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Nach Brand in Moria : Reedereien wollen auf Lesbos helfen

  • Aktualisiert am

Vorübergehend Flüchtlingsunterkunft? Kreuzfahrtschiff der Reederei TUI Cruises in Cuxhaven Bild: dpa

Mehrere Reedereien sollen bereit sein, Obdachlose aus dem abgebrannten Lager Moria auf ihren Schiffen unterzubringen. Das sagte die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley.

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          Kreuzfahrtschiffe könnten nach Einschätzung der Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley (SPD), für Entlastung im abgebrannten Flüchtlingslager Moria sorgen. Es lägen „konkrete Angebote von Reedereien zu Selbstkosten vor“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Die Europäische Kommission sollte hierauf zügig eingehen.“ Sowohl die Geflüchteten als auch die Inselbewohner seien „zum Spielball der gescheiterten europäischen Asylpolitik geworden“. Auch der Grünen-Europaabgeordnete Erik Markquart unterstützt diese Idee. „Viele Schiffe haben bereits Hygienekonzepte erarbeitet. Angesichts des eingebrochenen Markts für Kreuzfahrtreisen sind die Reedereien dankbar für alternative Einnahmequellen“, sagte er den Zeitungen.

          Demnach ist etwa der Bonner Kreuzfahrtanbieter „Phoenix Reisen“ zur sofortiger Hilfe bereit. „Um Geld geht es uns nicht. Wir würden das Schiff auch verschenken“, sagte Geschäftsführer Johannes Zurnieden. Er zeigte sich angesichts der Not Tausender Menschen auf Lesbos besorgt. „Wir haben Schiffe, die nutzlos hier in Deutschland liegen, während die Menschen auf Lesbos ohne Toiletten sind und nicht wissen, wo sie schlafen sollen. Ein Schiff ist gewiss besser als der Straßenrand.“

          Hilfsbereitschaft signalisiert auch der Reiseanbieter TUI. „Grundsätzlich sind wir offen für Gespräche und den Einsatz von Schiffen“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Umsetzung von humanitären Schutz- und Unterbringungsmaßnahmen sei allerdings staatliche Aufgabe.

          Steinmeier mahnt Asylrechts-Reform an

          In der vergangenen Woche hatte auch Athen eine Unterbringung der Geflüchteten auf Schiffen erwogen – zwei Marineschiffe und eine Fähre wurden auf Lesbos erwartet. Bislang steht den Geflüchteten ein Zeltlager als Alternative zur Verfügung. Tausende harren weiter auf der Straße und auf Feldern aus.

          Unterdessen bekundete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Hoffnung auf einen europäischen Konsens beim Asylrecht. Die Debatte über das Dublin-Abkommen zur Verteilung von Flüchtlingen „läuft schon viel zu lange“, sagte Steinmeier der italienischen Zeitung „La Repubblica“. Er besucht am Donnerstag und Freitag Italien. Italien und Griechenland als Erstaufnahmeländer leisteten seit Jahren „enorm viel“, lobte der Bundespräsident. Dauerhafte Lösungen könnten aber „nur auf europäischer Ebene gefunden werden“. Die erschreckenden Bilder aus Moria stünden „sinnbildlich für die Folgen einer weiterhin nicht gelösten Flüchtlingspolitik in Europa“.

          Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) forderte einen Paradigmenwechsel in der europäischen Flüchtlingspolitik. Mit Lagern wie Moria müsse „nun endlich Schluss sein“, sagte Brigitte Döcker, Mitglied des AWO Bundesvorstandes, in Berlin. Durch das Coronavirus seien auf Lesbos weitere humanitäre Katastrophen zu befürchten. Daher brauche es eine schnelle Regelung für alle Betroffenen.

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