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Kosovo : Früherer Untergrundkämpfer Thaci erklärt sich zum Wahlsieger

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die rund 100.000 serbischen Einwohner des Kosovo blieben den Parlamentswahlen fern. Sie wollten dem Unabhängigkeitsstreben der südserbischen Provinz keine Legitimation geben. Wahlsieger Thaci kündigte dagegen schon eine „neue Ära“.

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          Der frühere albanische Untergrundkämpfer Hashim Thaci hat sich zum Sieger der Parlamentswahlen im Kosovo erklärt. „Ich danke allen, die zu unserem Sieg und zum Sieg des Kosovo beigetragen haben“, sagte Thaci am Sonntag auf einer Veranstaltung seiner Demokratischen Partei (PDK) in der Provinzhauptstadt Pristina vor mehreren tausend jubelnden Anhängern.

          Thaci setzt sich dafür ein, umgehend die Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien auszurufen. Nach den bis zum Morgen vorliegenden Auszählungsergebnissen kann die PDK mit 35 Prozent der Stimmen rechnen, die Demokratische Liga (LDK) von Präsident Fatmir Sejdiu mit 23 Prozent. Der Urnengang wurde von der serbischen Minderheit massiv boykottiert, die Beteiligung lag bei 45 Prozent und damit niedriger als 2004.

          Unabhängigkeit spätestens am 10. Dezember?

          „Heute Abend hat sich im Kosovo die Zeitrechnung geändert“, sagte Thaci. „Eine neue Ära beginnt.“ Mit der Wahl hätten die Bürger des Kosovo der Welt die „Botschaft“ gesandt, dass die Provinz als „demokratisches Land in die europäische Familie eintreten kann“.

          Wills Unabhängigkeit fürs Kosovo: Wahlsieger Thaci

          Am Dienstag sollen in Brüssel die Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo weitergeführt werden. Die serbische Regierung lehnt eine Unabhängigkeit ab. Thaci hatte kürzlich angekündigt, das Kosovo werde seine Unabhängigkeit ausrufen, wenn bis zum 10. Dezember keine Verhandlungslösung erreicht sei.

          Kosovo-Troika soll Status-Frage klären

          Die rund 100.000 Serben im Kosovo blieben dem Urnengang weitgehend fern. Sie wollten den „vorläufigen“ Institutionen des Kosovo keine „Legitimation“ verschaffen, sagte ein Sprecher der Partei des serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica. Der Leiter der OSZE-Mission im Kosovo, Tim Guldimann, zeigte sich zufrieden mit dem Wahlverlauf. Größere Zwischenfälle wurden nicht bekannt.

          Am Dienstag wird die Kosovo-Troika aus Vereinigten Staaten, Russland und Europäischer Union abermals in Brüssel versuchen, zwischen Vertretern der serbischen Regierung und der Verhandlungsdelegation des Kosovo einen Kompromiss zu erreichen. Bis zum 10. Dezember soll die Troika UN-Generalsekretär Ban Ki Moon einen Plan zur Lösung der Status-Frage vorlegen. Der Plan von UN-Vermittler Martti Ahtisaari für eine durch die EU überwachte Unabhängigkeit des Kosovo scheiterte bisher im UN-Sicherheitsrat am Widerstand Russlands.

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