https://www.faz.net/-gpf-afbrp

Biden droht IS : „Wir werden nicht vergeben, wir werden nicht vergessen“

  • Aktualisiert am

US-Präsident Joe Biden verteidigte abermals das Ende des Krieges in Afghanistan. Bild: EPA

Amerikas Präsident Joe Biden hat mit einer kämpferischen Rede abermals das Ende des Krieges in Afghanistan gerechtfertigt. Die USA erlebten nun neue Herausforderungen und das Land sei stark genug, sie gleichzeitig zu meistern.

          2 Min.

          US-Präsident Joe Biden hat abermals die frühere afghanische Regierung und die Sicherheitskräfte des Landes für die Machtübernahme der Taliban verantwortlich gemacht. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien entgegen den Erwartungen kein starker Gegner im Kampf gegen die Taliban gewesen, sagte Biden am Dienstag im Weißen Haus. Die afghanische Regierung sei kollabiert, Präsident Aschraf Ghani sei außer Landes geflohen. Sie hätten damit „das Land ihren Feinden übergeben, den Taliban“. Damit sei die Gefahr für die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten gestiegen.

          Eigene Fehler beim Abzug der US-Soldaten räumte Biden dagegen nicht ein. Der Truppenabzug zum 31. August sei nicht auf eine „willkürliche Frist“ zurückzuführen, sagte Biden weiter. „Sie war so ausgelegt, um amerikanische Leben zu retten.“ Sein Amtsvorgänger Donald Trump habe eine Vereinbarung mit den Taliban geschlossen und den Abzug der US-Truppen zugesagt. Er selbst habe die Wahl gehabt, daran festzuhalten oder Zehntausende weitere US-Soldaten nach Afghanistan zu schicken und den Einsatz fortzusetzen. Die USA hätten allein die Wahl gehabt, das Land zu verlassen oder den Konflikt zu eskalieren. Er habe den Krieg nicht ewig verlängern wollen, betonte Biden. Und er habe auch den Abzug nicht ewig verlängern wollen. „Es war an der Zeit, diesen Krieg zu beenden.“

          Biden betonte hingegen, dass die Amerikaner aus Fehlern in der Vergangenheit lernen müssten. „Unsere Strategie muss sich auch ändern.“ Damit spielte er auf die neuen Veränderungen in der Welt an, allen voran die Konkurrenz zu China. Laut Biden könne die USA aber beides, Terroristen jagen und den wirtschaftlichen Wettbewerb mit den neuen großen Volkswirtschaften wie der Chinas aufnehmen.

          Die USA werden nach seinen Aussage daher auch nach dem Abzug aus Afghanistan weiter gegen den örtlichen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgehen. Er warnte die Gruppe, die sich zum jüngsten Anschlag am Flughafen in Kabul bekannt hatte, die USA würden sie weiter verfolgen. „Wir sind mit Euch noch nicht fertig“, sagte Biden. Der Kampf gegen den Terror gehe auch nach dem Abzug aus Afghanistan weiter, wenn auch ohne Bodentruppen. Die USA würden Terroristen, die das Land angriffen, „bis zum Ende der Welt jagen und fassen“, so Biden. „Wir werden nicht vergeben, wir werden nicht vergessen.“

          F.A.Z. Machtfrage – Der Newsletter zur Bundestagswahl

          jeden Dienstag

          ANMELDEN

          Rettungsmission sei voller Erfolg gewesen

          Biden gab darüber hinaus zu bedenken, dass der Einsatz in Afghanistan schlichtweg nicht erfolgreich durchzuführen gewesen sei. In der Zukunft dürfe man nur noch Missionen mit klar erreichbaren Zielen angehen.

          Mit dem Abzug der letzten US-Soldaten vom Flughafen Kabul war in der Nacht zu Dienstag der internationale Afghanistan-Einsatz nach fast 20 Jahren zu Ende gegangen. Biden hatte im Juli angekündigt, dass alle US-Truppen bis zum 31. August abgezogen werden. Nun sagte er: „Meine amerikanischen Mitbürger, der Krieg in Afghanistan ist jetzt vorbei.“ Nach der Abzugsankündigung hatte der Siegeszug der Taliban rasant an Tempo zugelegt. Mitte August übernahmen die Islamisten, deren Regime der US-geführte Einsatz Ende 2001 gestürzt hatte, wieder die Macht.

          Seitdem versuchten die USA und ihre Verbündeten fieberhaft, eigene Staatsbürger und afghanische Mitarbeiter außer Landes zu fliegen. Auch die Rettung zahlreicher Amerikaner und deren Helfer vor Ort endete in der Nacht zu Dienstag. Biden betonte, dass diese ein außergewöhnlicher Erfolg gewesen sei. Neunzig Prozent der Amerikaner in Afghanistan, die das Land verlassen wollten, seien dazu in der Lage gewesen, sagt Biden in seinen ersten öffentlichen Bemerkungen seit dem Abschluss des Abzugs am Montag. „Wir haben eine der größten Luftbrücken der Geschichte abgeschlossen.“ Kein Land habe jemals etwas Vergleichbares auf die Beine gestellt. Es werde davon ausgegangen, dass sich noch 100 bis 200 US-Bürger in Afghanistan aufhielten.

          Weitere Themen

          US-Senat stimmt für Übergangshaushalt Video-Seite öffnen

          Shutdown verhindert : US-Senat stimmt für Übergangshaushalt

          In den USA hat der Senat am späten Donnerstagabend einem Gesetzentwurf für einen Übergangshaushalt zugestimmt und damit einen Shutdown verhindert. Ohne die kurzfristige Verabschiedung des Entwurfs wäre die Finanzierung am Freitag um Mitternacht ausgelaufen.

          Topmeldungen

          In den späten Jahren seiner Präsidentschaft verfällt der türkische Staatspräsident Erdogan in autokratische Verhaltensweisen.

          Erdoğans Währungskrise : Das haben die Türken nicht verdient

          Der türkische Staatspräsident Erdoğan schädigt die Wirtschaft seines Landes zielstrebig und ruiniert breite Schichten der Bevölkerung. Sein geld- und finanzpolitischer Kurs lässt den Wert der Lira ins Bodenlose stürzen.

          Livestream : Spahn und Wieler zur aktuellen Corona-Lage

          Bund und Länder haben die Corona-Regeln deutlich verschärft. Reicht das gegen die vierte Welle und die neue Virusvariante Omikron? Verfolgen Sie die Pressekonferenz von Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler im Livestream.
          Impfstoffspritzen bei einer Impfaktion im sächsischen Bautzen.

          Live-Diskussion : Brauchen wir eine Impfpflicht? Schreiben Sie uns

          Lange haben verantwortliche Politiker hierzulande gezögert – jetzt steht sie auf der Agenda: die allgemeine Impfpflicht. Wäre sie die Lösung für das Ende der Pandemie oder ein zu großer Eingriff in die Privatsphäre? Diskutieren Sie mit.