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Krieg in Libyen : Söldner ziehen sich zurück

Ein Flugabwehrsystem russischer Bauart wird im Mai von Soldaten der international anerkannten Regierung durch Tripolis paradiert, nachdem es von Truppen des ostlibyschen Warlords Haftar erobert wurde. Bild: AFP

Im Kampf um Libyens Hauptstadt Tripolis ist das ein schwerer Rückschlag für den Militärführer Haftar. Der hatte mit Luftangriffen auf türkische Einheiten gedroht. Beobachter fürchten eine Eskalation des Konflikts.

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          Der ostlibysche Militärführer Chalifa Haftar hat im Krieg um Tripolis einen weiteren, schweren Rückschlag erlitten. Die Söldner der russischen Sicherheitsfirma Wagner zogen sich laut übereinstimmenden Meldungen am Sonntag von der Front in der Hauptstadt zurück. Von etwa 1500 Kämpfern war die Rede, unter ihnen auch Syrer. Der Bürgermeister von Bani Walid, einer Stadt weit südlich von Tripolis sagte, die Söldner seien vom dortigen Flughafen in die Stadt Jufra, eine Haftar-Bastion, gebracht worden. Die ausländischen Kämpfer spielten nach der Einschätzung von Beobachtern eine entscheidende Rolle in den Kämpfen um die Hauptstadt. Fathi Bashaga, der Innenminister der unter UN-Vermittlung eingesetzten „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ in Tripolis hatte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt, sie seien der einzige Grund, aus dem Haftar noch keine vollständige Niederlage erlitten habe. Zu ihren Aufgaben gehörte demnach auch die Koordinierung der Artillerie.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die Truppen der Übereinkunftsregierung haben Haftar in den vergangenen Wochen mehrere schmerzhafte Niederlagen zugefügt. Sie profitierten dabei von massiver türkischer Waffenhilfe – vor allem durch Drohnen. Die türkische Marine hatte aber auch aktiv in die Kämpfe eingegriffen und Ziele von See aus unter Beschuss genommen. Haftars Truppen sind in einer schwierigen Lage, da auch ihre Nachschubwege inzwischen begrenzt und verwundbar sind. Unter Politikern im Osten Libyens herrscht schon Sorge, dass sich der Krieg bald in die Cyrenaika verlagern könnte. Haftar kündigte am Wochenende an, „türkischen Kolonialismus“ weiter zu bekämpfen.

          Die jüngsten Geländegewinne der Tripolis-Regierung haben die ausländische Unterstützer des ostlibyschen Militärführers unter Zugzwang gesetzt; Haftar wird von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Russland unterstützt. Zuletzt hatte daher die Sorge, der Konflikt könnte weiter eskalieren, zugenommen. Entsprechend äußerte sich auch die amtierende UN-Sondergesandte, die amerikanische Diplomatin Stephanie Williams. Haftars Sprecher hatte mit Luftangriffen auf türkische Einheiten gedroht, ferner hatte es Berichte über russische Kampfflugzeuge gegeben, die in Libyen gelandet seien. Am Samstag hatte der amerikanische Präsident Donald Trump mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert, und eine „schnelle Deeskalation“ verlangt, wie das Weiße Haus mitteilte. Zuvor hatten der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu und der russische Außenminister Sergej Lawrow nach einem Telefongespräch auf einen Waffenstillstand gedrungen.

          Anfang des Monats war einen UN-Bericht, an die Öffentlichkeit gelangt, der die Zahl der Wagner-Söldner mit etwa 1200 bezifferte, sie stammen demnach überwiegend aus Russland, aber auch aus der Ukraine, Weißrussland, Moldawien oder Serbien. Unter ihnen seien Spezialisten wie Scharfschützen. Videos und Bilder, die im Internet verbreitet wurden, legen nahe, dass sie ihre libyschen Partner auch im Umgang mit Minen und Sprengfallen trainiert haben. Solche waren auch an Orten gefunden worden, von denen sich Haftars Truppen zurückgezogen hatten.

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