https://www.faz.net/-gpf-a7uoo

Demonstrationen in Russland : Kreml spricht von „wenigen Menschen“ bei Nawalnyj-Protesten

  • Aktualisiert am

St. Petersburg am Samstag: Polizisten stoßen mit Demonstranten zusammen, die gegen die Inhaftierung des Oppositionsführers Nawalnyj protestieren. Bild: dpa

Einen Tag nach den Protesten gegen die Inhaftierung des Oppositionellen Nawalnyj in Russland versucht der Kreml, die Aktionen vom Samstag kleinzureden – und beschwert sich bei den Amerikanern.

          2 Min.

          Einen Tag nach den Massenprotesten von Anhängern des Kremlkritikers Alexej Nawalnyj in ganz Russland hat der Kreml von wenigen Menschen auf den Straßen gesprochen. „Jetzt werden viele sagen, dass viele Menschen zu den nicht genehmigten Aktionen gegangen sind“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow dem russischen Staatsfernsehen. „Nein, es sind wenige Menschen hingegangen. Viele Menschen stimmen für Putin“, sagte Peskow in der Sendung „Moskau.Kreml.Putin“, die am Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte. Peskow kritisierte zudem die amerikanische Botschaft in Moskau, die vor den Protesten eine Liste mit Demo-Treffpunkten und Uhrzeiten veröffentlicht hatte. Das sei „eine direkte Unterstützung des Gesetzbruchs“, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin.

          Zuvor hatte sich bereits das russische Außenministerium darüber beschwert, dass Washington sich unter dem Deckmantel der Sorge um die Sicherheit amerikanischer Bürger im Ausland in innerrussische Angelegenheiten einmische. Die neue amerikanische Regierung wiederum verurteilte die „harschen Methoden“ der russischen Sicherheitskräfte im Umgang mit Demonstranten und Journalisten.

          In einer großen Protestwelle hatten am Samstag nach Angaben der Organisatoren Zehntausende Menschen in mehr als 100 russischen Städten für die Freilassung des Oppositionsführers Nawalnyj demonstriert. Allein in der Hauptstadt Moskau sollen es 40.000 Demonstranten gewesen sein. Die Polizei veröffentlichte deutlich niedrigere Zahlen. Nawalnyj, der im August Opfer eines Giftanschlags geworden war, wurde vor einer Woche direkt nach seiner Rückkehr nach Moskau zunächst für 30 Tage inhaftiert. Der Vorwurf: Der 44 Jahre alte Nawalnyj soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von dem Attentat erholte. Ihm drohen in Russland mehrere Strafverfahren und viele Jahre Gefängnis.

          Künstler solidarisieren sich mit Nawalnyj

          Unterdessen solidarisierten sich prominente russische Kulturschaffende, darunter Musiker, Autoren und Schauspieler, in einem Video mit dem inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalnyj.  Der auch in Deutschland bekannte Schriftsteller Dmitri Gluchowski sagte, dass es Momente im Leben gebe, in denen Schweigen fehl am Platz sei. Auch die Musiker von Noize MC, Anacondaz und der international bekannte Regisseur Witali Manski riefen im Clip „Freiheit für Alexej Nawalnyj!“ dazu auf, nicht gleichgültig zuzuschauen, wenn Menschen politisch verfolgt und grundlos eingesperrt würden.

          „Für Freiheit muss gekämpft werden!“, sagte Manski. Je häufiger und je größer die Proteste seien, desto schneller komme Nawalny wieder in Freiheit, sagte die Künstlerin Nadeschda Tolokonnikowa von der Punkband Pussy Riot. Sie saß selbst im Straflager, nachdem sie in einer Kirche an einer Protestaktion gegen Kremlchef Wladimir Putin teilgenommen hatte.

          Der Musikstar Andrej Makarewitsch von der Band Maschina Wremeni zeigte sich entsetzt in dem Video, dass erst versucht wurde, Nawalny zu töten und er nun im Gefängnis sitzt. Der Fußballer Igor Dennissow meinte, dass er ein besseres Land für seine Kinder wolle. Die Schauspielerin Irina Wilkowa kritisierte, dass sich das politische System in Russland mit einer Verängstigung der Bevölkerung an der Macht halte. „Wir sind die Menschen, denen das Land gehört.“ Auch Russlands populärster Blogger Juri Dud, dem in sozialen Netzwerken ein Millionenpublikum folgt, ging am Samstag auf die Straße. Die Proteste in vielen Städten Russlands galten schon kurz nach dem Beginn als die größten der letzten Jahre.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fernsehduell vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Ministerpräsidentin Malu Dreyer (links), SWR-Chef Fritz Frey und CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf

          Dreyer und Baldauf im TV-Duell : Ziemlich bissige Kandidaten

          In rund einer Woche wählt Rheinland-Pfalz. Im Fernsehduell bringt Ministerpräsidentin Dreyer den CDU-Spitzenkandidaten Baldauf kurz in Erklärungsnot. Die Bilanz ihrer Regierung ist allerdings auch nicht perfekt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.