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Krankheit bei Frau von Assad : Brustkrebs als Propagandawaffe

Sie gucken sich verliebt an: Das von dem syrischen Präsidialamt zur Verfügung gestellte Foto, zeigt die kranke Präsidentengattin. Bild: dpa

Ein ungewöhnlicher Schritt, aber er scheint genau geplant: Das syrische Präsidialamt veröffentlicht ein Bild der Präsidentengattin und macht somit ihre Krebserkrankung publik. Ein Kommentar.

          Die Frau des syrischen Machthabers hat Brustkrebs. Das hat das Präsidialamt in Damaskus am Mittwoch bekanntgegeben. Ein ungewöhnlicher Schritt, wenn man bedenkt, wie akribisch die Krankheiten mächtiger Menschen sonst verheimlicht werden. Vor allem Autokraten meiden jedes Zeichen der Schwäche. Doch die Assads bauen die Krebserkrankung einfach in ihre Image-Kampagne ein: Auf Twitter lächelt Asma al Assad freudestrahlend ihren Gatten an, während sie am Tropf hängt.

          Livia Gerster

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf Instagram zeigt sie sich munter und tatkräftig, am einen Arm einen Verband, im anderen Akten. „Ich gehöre zu diesem Volk, das die Welt Standhaftigkeit, Stärke und den Kampf gegen Schwierigkeiten gelehrt hat... Meine Entschlossenheit kommt von eurer Entschlossenheit in den vergangenen Jahren“, steht unter dem Bild. Ihr Kampf gegen den Krebs als Allegorie des syrischen Kampfes gegen die Regime-Gegner. Asmas Mann Baschar al Assad sprach seit dem Beginn des Bürgerkrieges immer wieder von islamistischen Rebellen als einem Krebsgeschwür. „Man kann nicht nur einen Teil des Krebses herausschneiden“, sagte er, studierter Arzt, im Jahr 2015 in einem Interview. „Man muss ihn herausholen“, da er sich sonst „noch schneller im Körper ausbreitet“.

          Krankheit als Metapher

          Asma al Assads Follower wünschen „Gute Besserung der schönsten Frau, die schon das Krebsgeschwür der Terroristen von der Erde getilgt hat“. Ihre Feinde brechen dagegen in hemmungslose Schadenfreude aus. Da wird von Karma gesprochen, von Rache, der gerechten Strafe Gottes, und selbst hier in Deutschland fragt die „Bild“-Zeitung: „Darf man sich freuen, dass Syriens mörderische Mutter Krebs hat?“

          Die amerikanische Essayistin Susan Sontag entlarvte schon 1977 das Perfide der „Krankheit als Metapher“: Dem Kranken wird sein Leiden zur Last gelegt. Während die Literatur den Tuberkulosekranken noch eine morbide Erotik abgewinnen konnte, barg ein Tumor wenig Romantisches. Psychoanalytiker prägten das Bild von Krebskranken als gehemmte, Wut in sich hineinfressende Ängstlinge. Diese Mythen unterscheiden sich erstaunlich wenig von der mittelalterlichen Vorstellung, „daß Pestilenz und Fiber und ander schwer Krankheyten nichts anderes sein, denn der Teufel Werke“, wie es bei Luther heißt.

          Vielen ist die Krankheit bis heute eine Prüfung des Charakters – die Heilung Leistung, der Tod Schwäche. Diese Küchenpsychologie kann bestenfalls naiv, schlimmstenfalls gefährlich sein. Doch den Brustkrebs einer Diktatorengattin zur Kriegspropaganda zu missbrauchen treibt diese hässliche Logik auf die Spitze. Syrien, das einst nach Zimt und Honig roch und heute nach Tod und Verwesung, wurde von keinem Krebs befallen. Es waren Menschen mit Waffen, die ihren Kindern die Zukunft nahmen. Und es war Baschar al Assad, der sein Volk bombardieren und aushungern ließ, während seine Frau Asma sich hinter den Palastmauern verschanzte. Der Krieg kennt Schuldige. Der Krebs nicht.

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