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Kriegsverbrechen : Gotovina bleibt „kühl und ruhig“ - Proteste in Zagreb

  • Aktualisiert am

Proteste in Zagreb für einen „Nationalhelden” Bild: REUTERS

Während die spanischen Justizbehörden die „unverzügliche“ Auslieferung des kroatischen Generals Ante Gotovina an das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag vorbereiten, wird in Zagreb gegen die Verhaftung eines „Nationalhelden“ protestiert.

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          Die spanischen Justizbehörden haben am Freitag die Vorbereitungen für die angekündigte „unverzügliche“ Auslieferung des kroatischen Generals Ante Gotovina an das internationale Kriegsverbrechertribunal in Den Haag getroffen.

          Der dort wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte Militär war nach seiner Festnahme auf Teneriffa am Donnerstag in ein Madrider Gefängnis überstellt worden. Ein Ermittlungsrichter des Nationalen Gerichtshofs unterrichtete den auf der Grundlage eines internationalen Haftbefehls des UN-Tribunals festgenommenen Gotovina in der Hauptstadt über die Anklagepunkte und seine beschlossene Auslieferung.

          „Befreier von den serbischen Besatzern“

          In Kroatien demonstrierten nach der Festnahme Gotovinas am späten Donnerstag abend hunderte Demonstranten gegen die Inhaftierung des früheren Generals, der von vielen seiner Landsleute als Volksheld verehrt wird. Nach Polizeiangaben versammelten sich in der Hauptstadt Zagreb vor allem Extremisten und Kriegsveteranen. Die Polizei nahm elf Personen fest, nachdem Demonstranten Fensterscheiben am Regierungsgebäude eingeschlagen hatten.

          Gotovina im spanischen Arrest

          In Parolen der Demonstraten wurde die Regierung des Verrates an einem „Nationalhelden“ bezichtigt. Auch aus einigen Städten an der Adria wurde von Sympathiekundgebungen für den als „Befreier von den serbischen Besatzern“ gefeierten Gotovina berichtet. Weitere Proteste sind für dieses Wochenende angekündigt.

          Sanader: Wahrheit im kroatischen Interesse

          Der kroatische Ministerpräsident Sanader sagte, es liege im kroatischen Interesse, daß die volle Wahrheit im Falle des Generals Gotovina festgestellt werde; dies gelte auch in den Fällen aller anderen kroatischen Angeklagten des Haager Tribunals. Wie für alle anderen Angeklagten gelte in einem Rechtsstaat auch für Gotovina die Unschuldsvermutung.

          In einer offiziellen Stellungnahme der kroatischen Regierung heißt es, der Krieg zur Verteidigung des Vaterlandes 1995 sei gerecht und legitim gewesen. Kroatien sei das Opfer einer Aggression gewesen und habe das Recht auf Selbstverteidigung und zur Befreiung der besetzten Territorien gehabt. Kroatien werde die weitere Entwicklung in diesem Falle mit größter Aufmerksamkeit verfolgen und weiterhin voll mit dem Haager Tribual zusammenarbeiten - wobei es alle rechtlichen Möglichkeiten kroatischer Bürger ausschöpfen werde.

          Aussage verweigert

          Gotovina wird insbesondere beschuldigt, im Zug der Operation „Sturm“ im Jahr 1995 bei der Wiedereroberung der Krajina im südlichen Kroatien für die Ermordung von mindestens 150 und die Vertreibung von bis zu zweihunderttausend Serben verantwortlich gewesen zu sein.

          Vor dem Ermittlungsrichter in Madrid wurde der Kroate von einem Pflichtanwalt und einem Konsulatsvertreter seines Landes begleitet. Gotovina verweigerte vor dem Ermittlungsrichter jede Aussage. Da er angeblich fließend Spanisch spricht, waren die Dienste einer gleichfalls anwesenden Dolmetscherin nicht nötig. Sein Verhalten wurde als „kühl und ruhig“ beschrieben.

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