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Kraftwerksbau in Königsberg : Exportstrom aus der Exklave

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Russland baut im Königsberger Gebiet unmittelbar an der Grenze zu Litauen ein Atomkraftwerk. Die Bauherren hoffen darauf, dass Deutschland in einigen Jahren gerne russischen Atomstrom kaufen wird.

          Eine Million Tonnen Erdöl fördere der Ölkonzern Lukoil jedes Jahr im Gebiet Königsberg (Kaliningrad), heißt es, eine Tonne je Einwohner. Aber dieses Öl reicht nicht für den Bedarf der Einwohner der russischen Exklave zwischen Litauen und Polen - und schon gar nicht für das Militär, das in der Region mit ihrem eisfreien Hafen einen „unsinkbaren Flugzeugträger“ sieht. Fast pausenlos rollen deshalb Güterzüge mit Zisternen voller Treibstoff aus Russland nach Königsberg. Aus Kernrussland kommt durch eine Pipeline auch das Gas, mit dem ein neues Wärmekraftwerk am Stadtrand befeuert wird. Wenn erst einmal die ganze Kapazität dieses Kraftwerks genutzt werden könne, sagt der Königsberger Analyst Wladimir Abramow, dann könne es die Stromversorgung der gesamten Exklave sichern.

          Nun wird auch noch ein Atomkraftwerk im Königsberger Gebiet gebaut - und es gibt Atomkraftgegner, die versuchen, dagegen Protest zu organisieren. Auf ihre Frage, wozu das Atomkraftwerk eigentlich nötig sei, erhielten sie von den Behörden und der staatlichen Atomagentur Rosatom sogar eine Antwort: Die Exklave leide unter einem chronischen Mangel an Strom, der nur durch Lieferungen von außen ausgeglichen werden könne. Auch das neue Wärmekraftwerk werde dieses Problem nicht auf Dauer lösen. Das Atomkraftwerk sei daher notwendig, um die Energiesicherheit der russischen Exklave auf Dauer zu sichern, und zwar - darauf legt man in der politischen Führung in Moskau wie in Königsberg großen Wert - unabhängig von anderen Staaten. Denn die Güterzüge mit Treibstoff und die Gaspipeline müssen auf ihrem Weg aus Russland nach Königsberg die Gebiete anderer Staaten durchqueren. Also wird seit einem Jahr kaum zehn Kilometer von der litauischen Grenze entfernt an der atomaren Zukunft der russischen Exklave Königsberg gebaut.

          Sache der Regierung in Moskau

          Bei einer öffentlichen Anhörung über die Pläne in Ragnit (Njeman), einer Kreisstadt in der Nähe der Baustelle, sei damit geworben worden, dass durch das Atomkraftwerk neue Arbeitsplätze entstünden, sagt Witalij Lawrinowitsch von der Initiativgruppe der Atomkraftgegner. Von solch schönen Aussichten hat man auch im Weiler Ganowka in unmittelbarer Nähe des geplanten Atomkraftwerks gehört. Bis zu 23.000 Rubel (rund 530 Euro) verdienten die Bauarbeiter auf der Baustelle, schwärmen einige Männer von Ganowka, in dem wie in der ganzen Gegend hohe Arbeitslosigkeit herrscht. Sie selbst seien zwar noch nicht gefragt worden, ob sie dort arbeiten wollten - aber sie hoffen. Lawrinowitsch sagt den Männern, dass vorwiegend Arbeiter aus dem russischen Mutterland auf der Baustelle arbeiten oder Gastarbeiter aus dem „nahen Ausland“. Er fragt auch, ob die Menschen hier wirklich glaubten, dass später, wenn das Atomkraftwerk fertig sei, ausgerechnet die ungeschulte Landbevölkerung für Arbeitsstellen in Frage komme, die eine besondere Ausbildung erfordern.

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