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Krieg im Kaukasus : Putin vergleicht Saakaschwili mit Saddam Hussein

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Vermittelt: Frankreichs Außenminister Kouchner am Montag in Gori Bild: REUTERS

Russlands Ministerpräsident Putin hat den Abzug georgischer Truppen aus dem Irak scharf kritisiert - eine Lösung des Kaukasus-Konflikts werde dadurch weiter erschwert. Den Vereinigten Staaten, die Militärmaschinen für den Transport zur Verfügung stellen, warf er Doppelzüngigkeit vor: Während Iraks Diktator für seine Verbrechen hingerichtet wurde, hofiere der Westen Georgiens Präsidenten.

          Georgien hat nach Angaben Südossetiens am Montag den Beschuss der abtrünnigen Region wiederaufgenommen. „Seit 13.30 Uhr greifen georgische Einheiten Städte in Südossetien wieder an, mit verschiedenen Waffen, darunter schwerer Artillerie“, sagte Irina Gaglojewa, eine Sprecherin der südossetischen Regierung, nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax. Ziel des „massiven Beschusses“ seien Wohngebiete.

          Russland hat einen georgischen Vorschlag für einen Waffenstillstand zurückgewiesen und erklärt, nach Informationen aus der Region setze die Regierung in Tiflis ihre Angriffe fort. Es sei „zynisch“, den „eigentlichen Aggressor“ Georgien nun als Opfer vermeintlicher russischer Gewalt auszugeben, kritisierte der russische Ministerpräsident Wladimir Putin.

          Putin: „Westen nimmt Georgien zu unrecht in Schutz“

          Auch der Transport georgischer Truppen aus dem Irak in amerikanischen Militärmaschinen löste in Moskau heftige Proteste aus. Putin sagte am Montag, dieser Schritt könnte sich als Hindernis erweisen, den Konflikt zwischen Russland und Georgien über die abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien beizulegen.

          Aufmarsch: Georgische Panzer am Montag in Gori

          Georgien hat im Rahmen seiner Großoffensive in Südossetien am vergangenen Freitag beschlossen, sein im Irak stationiertes Truppenkontingent aus 2000 Mann abzuziehen. Putin wertete es als Einmischung der Vereinigten Staaten in den Kaukasus-Konflikt, dass diese Soldaten in amerikanischen Militärmaschinen ausgeflogen wurden.

          Indirekt verglich Putin den georgischen Präsidenten Saakaschwili mit dem früheren irakischen Diktator Saddam Hussein, den man einst wegen seiner Verbrechen gegen das eigene Volk hingerichtet habe. Im Vergleich dazu nehme der Westen die georgische Regierung in Schutz, obwohl diese „ossetische Dörfer ausgelöscht“ sowie Kinder und ältere Menschen ermordet habe, kritisierte Putin.

          Saakaschwili: „Der schlimmste Alptraum“

          Den russischen Waffengang im Südkaukasus nannte der frühere Kremlchef eine „Friedensmission“. Moskau habe die internationale Gemeinschaft oft vor georgischen Kriegsvorbereitungen gewarnt. „Aber niemand hat uns zugehört. Jetzt ist das Ergebnis da, das wir erwartet haben. Wir werden unsere Friedensmission bis zu ihrer logischen Vollendung durchführen“, kündigte Putin an. Die Regierung in Moskau werde den russischen Soldaten, die in die Kampfhandlungen verwickelt seien, den Sold erhöhen, kündigte der 55-jährige Regierungschef an.

          Georgiens Präsident Saakaschwili wiederum wirft Russland vor, die Kämpfe auszuweiten.Außerdem behindere Moskau internationaler Hilfslieferungen nach Tiflis. Inzwischen seien 500 russische Panzer und 25.000 russische Soldaten in Georgien, sagte Saakaschwili am Montagvormittag. Moskau versuche, die demokratisch gewählte Regierung in Tiflis zu stürzen. Etwa fünfzig russische Bomber hätten in der Nacht georgische Städte und Dörfer unter Feuer genommen. Was nun geschehe, sei „der schlimmste Alptraum“ für sein Land, sagte Saakaschwili. Zehntausende Georgier seien inzwischen auf der Flucht. Russland betonte, dass es bei den Einsätzen nur um den Schutz der Bevölkerung in den abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien gehe.

          Wie das georgische Innenministerium am Montag mitteilte, besetzten russische Truppen vorübergehend Polizeigebäude in der Stadt Sugdidi. Zuvor hätten Beamte in der westgeorgischen Stadt eine russische Aufforderung zurückgewiesen, ihre Waffen abzugeben.

          Vereinte Nationen: Bis zu 40.000 auf der Flucht

          Die größte Zahl von Vertriebenen aus Südossetien habe sich Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge nach Nordossetien geflüchtet, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. In diesem Teil Russslands haben den Angaben zufolge ungefähr 30.000 Menschen Schutz gesucht. 6000 weitere seien in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Bis zu 10.000 könnten möglicherweise noch von Südossetien nach Georgien kommen.

          Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat nach eigenen Angaben in Anwesenheit der Außenminister Frankreichs und Finnlands eine Waffenstillstandsvereinbarung unterschrieben. Bernard Kouchner und Alexander Stubb hielten sich am Montag in Tiflis auf, um in dem Konflikt zwischen Georgien und Russland über die abtrünnigen georgischen Regionen Südossetien und Abchasien zu vermitteln.

          Kouchner, der die EU- Ratspräsidentschaft vertritt, hatte sich mit Saakaschwili in der Hauptstadt Tiflis getroffen. Er schlägt eine Feuerpause aller Seiten sowie den Abzug jeglicher Truppen aus dem Konfliktgebiet unter internationaler Beobachtung und den Beginn politischer Verhandlungen vor. Kouchner wurde im Tagesverlauf in Moskau erwartet.

          Nach der Niederlage in Südossetien gerät das georgische Militär auch im Konflikt um das zweite abtrünnige Gebiet Abchasien in die Defensive. Die Führung der von Russland unterstützten Separatistenrepublik teilte am Montag mit, dass die georgischen Truppen im oberen Kodori-Tal komplett umzingelt seien. Bereits am Sonntag hatte es Meldungen über ein Seegefecht im Schwarzen Meer und einen russischen Panzervorstoß in die georgische Stadt Gori gegeben.

          Zur Leserdebatte: Krieg im Kaukasus (Diskussion abgeschlossen)

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