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Krieg in Gaza : Es mangelt an allem

Der bisher heftigste Kriegstag: Ein Porträt von Hamas-Führer Ismail Hanija in den Trümmern seines Hauses, das in der Nacht zum Dienstag angegriffen worden war. Bild: dpa

In Gaza bricht wegen des Krieges die Stromversorgung zusammen. Auch sauberes Wasser und medizinische Güter werden immer knapper.

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          Riesige schwarze Wolken stiegen über den Treibstofftanks auf. Die Feuerwehr bekam den Großbrand im einzigen Kraftwerk des Gazastreifens lange nicht unter Kontrolle. Die israelische Armee hatte die Anlage am Dienstagmorgen nach palästinensischen Angaben bombardiert und schwer beschädigt. Nach ersten Einschätzungen aus Gaza könnten die Reparaturarbeiten ein Jahr in Anspruch nehmen. Erst nach dem Ende der Löscharbeiten lasse sich der Schaden wirklich absehen, sagte dagegen ein Vertreter der israelischen Armee.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das Kraftwerk war schon in den vergangenen Wochen angegriffen worden, weshalb nur zwei Turbinen in Betrieb waren. Der Strom in Gaza reichte schon vor Kriegsbeginn nicht. Inzwischen werden die Einwohner in vielen Orten statt vier nur noch zwei Stunden am Tag mit Elektrizität versorgt. Selbst im Zentrum von Gaza-Stadt war die Versorgung in einigen Vierteln zuletzt vollständig zusammengebrochen.

          Das mit Diesel betriebene Kraftwerk am Ufer des Mittelmeers produzierte bis vor wenigen Tagen noch 50 Megawatt. Aus Israel kauft die palästinensische Autonomiebehörde Strom dazu: Derzeit sind es nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Gisha nur noch 36 statt 120 Megawatt. Das liegt vor allem daran, dass während der Kämpfe alle zehn Stromleitungen aus Israel in den Gazastreifen beschädigt wurden, so dass bis zu Wochenbeginn nur noch drei funktionsfähig waren. Sie sind immer wieder überlastet, was zu weiteren Ausfällen führte, wie der israelische Koordinator der zivilen Aktivitäten der Armee mitteilte. Weitere 28 Megawatt für den Süden Gazas kommen aus Ägypten. Insgesamt hat der Gazastreifen jedoch einen Strombedarf von 350 Megawatt. Nach dem Ausfall des Kraftwerks stand am Dienstag damit nur etwa ein Fünftel des Bedarfs an Strom zur Verfügung.

          Zerstörte Krankenhäuser

          Das hat gravierende Folgen für die Wasser- und Abwasserversorgung der 1,7 Millionen Einwohner Gazas, da die Pumpen mit Strom betrieben werden. Zwei Drittel der Einwohner würden nicht mehr versorgt oder hätten mit größeren Einschränkungen zu kämpfen, teilte ein Zusammenschluss von 30 Hilfsorganisationen mit. Abwasser sammele sich auf Straßen und Feldern und fließe ungeklärt ins Meer, weil Kanäle und eine Kläranlage beschädigt worden seien. Es bestehe die Gefahr, dass dadurch das Trinkwasser verunreinigt werde. Viele Familien müssen deshalb schon Wasser von Tankwagen kaufen.

          Rauch und Flammen steigen auf, nachdem israelische Raketen das einzige Kraftwerk im Gaza-Streifen getroffen haben
          Rauch und Flammen steigen auf, nachdem israelische Raketen das einzige Kraftwerk im Gaza-Streifen getroffen haben : Bild: AP

          In Gaza vervielfachten sich zudem die Preise für Gemüse und Obst, da Bauern ihre Felder im Norden und Süden des Gazastreifens nicht mehr erreichen können, weil dort heftig gekämpft wird. Auch der Nachschub über den einzigen israelischen Warenübergang in Kerem Schalom ist deutlich zurückgegangen. Seit Kriegsbeginn passierten durchschnittlich 81 Lastwagenladungen mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern die Grenze, wie die Menschenrechtsorganisation Gisha berichtete. Im Juni waren es noch 194. Dazu kamen seit dem 8. Juli nach Angaben der israelischen Armee 8,2 Millionen Liter Treibstoff. Obwohl medizinische Hilfslieferungen nach Gaza gelangen, können sie angesichts der Kampfhandlungen den Bedarf der Krankenhäuser nicht decken.

          Im Schifa-Krankenhaus reichen die Betten in der Intensivstation nicht mehr aus und in den Operationssälen fehlt die Ausstattung. Mehr als 20 Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen wurden nach Angaben der UN zerstört oder beschädigt. Zuletzt hatte am Montagabend ein Geschoss auch eine Außenwand des Schifa-Krankenhauses in der Stadtmitte getroffen. Eine zweite Rakete schlug auf einer Straße im Flüchtlingslager Schati ein, auf der Kinder spielten. In Gaza wurde die israelische Luftwaffe bezichtigt, durch ihre jüngsten Angriffe mindestens zehn Menschen getötet zu haben. Die israelische Armee veröffentlichte am Dienstag Luftaufnahmen, die beweisen sollen, dass aus Gaza in Richtung der israelischen Hafenstadt Aschkelon abgefeuerte Raketen ihr Ziel verfehlt haben. Augenzeugen berichteten, dass sich anhand der Raketenteile nicht beurteilen ließe, woher die Geschosse stammten.

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