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Nach Armee-Operation : Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert

  • Aktualisiert am

Israelische Polizisten untersuchen eine Straße zwischen Ashdod und Tel Aviv, in deren Fahrbahn eine Rakete eingeschlagen ist. Bild: AP

Israels Streitkräfte töten bei einer gezielten Operation den Chef einer militanten Palästinenserorganisation. Die wertet das als „Kriegserklärung“. Radikale Palästinenser reagieren – und auch in Tel Aviv heulen die Sirenen.

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          Israelische Streitkräfte haben den Kommandeur der militanten „Bewegung des islamischen Dschihads in Palästina“, Baha Abu al Ata, bei einem Angriff auf sein Haus im Gazastreifen getötet. Dies teilten Vertreter beider Seiten am Dienstag mit. Als Reaktion feuerten militante Palästinenser Dutzende Raketen auf Ziele in Israel ab. Auch in Tel Aviv heulten mehrfach die Sirenen, Explosionen waren zu hören.

          Nach Armeeangaben wurden mehr als 50 Raketen abgefeuert, rund 20 Raketen davon seien vom Abwehrsystem Iron Dome abgefangen worden. Der „Islamische Dschihad“ nannte den tödlichen Angriff auf seinen Militärchef eine „Kriegserklärung“ Israels, das damit „alle roten Linien überschritten“ habe. Die israelische Armee teilte mit, sie greife Terrorziele der Organisation im Gazastreifen an.

          Weiterer Luftangriff im Gazastreifen

          Die Eskalation nährte die Furcht vor einem neuen Gaza-Krieg. Nach israelischen Medienberichten bemühen sich Ägypten und der UN-Nahostgesandte Nikolaj Mladenow hinter den Kulissen intensiv um eine Beruhigung der Lage.

          Nach syrischen Angaben wurden bei einem weiteren Angriff der israelischen Luftwaffe auf einen anderen „Dschihad“-Führer in Damaskus zwei Menschen getötet. Zwei Raketen hätten am Morgen einen Wohnsitz von Akram al Adschuri getroffen, meldete die staatliche syrische Agentur Sana. Neben al Adschuris Sohn sei auch eine zweite Person ums Leben gekommen. Der Nachrichtenagentur zufolge wurden zehn Menschen verletzt. Al Adschuri selbst wurde nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei dem Raketenangriff verletzt.

          Eine Rakete schlägt auf einer Kreuzung ein.

          Am Vormittag wurde bei einem weiteren Luftangriff Israels im nördlichen Gazastreifen ein militanter Palästinenser getötet. Nach israelischen Militärangaben waren zwei „Dschihad“-Aktivisten auf einem Motorrad unterwegs. Sie hätten einen Raketenangriff auf Israel vorbereitet. Daher seien sie von einem israelischen Kampfjet angegriffen und getroffen worden.

          Aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen schlugen am Dienstag nach Medienberichten direkt in einem Haus in Netivot im Süden Israels und auf einer dicht befahrenen Schnellstraße südlich von Tel Aviv ein. Dabei sei ein Mensch verletzt worden.

          Schulen und Büros blieben geschlossen

          Nach Angaben von Sanitätern schwebte ein achtjähriges israelisches Mädchen nach einem Raketenangriff in Lebensgefahr. Sie habe das Bewusstsein verloren, nachdem Warnsirenen in Cholon südlich von Tel Aviv heulten, hieß es in einer Mitteilung.

          In Israel blieben Schulen und Büros vom Süden bis zum Zentrum geschlossen. Der Zugverkehr nahe dem Gazastreifen wurde laut Medienberichten teilweise gestoppt. Die Armee verlegte nach eigenen Angaben verstärkt Truppen ins Grenzgebiet. Die beiden Grenzübergänge von Israel in den Gazastreifen blieben bis auf weiteres geschlossen.

          Israel wird nach den Worten von Armeesprecher Jonathan Conricus nicht zu einer Politik der gezielten Tötungen zurückkehren. Dies sei eine einzigartige Aktion gewesen, um „eine direkte Bedrohung“ abzuwenden. Abu al Ata habe sich stets mit „menschlichen Schutzschilden“ umgeben. Die Sicherheitskräfte hätten in dieser Nacht die Möglichkeit gesehen, ihn mit einem „chirurgischen Angriff“ töten zu können.

          Abu al Ata habe in den vergangenen Tagen Vorbereitungen für „unmittelbar bevorstehende“ Terroranschläge auf israelische Zivilisten und Soldaten vorangetrieben, teilte die Armee mit. Er habe unter anderem Terroreinheiten für das Eindringen nach Israel trainiert. Abu al Ata war der Anführer der Al-Quds-Brigaden, des bewaffneten Arms des Islamischen Dschihad im Gazastreifen. Sie gilt als zweitstärkste Extremistenorganisation nach der islamistischen Hamas. In der Vergangenheit hatten beide Organisationen blutige Terroranschläge in Israel verübt.

          Der Angriff auf Abu al Ata war von Ministerpräsident und Verteidigungsminister Benjamin Netanjahu sowie dem Sicherheitskabinett genehmigt worden, hieß es in einer Stellungnahme von Netanjahus Büro. Die Regierung hatte am Sonntag der Ernennung von Naftali Bennett von der Neuen Rechten zum neuen Verteidigungsminister zugestimmt. Bennett hatte in der Vergangenheit einen deutlich härteren Kurs Israels gegenüber der Hamas gefordert.

          In der Vergangenheit hatte Israel immer wieder gezielt militante Palästinenser getötet, darunter auch Führungsmitglieder der Hamas. Nach dem Gaza-Krieg 2014 hatte das Militär im Rahmen einer Waffenruhe diese Praxis jedoch weitgehend unterlassen.

          Israel hatte während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Es hat vor zwölf Jahren eine Blockade des Gazastreifens verschärft, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsinteressen. Die Hamas wird von der Europäischen Union, Israel und den Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben.

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