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Krieg in Afghanistan : „Er oder ich - darum ging es“

  • Aktualisiert am

Deutsche Soldaten beim Schusstraining in Kundus Bild: REUTERS

Wenn in Afghanistan wie vergangene Woche deutsche Soldaten fallen, reden Politiker über Tapferkeit und Dankbarkeit. Doch zwischen den Reden an den Särgen und dem Streit über Mandate rückt die Leistung der Soldaten in den Hintergrund. Ein Hauptfeldwebel beschreibt hier minutiös ein tödliches Gefecht.

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          Sie sollten die Taliban aus ihrer Stellung im Dorf Basoz treiben - doch der Feind kam den Soldaten bei ihrem Einsatz zuvor. Der deutsche Spähtrupp war von Aufständischen umzingelt.

          Als Daniel Seibert hörte, dass seine Kameraden in einer tödlichen Falle steckten, wusste er sofort, dass sein Zug ihnen zu Hilfe kommen musste. Für seinen mutigen Einsatz bekam er von Verteidigungsminister zu Guttenberg das Bundeswehr-Ehrenkreuz für Tapferkeit verliehen. Er freue sich sehr über diese Auszeichnung, doch viel wichtiger wäre ihm mehr Rückhalt der Bevölkerung für die tägliche Arbeit der Soldaten, sagt Seibert.

          Im F.A.S.-Interview beschreibt der junge Hauptfeldwebel detailliert die Geschehnisse in Nord-Afghanistan. Seine Schilderung steht für das, was er und seine Kameraden leisten.

          Das Bundeswehr-Ehrenkreuz für Tapferkeit wurde erst zweimal verliehen
          Das Bundeswehr-Ehrenkreuz für Tapferkeit wurde erst zweimal verliehen : Bild: dpa

          Herr Seibert, Sie sind als erster Bundeswehrsoldat nach einer Kampfsituation mit dem Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet worden - für Ihr Verhalten bei einem Gefecht am 4. Juni 2009. Wie fing das an?

          Acht Kilometer von uns entfernt war ein Aufklärungstrupp mit drei Spähpanzern „Fennek“ und neun Soldaten in einen Hinterhalt der Taliban geraten. Zunächst hatte sich ein Selbstmordattentäter vor einem Panzer in die Luft gesprengt, dann eröffneten die Angreifer aus vorbereiteten Stellungen heraus mit Panzerfäusten und Kleinwaffen das Feuer. Der Angriff war detailliert geplant worden.

          Sie wurden umgehend um Unterstützung gebeten?

          Unser Zug war dem Geschehen am nächsten. Als ich davon hörte, dass die Aufklärer im Feuerkampf stehen, gab es für mich keinen Zweifel, dass wir ihnen zu Hilfe kommen müssen.

          Ihnen war klar, dass Sie in ein Gefecht ziehen?

          Absolut.

          Und Sie wussten, dass dort Kameraden von einem übermächtigen Feind angegriffen werden?

          Dass der Feind übermächtig sein würde, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Das wurde uns dann aber sehr schnell klar.

          Wie lange brauchte Ihr Zug bis zum Ort des Geschehens?

          Zirka sieben Minuten.

          Was geschah dann?

          Ich fuhr mit einem „Dingo“ an der Spitze des Zuges. Das Gefecht fand nahe der Ortschaft Basoz statt, aus der uns die Aufklärer entgegenkamen. Der Spähtruppführer stieg aus dem „Fennek“ aus. Noch heute sehe ich ihn vor mir: Helm auf dem Kopf, Gewehr und Handgranate in der Hand, und er schreit: „Die sind überall!“

          Ihr Auftrag war es, dem Feind nachzusetzen?

          Wir sollten gemeinsam in das Dorf vorrücken, um die Taliban aus ihren Stellungen zu treiben. Aber auch der Feind hatte einen Plan. Er wollte den Spähtrupp vermutlich aufreiben und vernichten. Und dieses Vorhaben begann er eher als wir unseres umzusetzen. Beide Straßen, die aus Basoz führten, waren abgeriegelt. Uns kam jedoch zugute, dass die Taliban von ihren Stellungen entlang der Straße aus nicht mehr als die drei „Fennek“ sehen konnten. Sie hatten angenommen, ein Fahrzeug sei liegen geblieben und der Trupp sei jetzt ein leichtes Ziel. Unsere Fahrzeuge standen hinter einer Biegung, sie konnten uns nicht sehen.

          Der Spähtruppführer schrie also: Die sind überall!

          Gleich darauf schlugen die ersten zwei Panzerfaustgeschosse in einer Hauswand ein. Beiderseits der Straße waren Wohnhäuser. Zivilisten waren nicht anwesend, dafür aber jede Menge Angreifer. Der Rest unseres Zugs schloss gerade auf, da wurden die hinteren Fahrzeuge auch schon massiv von der Seite beschossen. Die Taliban griffen geradezu fanatisch an, stiegen aus ihren Stellungen und liefen feuernd auf uns zu. Wir erwiderten das Feuer und vernichteten bereits in dieser frühen Phase des Kampfes Teile des Feindes.

          Hatten Sie Ihre Männer aus den Dingo aussteigen lassen?

          Ja, nur die Maschinengewehrschützen waren auf den Fahrzeugen geblieben. Wir hatten keine Wahl, denn wir steckten fest. Wir kamen mit unseren Fahrzeugen weder vor noch zurück, da blieb uns nur, eine Rundumsicherung mit abgesessener Truppe vorzunehmen. Aber dafür sind wir trainiert worden.

          Die Taliban stürmten auf Sie zu?

          Zirka zehn Kämpfer liefen aus 50 Meter Entfernung direkt auf uns zu: einige auf der Straße, einige links und rechts davon in den Gräben, ausgerüstet mit Panzerfäusten und AK-47.

          Ihre MG-Schützen haben den Angriff gestoppt?

          Sie haben die Angreifer erschossen.

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