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Kretschmer in Moskau : Er will Russland zugewandt bleiben

Michael Kretschmer (CDU) am 22. April in Moskau Bild: dpa

Bei einem Besuch in Moskau hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer den möglichen Kauf des Impfstoffs Sputnik V in Aussicht gestellt. Vor allem für den Zeitpunkt seiner Reise wurde er stark kritisiert.

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          Den Anlass für die Reise des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) nach Moskau boten „Träume von Freiheit“. So heißt eine Ausstellung über „Romantik in Russland und Deutschland“, die von diesem Freitag an bis zum 8. August in der Neuen Tretjakow-Galerie der russischen Hauptstadt gezeigt wird. Dafür sind unter anderem Werke des Malers Caspar David Friedrich aus Dresden gekommen, wohin die Ausstellung später zieht.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Vor Journalisten wollte Kretschmer am Donnerstagabend den Kulturaustausch als „Türöffner“ verstanden wissen, der eine „Zeit der Sprachlosigkeit“ und der „gegenseitigen Vorhaltungen“ überwinden helfen solle. In diesem Lichte sah Kretschmer auch den Kauf des russischen Impfstoffs Sputnik V, den er nach einem Gespräch mit Gesundheitsminister Michail Muraschko ankündigte, als „Handausstrecken“, „vertrauensbildende Maßnahme“ und „starkes politisches Signal“. Auch in deutsche Bemühungen, in der Impffrage „autark“ zu werden, könne man Russland einbeziehen, das schon im Öl- und Gasgeschäft zuverlässig sei.

          Kretschmer spricht sich gegen Sanktionen aus

          Freilich soll der Kauf von 30 Millionen Dosen Sputnik V nur erfolgen, wenn die Europäische Arzneimittelbehörde das Vakzin zulässt. Dann könnten, sagte Kretschmer, im Juni, Juli und August je zehn Millionen Dosen nach Deutschland kommen. Auf die Frage nach seiner Zuständigkeit gab der Ministerpräsident zu, nicht er, sondern die Bundesregierung verhandele über den Kauf.

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          Kretschmer war für den Zeitpunkt seines Besuchs kritisiert worden, der mit russischen Einschüchterungen der Ukraine und dem Vorgehen gegen den Oppositionellen Alexej Nawalnyj zusammenfiel. Kretschmer verwies auf ein Telefonat mit Präsident Wladimir Putin während seines Aufenthalts. Darin habe er gefordert, dass Nawalnyjs medizinische Versorgung gewährleistet sein müsse; man sei dazu aber „nicht in die Tiefe gegangen“.

          Neuerlich sprach sich Kretschmer gegen Sanktionen gegen Russland aus, die aber „nicht völlig unkonditioniert“ aufgehoben werden könnten; diesen Zusatz konnte man als Bekenntnis zu den Minsker Vereinbarungen zum Ukraine-Konflikt werten. Kretschmer sprach auch mit Vertretern der Zivilgesellschaft, die über Kriegsangst, Repression und Perspektivlosigkeit geklagt hätten. Das sei ein „ziemlich desaströser Befund“, sagte Kretschmer und warb dafür, Russland zugewandt zu bleiben.

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