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Kosovo : Die Suche nach der Gretchenantwort

Endlich an einem Tisch: Serben und Kosovo-Albaner verhandeln in Wien Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

In Wien haben die Gespräche über den Status des Kosovos begonnen. Die Unabhängigkeit wird erstmal kein Thema sein, Dezentralisierung zum Schutz der Minderheiten dagegen hat oberste Priorität.

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          Es wirkt alles recht provisorisch im Wiener Büro der UN-Vermittler in der Kosovo-Frage, ungefähr so wie in den ersten Tagen nach einem Umzug: Die Möbel stehen wie Exponate eines Einrichtungshauses an ihrem Platz, die Wände sind kahl, die neue Wohnung fremdelt noch.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Ein Provisorium dürfte das diplomatische Quartier des finnischen UN-Chefvermittlers Martti Ahtisaari und seines österreichischen Stellvertreters Albert Rohan auch bleiben, denn die Angelegenheit, die in den kommenden Monaten von diesem nüchternen Büro im Wiener Stadtzentrum aus mitentschieden wird, soll noch im laufenden Jahr gelöst werden.

          Unabhängigkeit kein Thema

          Am Montag begannen in Wien die direkten Gespräche zwischen Serben und Kosovo-Albanern über den nächsten Status des Kosovos. Zuversichtlich äußerte sich der Leiter der kosovo-albanischen Delegation, Lutfi Haziri. „Die Unabhängigkeit wird kommen“, sagte der Minister.

          Der serbische Delegationsleiter Slobodan Samardzic erwartet dagegen keine baldigen Ergebnisse in den Verhandlungen über die völkerrechtliche Zukunft der Provinz, die formal noch zu Serbien gehört, aber ganz überwiegend von nach Unabhängigkeit strebenden Albanern bewohnt ist. Ahtisaari und Rohan werden in enger Abstimmung mit der sogenannten Balkan-Kontaktgruppe (bestehend aus Amerika, Rußland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien) vermitteln.

          Doch gerade die Gretchenfrage der Unabhängigkeit, die Serbiens Regierung offiziell weiterhin ablehnt, soll bei den Gesprächen zunächst ausgeklammert werden. In Wien hält man es anders: Es sollen zuerst möglichst viele praktische Fragen gelöst werden, die mit der kosovarischen Souveränität, in der ein Kompromiß zwischen Belgrad und Prishtina derzeit aussichtslos scheint, nicht oder nur in einem losen Zusammenhang stehen, aber ohnehin gelöst werden müssen.

          Autonomierechte für Minderheiten

          Zunächst wird über die Dezentralisierung verhandelt, die für den Schutz der im Kosovo verbliebenen Minderheiten ungemein wichtig ist. Nach dem Willen aller Kontaktgruppenstaaten sollen die Gemeinden im Kosovo möglichst viele Befugnisse erhalten, damit die verbliebenen nichtalbanischen Bevölkerungsgruppen in der etwa zwei Millionen Einwohner zählenden Provinz sich weitgehend selbst verwalten können.

          Vor allem für die noch nicht dem Vertreibungsdruck radikaler Albaner gewichenen Serben - sie stellen als größte Minderheit noch etwa sechs bis sieben Prozent der kosovarischen Bevölkerung - fordert die serbische Regierung umfassende Autonomierechte, die sie im eigenen Herrschaftsbereich freilich weder der albanischen Minderheit im Süden Serbiens noch den Ungarn der Vojvodina zugestehen möchte.

          Die Grenzen der Verwaltungseinheiten im Kosovo, so verlangt es Belgrad, sollen entlang ethnischer Linien neu zugeschnitten werden, um serbische Mehrheitsgemeinden zu schaffen und den Serben die Angst vor einer Majorisierung durch die immer noch rasch wachsende Mehrheitsbevölkerung zu nehmen. Außerdem sollen die so entstandenen serbischen Gemeinden einen engen Zusammenschluß untereinander eingehen dürfen.

          Angst vor geteilter Autorität

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