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Unterwegs in den Trümmern : Im Schatten des Krieges

Schutttransport in Gaza: Wiederaufbauhelfer mit einem Eselkarren im Geschäftsviertel Al Remal Bild: AFP

Nach elf Tagen Krieg mit Israel schweigen die Waffen wieder. Im Gazastreifen wurden mehr als 250 Menschen getötet. Der Konflikt trifft alle Palästinenser, auch wenn sich nicht alle auf die Seite der Hamas stellen.

          6 Min.

          Khaled Abudayer steht auf Schutt und Glassplittern im Hof seiner Familie, neben dem von Trümmern bedeckten dunkelroten Sofa, dort, wo sein Bruder und seine zehn Jahre alte Nichte starben. Ein silberfarbener Mercedes parkt noch im Hof, das Dach eingedrückt, die Scheiben zerborsten. Als der Krieg begann, hatte sein Bruder entschieden, hierherzukommen in die Wehda-Straße, wo die Familie ein Haus hat. In der Innenstadt, dem Geschäftszentrum und neben den hohen Gebäuden sei es sicherer, habe sein Bruder geglaubt. Aber als sie an einem Abend im Hof zusammensaßen, griffen israelische Kampfflugzeuge die unmittelbare Umgebung an. Teile des Nachbarhaus mit seinen sieben Geschossen sackten in sich zusammen. Trümmer beschädigten die umliegenden Gebäude und trafen auch die Abudayers. Khaled Abudayer zeigt erst ein Bild seiner kleinen Nichte beim Spielen, dann das Foto ihrer Leiche mit geschwollenem Kopf.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Vom Anfang der Wehda-Straße aus wirkt es, als hätte jemand mit den Bomben Lücken präzise wie ein Tortenstück aus dem Stadtbild geschnitten. Aus der Nähe wird klar, dass auch Präzisionsgeschosse ihre Grenzen haben. Ein paar Häuser weiter in derselben Straße wurde beim Einsturz eines Hauses der Chefarzt der Inneren Medizin eines Krankenhauses getötet. Israels Angriffe haben nicht massenhaft Tote verursacht. Doch die Schuttberge an der Straße und vor allem die durch Steintrümmer versehrten Nachbargebäude zeugen von der Gefahr, die solche Angriffe nach sich ziehen. In den sieben Stockwerken des Ghazi-Shawa-Gebäudes hatten sich eine Bank befunden, die Handelskammer, die Büros von Nichtregierungsorganisationen, eine Repräsentanz Qatars. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte hatte man auf Tunnel unmittelbar neben den Häusern gezielt. Möglicherweise sei dort gelagerter Sprengstoff der Hamas explodiert und die Häuser seien in der Folge eingestürzt.

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