Muslime, Kroaten und andere Bevölkerungsgruppen wurden demnach systematisch vertrieben.

          Insgesamt wurden im Bosnienkrieg der Jahre 1992 bis 1995 etwa 100.000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen vertrieben. Neben dem Massaker von Srebrenica muss sich Karadzic auch wegen der 44-monatigen Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verantworten, bei der bis zum November 1995 nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen etwa 10.000 Zivilisten getötet wurden.

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