https://www.faz.net/-gpf-11oip

Krieg im Gazastreifen : EU beginnt Vermittlungsmission

  • Aktualisiert am

Der ägyptische Präsident Mubarak am Montag mit den EU-Vermittlern Kouchner, Solana, Schwarzenberg, Ferrero-Waldner und Bildt (v.l.) sowie seinem Außenminister Gheit (3.v.r.) in Scharm al Scheich Bild: AP

Die EU hat im ägyptischen Scharm al Scheich ihre Vermittlungsmission begonnen. Präsident Mubarak empfing den französischen Außenminister Kouchner, Außenkommissarin Ferrero-Waldner, den Außenbeauftragten Solana sowie die Außenminister Schwedens und der Tschechischen Republik, Bildt und Schwarzenberg.

          3 Min.

          Zwei Tage nach Beginn der Bodenoffensive im Gazastreifen hat im ägyptischen Badeort Scharm al Scheich eine Vermittlungsmission der Europäischen Union begonnen. Der ägyptische Präsident Mubarak empfing nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena den französischen Außenminister Bernard Kouchner, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, den EU-Außenbeauftragten Solana sowie die Außenminister Schwedens und der Tschechischen Republik, Carl Bildt und Karel Schwarzenberg.

          Die sogenannte EU-Troika wollte anschließend nach Jerusalem, Ramallah und Amman weiterreisen. Scharzenberg war vor der Reise von arabischer Seite scharf kritisiert worden, weil er die israelische Bodenoffensive als Akt der „Selbstverteidigung“ bezeichnet hatte, was seine Regierung jedoch später relativierte.

          Auch Sarkozy in Kairo

          Auch der französische Präsident Nicholas Sarkozy bemüht sich um eine Vermittlung. Er betonte vorab die Sonderstellung seines Landes in der Region. „Frankreich trägt, weil es ihm gelungen ist, ein Band des Vertrauens und der Freundschaft mit allen Beteiligten zu knüpfen, eine besondere Verantwortung“, sagte Sarkozy in einem Gespräch mit drei libanesischen Tageszeitungen, das am Montag zum Beginn seiner Nahost-Reise veröffentlicht wurde. Sarkozy reist in seiner Eigenschaft als „Co-Vorsitzender“ der von ihm angeregten Mittelmeer-Union in die Krisenregion.

          Artillerie an der israelischen Grenze zu Gaza

          Er könne noch nicht sagen, ob seine Bemühungen, die israelischen Angriffe im Gazastreifen und die Raketenattacken der palästinensischen Hamas auf Israel zu stoppen, von Erfolg gekrönt sein werden, sagte Sarkozy. „Ich weiß nur, dass derjenige, der nicht riskieren will, zu scheitern, sich auch die Möglichkeit nimmt, erfolgreich zu sein.“ Mit Blick auf die unterschwellige Kritik einiger EU-Partner an seinem Alleingang, sagte er: „Offen gesagt, wer könnte mir einen Vorwurf machen, weil ich alles versuche, um so viel Leid zu beenden?“

          30 Angriffe auf Hamas-Stellungen

          Die israelische Armee hatte in der Nacht zum Montag ihre Angriffe auf Stellungen der radikal-islamischen Hamas-Organisation fortgesetzt. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, in der Nacht seien 30 Ziele in dem Palästinensergebiet angegriffen worden. Bei den jüngsten Kämpfen seien sechs israelische Soldaten verletzt worden, berichtete die Zeitung „Haaretz“ am Montag in ihrer Onlineausgabe. Hamas-Kämpfer feuerten mit Panzerabwehrraketen und Mörserraketen auf die vorrückenden Einheiten, hieß es weiter. In Gaza-Stadt seien wieder mehrere Explosionen zu hören gewesen.

          Wie „Haaretz“ weiter berichtete, starben nach Angaben palästinensischer Ärzte bei einem Panzerangriff im Osten von Gaza-Stadt drei palästinensische Kinder und deren Mutter. Die drei toten Kinder wurden am Montagvormittag in einem Krankenhaus in Gaza vor Journalisten gezeigt. Mehrere weitere Palästinenser seien bei dem Angriff im Viertel Seitun verwundet worden. Eine Sprecherin des israelischen Militärs sagte, der Bericht werde geprüft.

          Krankenhäuser vollkommen überlastet

          Ein norwegischer Arzt berichtete im Nachrichtensender CNN, dass sich seit Beginn der Bodenoffensive die Zahl der ins Krankenhaus gebrachten Verletzten verdreifacht habe. Etwa ein Drittel der Verletzten seien Kinder und Frauen. Bereits am Vortag hatten Helfer von katastrophalen Verhältnissen in den überfüllten Krankenhäusern im Gazastreifen berichtet. Auch im Norden des Küstenstreifen waren Explosionen zu hören, als die Soldaten vorrückten. Sie forderten die Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen, damit sie bei den Kämpfen nicht verletzt würden. Einige Familien suchten Zuflucht in von den Vereinten Nationen geführten Schulen.

          Am Wochenende hatten die israelischen Soldaten Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht, aus denen militante Palästinenser zuvor Raketen auf Israel abgefeuert hatten. Am Sonntag gelang es den vorrückenden Einheiten nach palästinensischen und israelischen Berichten, den Gazastreifen zu spalten. Sie trennten den Norden mit der dicht besiedelten Stadt Gaza vom Süden ab und kreisten Gaza-Stadt ein.

          Entführung vereitelt

          Nach palästinensischen Angaben starben allein seit Beginn der Bodenoffensive 50 Palästinenser, 200 Personen seien verletzt worden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza vom Sonntag starben binnen insgesamt seit Beginn der Kämpfe binnen neun Tagen mindestens 520 Palästinenser, weitere 2500 wurden verletzt.

          Nach israelischen Armeeangaben wurde seit Beginn der Bodenoffensive ein israelischer Soldat getötet, 31 weitere seien verletzt worden. Vier israelische Zivilisten wurden seit Beginn der Militäroperation am 27. Dezember durch Raketenbeschuss militanter Palästinenser auf israelischem Gebiet getötet. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, am Vortag sei die Entführung eines Soldaten durch Hamas-Kämpfer vereitelt worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich

          „Berliner Zeitung“ : Was ist das für ein Verleger?

          Der Einstieg von Silke und Holger Friedrich beim Berliner Verlag war furios. Sie veröffentlichten ein Manifest, alles sah nach Aufbruch aus. Und was ist jetzt, nach den Stasi-Enthüllungen?
          Geht’s nicht voran? Ein Mann wartet unterwegs auf das Internet.

          Mobilfunkausbau : So soll das Handy schneller werden

          Die Bundesregierung will im Mobilfunkausbau verängstigte Bürger besser informieren. Denn die bremsen zuweilen den Antennenausbau wegen möglicher Strahlenbelastung. Doch das ist nicht der einzige Grund für den lahmenden Ausbau des Netzes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.