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Namensstreit um Mazedonien : Randale überschattet friedliche Demo in Athen

  • Aktualisiert am

Die eigentlich friedliche Demonstration schlug in Gewalt um. Bild: AFP

100.000 Griechen haben friedlich gegen das Namensabkommen zwischen Griechenland und Mazedonien protestiert. Eine Gruppe machte jedoch Randale und versuchte gewaltsam ins Parlament einzudringen.

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          In Athen ist es am Rande einer Großdemonstration gegen das Namensabkommen Griechenlands mit seinem Nachbarn Mazedonien zu Ausschreitungen gekommen. Während mehr als 100.000 Griechen friedlich auf die Straßen gingen, versuchten rund 100 Anarchisten und Hooligans gewaltsam auf den Hof des Parlamentes vorzudringen. Sie bewarfen die Polizeibeamten mit Steinen, diese reagierten mit Schlagstöcken und Pfefferspray.

          Nach Angaben von Regierung und Rettungskräften wurden 25 Polizisten und zwei Demonstranten verletzt. Die Polizei war mit 2000 Beamten, Drohnen und Hubschraubern im Einsatz. Auch Fotografen und Kameramänner wurden attackiert, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Ein Journalist musste nach einem Angriff zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden, wie aus Pressekreisen verlautete. Er war demnach von Anhängern der Neonazi-Partei Goldenen Morgenröte angegriffen worden.

          Die griechische Regierung machte die Goldene Morgenröte auch für die Ausschreitungen verantwortlich, weil deren Mitglieder mit Knüppeln auf Polizisten eingeschlagen hätten. Hauptveranstalter war neben der Partei das "Kampfkomitee für Mazedoniens Griechentum", aber auch griechisch-orthodoxe Kirchengruppen und Popen beteiligten sich an den Protesten.

          Polizisten werden in Athen bei einer Großdemonstration mit Molotow-Cocktails beworfen.

          Die Leidtragenden der Ausschreitungen waren vor allem die ganz normalen Demonstranten. Sie waren aus dem ganzen Land in die Hauptstadt gereist und hatten am Nachmittag in einem Meer aus blau-weißen griechischen Fahnen Sprüche wie „Mazedonien ist griechisch“ skandiert. Nachdem Randalierer Brandsätze und Steine warfen und Tränengaswolken über den zentralen Syntagma-Platz waberten, zogen sich die gemäßigten Demonstranten aber zurück.

          Angst vor Ansprüchen auf Gebiete im Norden Griechenlands

          Die Proteste richten sich gegen den von Ministerpräsident Alexis Tsipras und seinem mazedonischen Amtskollegen Zoran Zaev ausgehandelten Kompromiss, der die Umbenennung Mazedoniens in Republik Nord-Mazedonien vorsieht.

          Die Gegner des Übereinkommens wollen verhindern, dass kommende Woche im Athener Parlament ein Abkommen ratifiziert wird, das dem Nachbarland den Namen Nord-Mazedonien zugesteht.

          Der Namensstreit währt bereits seit des Zerfalls Jugoslawiens 1991. Beide Nachbarländer erheben Anspruch auf das kulturelle Erbe der Jahrtausende alten Region Mazedonien. Die Griechen befürchten, das Nachbarland könne in Nordgriechenland Gebietsansprüche erheben, weil sich dort die griechische Region Mazedonien (altgriechisch: Makedonia) erstreckt.

          Das Abkommen zwischen Griechenland und Mazedonien sieht auch vor, dass Griechenland seinen Widerstand gegen eine Aufnahme des Nachbarn in die EU und die Nato aufgibt. Das mazedonische Parlament hat der Namensänderung bereits zugestimmt. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras überstand am Mittwoch eine Vertrauensabstimmung, die den Weg für die Unterzeichnung des Abkommens frei machte.

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