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Präsident des Kosovos : Thaçi wegen Kriegsverbrechen angeklagt

Der Präsident des Kosovos Hashim Thaci Bild: AFP

Die Sonderankläger des Kosovo-Gerichts in Den Haag werfen dem Politiker Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Er soll für fast hundert Morde verantwortlich sein.

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          Die Anklage des Haager Sondertribunals für das Kosovo legt dem kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last. Die Anklageschrift muss noch von einem Richter bestätigt werden, bevor es zu einem Prozess kommen kann. Thaçi war zur Zeit des Kosovo-Krieges 1999 politischer Sprecher und Verhandlungsführer der „Befreiungsarmee Kosovo“ (UCK). Die Anklage bezichtigt Thaçi sowie mehrere weitere Personen, für nahezu 100 Morde verantwortlich zu sein.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Opfer der anderen Thaçi zur Last gelegten Verbrechen seien „Hunderte“ von Albanern, Serben, Roma und Angehörige anderer Ethnien. Der Entwurf der Anklageschrift umfasst zehn Punkte. Unter anderem geht es um Mord, Folter und Verfolgung. Die Anklage gab sich sicher, alle Vorwürfe gerichtsfest beweisen zu können.

          Erhoben wurde die Anklage bereits am 24. April; sie wurde aber zunächst nicht öffentlich gemacht. Wenn man sich nun doch zur Veröffentlichung entschlossen habe, bevor ein Richter über die Annahme entschieden habe, so deshalb, weil Thaçi versucht habe, die Arbeit des Gerichts „zu blockieren und zu untergraben“. Man glaube, Thaçi habe eine „geheime Kampagne“ gegen das Kosovo-Tribunal geführt mit dem Ziel, es abzuschaffen.

          In einem Gespräch mit der F.A.Z., das Ende vergangener Woche geführt worden war, hatte Thaçi Gerüchte, er strebe eine Amnestie für Kriegsverbrechen an, entschieden zurückgewiesen. Dies sei in seinen Gesprächen mit dem serbischen Staatspräsidenten Aleksandar Vučić „niemals“ Thema gewesen: „Wir haben so ein Thema nicht diskutiert und werden es niemals diskutieren.“

          Das 2015 in Den Haag eingerichtete Sondertribunal befasst sich speziell mit Verbrechen, die Mitglieder der UCK während des Krieges begangen haben sollen. Der während des Kriegs 1999 erst 31 Jahre alte Thaçi war zwar eine Führungsfigur der UCK, in ihren Reihen aber nicht unumschränkt entscheidungsbefugt, wie unter anderen die damalige amerikanische Außenministerin Madeleine Albright in ihren Memoiren festhält.

          Zu den Angeklagten gehört auch der frühere Parlamentspräsident Kadri Veseli, ebenfalls ein UCK-Veteran. Ihm und Thaçi wird unter anderem vorgeworfen, Ermittlungen behindert zu haben. Laut Mitteilung des Anklägers ist die nun vorgelegte Anklageschrift das Ergebnis einer „langwierigen Untersuchung“.

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