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Krieg im Kongo : UN werfen Milizen Massaker im Osten Kongos vor

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Ein an Cholera erkranktes Kind liegt in einem Waisenhaus in Goma: Helfer warnen vor einer Epidemie Bild: picture-alliance/ dpa

Milizen in der Stadt Kiwanja haben vermutlich ein Massaker an Zivilisten begangen. „Unsere Truppen konnten die Menschen nicht schützen“, sagte der Leiter der UN-Mission im Kongo Alan Doss. Helfer warnen unterdessen vor einer Cholera-Epidemie.

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          Nach Angaben der Vereinten Nationen haben die in der Provinz Nord-Kivu im Osten Kongos kämpfenden Milizen in der Stadt Kiwanja vergangene Woche ein Massaker an Zivilisten begangen. UN-Ermittler hätten allerdings noch keine klaren Informationen über den Ablauf des Massakers vor wenigen Tagen in der Stadt Kiwanja, sagte der Leiter der UN-Mission im Kongo, Alan Doss, am Wochenende.

          Die Stadt war zunächst von regierungstreuen Mai-Mai-Milizen und dann von Truppen des Rebellengenerals Laurent Nkunda erobert worden. Helfer hatten in Kiwanja, 80 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Goma, die Leichname von mehreren Dutzend Zivilisten gefunden. Die UN sprachen von mindestens 26 Toten, die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von mindestens 50 Opfern. Doss gestand ein, dass die UN-Truppen in Kongo (Monuc) die Zivilbevölkerung nicht schützen konnten.

          Helfer warnen vor Cholera

          In Kiwanja sind 120 Monuc-Soldaten stationiert. Auf einem Kongo-Gipfel der Afrikanischen Union in Nairobi hatten am Freitag mehrere Staats- und Regierungschefs die UN-Friedenstruppe kritisiert, weil sie es nicht vermocht habe, die Zivilbevölkerung zu schützen. UN-Generalsekretär Ban dementierte Informationen, wonach Truppen aus Angola auf Seiten der kongolesischen Regierungstruppen in die Kämpfe bei Goma eingegriffen hätten.

          Kongo : Rebellenführer Nkunda will Kinshasa erobern

          Nach dem Ausbruch von Cholera in einem Flüchtlingslager nahe Goma warnen Helfer vor einer Epidemie. Allein seit Freitag sind nach Angaben der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Kibati 45 Fälle entdeckt worden. Dort leben etwa 50.000 Flüchtlinge, teils ist ihr einziger Schutz eine Plastikplane. Seit Ausbruch der Kämpfe Ende August sind in Kongo etwa 250.000 Menschen auf der Flucht. Ärzte fürchten, dass neue Kämpfe die Menschen wieder aus den Lagern treiben und damit die Gefahr einer Epidemie erhöhen könnten.

          Der Kongo-Konflikt stand auch im Mittelpunkt eines Sondergipfels des regionalen Staatenbunds SADC, der am Sonntag in Johannesburg (Südafrika) begann. Der gastgebende südafrikanische Präsident Kgalema Motlanthe sagte zur Eröffnung des eintägigen Treffens, Freiheit und Stabilität seien Voraussetzung für Entwicklung.

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