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Krieg im Jemen : Was ist das Friedensabkommen von Riad wert?

Der Vertreter des Übergangsrates, Nassar al Khabji, und der stellvertretender Premierminister Salem al Khanbashi bei der Vertragsunterzeichnung. Im Hintergrund der emiratische und der saudische Kronprinz und Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi Bild: dpa

In der saudischen Hauptstadt unterzeichnen die Konfliktparteien ein Friedensabkommen für den Südjemen. Das viel größere Problem mit den Houthis bleibt ungelöst. Doch vielleicht kommt auch in diesen Konflikt Bewegung.

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          Es war ein Bild der Einigkeit, das sie gerne abgeben wollten. Die starken Männer vom Golf nehmen das schwache Staatsoberhaupt des kriegsversehrten Jemen in ihre Mitte. Der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman und auch der emiratische Kronprinz Muhammad bin Zayed waren persönlich anwesend, als in Riad die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und die südjemenitischen Separatisten feierlich ein Abkommen zur gemeinsamen Machtausübung unterzeichneten. Demnach soll binnen dreißig Tagen ein gemeinsames Kabinett mit 24 Ministern aus beiden Lagern gebildet werden. Die Regierung soll ihren Sitz in der südjemenitischen Hafenstadt Aden haben, die noch von den Separatisten des „Southern Transitional Council“ (STC) kontrolliert wird. Die Separatisten sollen ihre Milizionäre innerhalb von sechzig Tagen schrittweise dem Innen- und Verteidigungsministerium unterstellen. Ihnen wird die lange erhobene Forderung erfüllt, an den unter UN-Regie geführten Friedensgesprächen teilzunehmen. Mehr als einen Monat lang  war in Saudi Arabien über den Deal verhandelt worden. „Dieses Abkommen wird eine neue Phase der Stabilität im Jemen eröffnen“, verkündete der saudische Thronfolger.  

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Allerdings eröffnet die Übereinkunft nur den Ausweg aus einem der Konflikte, die den Jemen verheeren. Der schwerwiegendste, der Houthi-Konflikt, ist von der Übereinkunft nur indirekt betroffen. Die schiitischen Rebellen, die von Iran gefördert werden, hatten im September 2014 die Kontrolle in der Hauptstadt Sanaa übernommen und von dort einen  Eroberungszug gestartet, der sie zwischenzeitlich sogar bis nach Aden führte.

          Die Hafenstadt wurde nach ihrer Rückeroberung zur Übergangshauptstadt der international anerkannten Hadi-Regierung; nur hielt sich das Staatsoberhaupt, das weithin als korrupter Marionettenpräsident verschrien ist, bislang allenfalls sporadisch im Jemen auf.  Hadi und die Separatisten sind im Kampf gegen die Houthi nominell Alliierte. Aber das hinderte sie nicht daran, einander erbittert zu bekämpfen. Im August eröffneten die Separatisten, die eine Abspaltung des Südjemen anstreben, eine weitere Front: Sie übernahmen die Kontrolle über Aden und fügten Hadi damit eine weitere Demütigung zu.

          Risse zwischen Saudis und den Emiraten

          Der Konflikt legte auch die Risse in der Allianz von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten offen, dem wichtigsten Verbündeten des Königreichs. Die Führung in Abu Dhabi ist sowohl Hadi als auch des Einsatzes im Jemen überdrüssig. Im Sommer wurde öffentlich, dass die Emirate diskret den Großteil ihrer Truppen abgezogen hatten. Sie hatten ohnehin maßgeblich darauf gesetzt, südjemenitische Milizen zu fördern und großzuziehen – nur ging es denen nicht um einen geeinten Jemen und schon gar nicht um die Wiedereinsetzung Hadis in Sanaa. Die Emirate unternahmen auch nichts, als die Separatisten Aden einnahmen. Im Gegenteil: Als später eine saudisch geförderte Gegenoffensive des Hadi-Lagers lief, bombardierte die emiratische Luftwaffe deren Milizionäre und sprach von Terroristen.  

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