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Krieg im Jemen : Was ist das Friedensabkommen von Riad wert?

Das gemeinsame Foto von Riad soll nun noch einmal unterstreichen, das enge Bündnis sei weiter intakt. Ebenso das enge Vertrauensverhältnis der Kronprinzen, die jeweils als De-facto-Herrscher ihres Landes gelten. Dass die Übereinkunft selbst am Ende ein Erfolg wird, ist allerdings nicht ausgemacht. Wie schon bei vorigen Abkommen im Jemen werden Probleme erwartet, wenn es darum geht, die Vorgaben in die Tat umzusetzen. Und es gibt genug Schlupflöcher für Sabotage, Verzögerung oder Finten.

Ein funktionierender Formelkompromiss?

So schwingt bei westlichen Diplomaten noch deutliche Skepsis mit, wenn sie erklären, die Einigung könne „als Formelkompromiss“ funktionieren und positive Wirkung entfalten. „Das Gute ist, dass beide Seiten es als Erfolg ansehen und verkaufen können“, sagt ein jemenitischer Beobachter, der den Separatisten nahe steht. Damit ist gemeint, dass die Eingliederung der Separatisten-Milizen möglicherweise nicht über den Grad hinausgehen wird, der für beide Seiten zur Gesichtswahrung gerade so nötig ist.

Sollte ein solches Arrangement halten, wäre das ein Erfolg für Muhammad bin Salman, der im Jemen auf eine Zeit zum Teil schwerer Rückschläge zurückblickt. Denn Saudi-Arabien soll über die Verwirklichung des Abkommens wachen – und würde zur dominierenden Macht im Südjemen, der zuvor fest in der Hand der Emirate war. Das saudische Militär des Königreichs hat seine Präsenz in Aden schon vor einiger Zeit verstärkt. Doch auch in dieser Hinsicht gibt es offen Fragen. Zum Beispiel, ob die Emirate tatsächlich alle ihre Hebel im Südjemen bereitwillig aus der Hand geben? Schließlich hat Abu Dhabi dort einiges an Mühe und Geld investiert. Wichtige Milizen wie die „Schabwa Elite Force“ hat das emiratische Militär eigenhändig aus dem Boden gestampft. Und es bleibt abzuwarten, wer den „eingegliederten“ Brigaden am Ende Sold und Munition bezahlt – denn dort wird deren Loyalität im Zweifel liegen.

Ein saudischer Soldat am Mittwoch in Aden
Ein saudischer Soldat am Mittwoch in Aden : Bild: Reuters

Auch sind die grundsätzlichen Probleme nicht gelöst. Hadi ist weiter verhasst, korrupt und schwach. Vertreter der Separatisten machen schon jetzt deutlich, dass das Abkommen von Riad vor allem den aktuellen Konflikt um Aden beilegen soll. Noch ist lange nicht besiegelt, dass diese Sache aufgehen wird. „Wir sind jetzt in einer besseren Ausgangsposition“, sagt einer von ihnen.   

Gespräche auch mit den Houthis

Ähnlich stellte es der UN-Sondergesandte Martin Griffiths dar, was seine Vermittlungsbemühungen zwischen den Houthi-Rebellen und ihren Gegnern betrifft. Die Einigung sei ein wichtiger Schritt, um in Richtung einer friedlichen Lösung des Jemen-Konflikts voranzuschreiten, erklärte er. Auch Muhammad bin Salman äußerte im Zuge der Unterzeichnungszeremonie in Riad am Dienstag die Hoffnung auf „breitere Gespräche“, die zu einem Ende des Krieges führen könnten. Seine Unterhändler sind schon länger mit den Houthi in Kontakt, wie am Mittwoch ein saudischer Regierungsmitarbeiter auch offiziell bestätigte. Mit dem Jemen befasste Diplomaten sagen, die Gespräche hätten geholfen, die Lage zu deeskalieren und sehen nun die Chance auf eine neue Runde der Friedensverhandlungen. Mit einem weiter schwelenden Konflikt im Südjemen wäre daran nicht zu denken gewesen, hieß es.

Houthi-Rebellen in al Hudaida
Houthi-Rebellen in al Hudaida : Bild: dpa

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