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Kreml-Jugend „Naschi“ : Russlands neue Kinder

  • -Aktualisiert am

Die „Naschi” verstehen sich als neue Elite Bild: picture-alliance/ dpa

Die Jugendlichen von „Naschi“ stellen Putins Kritiker bloß und pöbeln gegen „Feinde“ Russlands. Nun geht es auch um die Bewahrung des Putinismus in der Zeit, wenn der „Meister“ den Kreml verlassen haben wird. Von Michael Ludwig.

          4 Min.

          „Kommissar“ Aleksej ist 20 Jahre alt, Student der Politikwissenschaften aus Tula. Die Pickel sprießen noch, aber ideologisch ist er reif, und natürlich ist er kerngesund, also ein unbedingter Anhänger Präsident Wladimir Putins und des „Putinismus“ und damit eingeschworener Gegner des amerikanischen Anspruchs auf „Weltmachtherrschaft“.

          In einem Wald am Seliger-See kampiert Aleksej gemeinsam mit 10.000 Aktivisten der Kreml-Jugend „Naschi“ (die Unsrigen). In diesem Sommerlager erfahren sie ideologische Schulung und Körperertüchtigung, auch werden sie bei der Berufswahl beraten. Die Bewegung wurde als russische Antwort auf die orangen Revolutionen im postsowjetischen Umfeld vor zwei Jahren hinter Kreml-Mauern erdacht.

          Kritiker werden lächerlich gemacht

          Am Hauptweg durch das Lager sind in einem sogenannten Rotlichtbezirk Plakate aufgestellt. Michail Kassjanow, einst Putins Ministerpräsident, der sich später zur Gegnerschaft entschloss, zeigen sie als amerikanische Hure, mit Dollarschein im Netzstrumpf; Garri Kasparow, der frühere Schachweltmeister und Gründer der Anti-Putin-Bewegung „Das andere Russland“, ist als Freudenmädchen im schwarzen Korsett abgebildet, die Beine aufreizend gespreizt; Eduard Limonow von den verbotenen Nationalbolschewiken erscheint als Transvestit, barbusig hingestreckt auf einer Bühne. Die drei haben bis vor kurzem gemeinsam „Das andere Russland“ geführt und die „Märsche der Nichteinverstandenen“ gegen Putin organisiert.

          Jubelnde „Naschi”-Massen zum 7. Jahrestag der Präsidentenwahl Putins im März

          Die „Naschi“ werden von vielen umworben. Beide stellvertretende Ministerpräsidenten Russlands, Dmitrij Medwedew und Sergej Iwanow, die als mögliche Nachfolger Putins gelten, haben ihnen ihre Aufwartung gemacht. Und die Kunstflugstaffel der russischen Luftwaffe kam auch ihnen zu Ehren angedonnert.

          In einem Winkel des Lagers ist ein schäbiges Dorf hinter Stacheldraht aufgebaut. Vor verfallenen Holzhäusern lungern Besoffene herum, stehen rauchend Männer, die in amerikanischen Polizeiuniformen stecken. Ein Schild weist den Weg in dieses „andere Russland“. Die zentrale Botschaft lautet: Amerika macht mit Hilfe einheimischer Verräter Russland zu einer Kolonie. Es zerstört alles, was Putin geschaffen hat, den Wohlstand und die wiedergewonnene Weltgeltung.

          Jeder will gegen Faschismus sein

          Viele, die aus ganz Russland hierhergekommen sind, haben sicherlich Dörfer gesehen, die aussehen wie das Propagandadorf im Lager. Und sie werden wissen, dass der Niedergang auf dem Lande keine Schreckensvision ist, sondern seit Jahren schon hausgemachte Wirklichkeit. Und dass russische Politiker von Jelzin bis Putin dafür verantwortlich sind.

          Anfangs ging es den „Naschi“ vor allem um Unterstützung für Präsident Putin, inzwischen geht es um die Bewahrung des Putinismus in der Zeit, wenn der „Meister“ den Kreml verlassen haben wird. Die „Naschi“ verstehen sich als neue Elite, der das Wohl der Nation heilig ist. Was das bedeutet, bleibt verschwommen, aber ein drohender Unterton schwingt mit.

          Und natürlich ist man „gegen Faschismus“. Das zieht immer und verhüllt, dass Direktiven des Kremls, die sich gegen „Auswüchse“ und „Überfremdung“ auf den Basaren richten, vor Monaten zu einer Hatz auf kaukasisch aussehende Ausländer führten. Inzwischen steuern sie zurück und kritisieren Bundesgenossen wie die „Hiesigen“ (Mestnyje), weil die eigenmächtig Razzien gegen ausländische Händler veranstalten oder in Moskau Ausländer am Taxifahren hindern wollten.

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